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Freiheit ohne Drogen bei den Herrschern der Wellen

Gold Coast/München (dpa) – Leichte Drogen gehören im Surfsport seit jeher dazu – auch bei so manchem Profi. Von diesem Wochenende an soll dieses Image abgelöst werden: Zum Start der neuen WM-Saison im australischen Gold Coast führt die Profisurfer-Organisation ASP erstmals Dopingtests ein.

Denkanstoß
Der Tod des dreimaligen Surf-Weltmeisters Andy Irons im November 2010 brachte die ASP zum nachdenken.
Foto: Jose Sena Goulao – DPA

Surfen galt immer schon als die etwas andere Sportart. Durchtrainierte Athleten auf schmalen Brettern an den malerischsten Stränden dieser Welt. Ein Aussteigersport voller rebellischer Männer, für die Freiheit und Ungezwungenheit alles sind, und von denen so mancher schon gern mal zur Wasserpfeife greift. Ein Bild, das mit der an diesem Wochenende beginnenden WM-Saison der Vergangenheit angehören soll. Die Profiszene peilt einen Imagewandel an: Drogen sind künftig out, fortan müssen sich die weltbesten Wellenreiter regelmäßig auf verbotene Substanzen testen lassen.

Die Liste von Drogenräuschen ist lang und schockierend, aber erst der Tod des dreifachen Weltmeisters Andy Irons im November 2010 brachte die Funktionäre der Profisurfer-Organisation ASP zum Umdenken und Einlenken. Das Jahr 2012 wurde nun zur Saison der Dopingtests ausgerufen: Dabei will sich der Verband an den Maßstäben der WADA ausrichten – und die komplette Verbotsliste («Prohibited List») der Welt-Anti-Doping-Agentur einbeziehen. Erstmals getestet wird von diesem Samstag (Ortszeit) an beim WM-Auftakt in der Küstenstadt Gold Coast im Osten Australiens. Es ist die erste von elf WM-Stationen.

Leistungssteigernde Substanzen stehen ebenso auf der Liste wie allerlei Genussdrogen. «Wir tragen die Botschaft in die Welt, dass das Surfen immer professioneller wird», betont Surf-Ikone Randy Rarick. Einige Athleten hätten gemurrt, heißt es. Nach außen geben sich alle brav. Kieren Perrow, Surfer und Athletensprecher, unterstreicht die «großartige Botschaft an die Kinder da draußen, für die wir Vorbilder sind».

In seinem Steckbrief auf der ASP-Homepage hat der Australier unter dem Stichwort «Inspirationen» die Namen «Kelly» und «Andy» angegeben. Hinter dem ersten verbirgt sich Kelly Slater: US-amerikanischer Ausnahmesurfer, elfmaliger Weltmeister, Star der Szene. Der andere hieß Andy Irons und ist tot, in den Erinnerungen vieler aber lebt er noch immer. Denn im Surfen geht es stark um Nähe, um Zusammenhalt.

Der Wille, unbedingt der Beste sein zu müssen, ist an den Stränden dieser Welt nicht ganz so ausgeprägt wie in anderen Sportarten, wo dem eigenen Sieg bisweilen alles untergeordnet wird. Kelly Slater und Andy Irons waren sportlich die größten Konkurrenten und abseits der Wellen echte Kumpels, bis Irons im Alter von 32 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes starb. Bei der Obduktion stellten die Ärzte Spuren eines hoch giftigen Cocktails mit Methadon und Kokain fest. Das Rauschgift hatte Irons Tod stark beschleunigt, wenn nicht verursacht.

Ein Held des bunten Surfermilieus war tot – und eine ganze Szene in Aufruhr. Dabei gehören zumindest leichte Drogen zum Surfsport seit Jahrzehnten zum Alltag. Es gab Surfer, die behaupteten sogar, dass Marihuana das Lungenvolumen vergrößere: Je mehr, desto besser. Ein anderer, der Amerikaner Peter Davi, starb 2007 beim Wellenreiten mit Methamphetamin im Blut. Surf-Pionier Anthony Ruffo, wegen Drogenhandels schon verhaftet, meinte einmal: «Wir sahen uns als Außenseiter und rebellierten gegen diese sauberen, adretten Surfer.»

Auch Ruffo war ein Freund von Irons – so wie Kelly Slater. Als der Amerikaner im Herbst 2011 seinen elften WM-Titel perfekt machte, da widmete er seinen Erfolg dem toten Kumpel. Geblieben sind von Irons Erzählungen von sportlichen Erfolgen und Drogenräuschen – dazu Bilder und Filme, die Irons Sucht oft kaschierten: Es sind Aufnahmen von einem Schlaks auf den höchsten Wellen an den schönsten Stränden.

In seiner Jugend, berichtete Irons vor Jahren, fing er aus vier Gründen mit dem Surfen an: Weil es als cool galt, wegen der Mädchen, wegen der Partys – und weil sein Vorbild Kelly Slater auch surfte. Im Alter von 40 Jahren ist der immer noch topfit und strebt WM-Titel Nummer zwölf an. Kelly Slater hat nie ein Geheimnis über seine Meinung zu Drogentests gemacht: Er hat sie all die Jahre befürwortet.

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