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Rheinland-Pfalz

Foodwatch: Kontrolliert wird schon – aber an den falschen Stellen

Jeder neue Futtermittelskandal erschüttert das Vertrauen der Verbraucher und der Landwirte in das Kontrollsystem. Aber wie werden Futtermittel überhaupt kontrolliert? Da sind zum einen die Eigenkontrollen der Industrie. Laut Auskunft des Deutschen Verbands Tiernahrung untersuchen die Hersteller die Zusammensetzung ihrer Produkte und testen sie regelmäßig auf unerwünschte Stoffe wie Dioxine.

Allerdings, sagen Kritiker wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, überprüft die Industrie damit nur Auflagen, die sie sich selbst gegeben hat. Bleibt die staatliche Futtermittelkontrolle. Sie ist der Lebensmittelkontrolle angeschlossen. Bundesweit gibt es etwa 2400 Lebensmittelkontrolleure, laut dem Magazin „Stern“ sind rund 200 Experten für die Futtermittelkontrolle zuständig. In Rheinland-Pfalz arbeiten vier Prüfer, die einem Referat der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier angegliedert sind.

Sie überprüfen im Land jährlich etwa 800 Futtermittelbetriebe, darunter circa 350 Landwirte, die selbst Futter herstellen. Laut Auskunft des Landwirtschaftsministeriums in Mainz werden die Unternehmen je nach Risikokriterien „unterschiedlich häufig kontrolliert“. Unter verschärfter Aufmerksamkeit stehen demnach Betriebe, die schon einmal negativ aufgefallen sind und die Futter für verschiedene Tierarten vorhalten.

Im Jahr 2011 – die Zahlen für 2012 liegen noch nicht vor – wurden 29 Bußgeld-, aber keine Strafverfahren eingeleitet. Auf den Höfen wird nach Angaben des Ministeriums geprüft, wie Futter verwendet, gelagert und dokumentiert wird. Um die Herkunft verfolgen zu können, dürfen die Landwirte nur bei registrierten Betrieben einkaufen.

Den Warenstrom können sie bis zum Zwischenhändler verfolgen. Nur: „Frei geprüft“ werden vor allem importierte Futtermittel offenbar nicht. Dafür fehlt das staatliche Personal in der globalisierten Welt, auf der Unmengen umgeschlagener Waren unterwegs sind. Und auch die Industrie stellt sich dieser Aufgabe nicht. Es gibt also keine Eingangskontrolle.

Genau das kritisiert Foodwatch: „Es wird einfach an den falschen Stellen kontrolliert“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt unserer Zeitung. Derzeit würden nur fertige Futtermittel überprüft – und auch die nur stichprobenartig. „Was wir brauchen, ist eine chargengenaue Kontrollpflicht auf die wichtigsten Giftstoffe – und zwar, bevor die Unternehmen Futter herstellen“, erklärt Wolfschmidt.

Die Industrie sei an einem solchen „vorsorgenden Gesundheitsschutz“ allerdings nicht interessiert. Das hätten die Lebensmittelskandale der Vergangenheit gezeigt. „Im Zuge des Dioxinskandals 2011 wurde ein 14-Punkte-Plan für mehr Kontrolle beschlossen“, erinnert sich Wolfschmidt. Letztlich durchgesetzt habe sich die Kontrolle der Fette, die ins Mischfutter kommen. 2012 folgte dann der nächste Dioxinskandal. Dessen Ursache: Zuckerrübenschnitzel – und nicht Fett.

Ursula Samary/Angela Kauer

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