Archivierter Artikel vom 05.07.2010, 14:38 Uhr
Berlin

«Focus»: Zusätzliche Masern-Impfung geplant

Viele Deutsche sollen sich erneut gegen Masern impfen lassen. Die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI) wird in der nächsten Woche ihre Empfehlung für den Schutz vor Masern ausweiten, berichtet das Magazin «Focus».

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Masernimpfung
In Deutschland sind zwei Masern-Impfungen bis zum zweiten Lebensjahr vorgesehen – dennoch sollen sich viele Deutsche erneut immunisieren lassen. (Bild: dpa)

Demnach will das Gremium allen 1970 oder später geborenen Erwachsenen raten, sich ein zweites Mal impfen zu lassen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fallen rund 35 Millionen Menschen in diese Altersklasse. Viele von ihnen wurden allerdings schon im Kindesalter – wie derzeit empfohlen – zweimal gegen die Infektionskrankeit immunisiert.

Bereits jetzt ist die Impfung gegen Masern für Erwachsene als Vorbeugung empfohlen, wenn sie beruflich mit Infizierten in Kontakt kommen. Auch eine vorbeugende Impfung nach Kontakt zu Masernkranken ist empfohlen.

Anfang 2010 war die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Ziel gescheitert, die Masern in Europa auszurotten. In vielen der 53 Länder der WHO-Europaregion ist die Impfrate nicht annähernd hoch genug, um die hochansteckende Krankheit zu eliminieren, teilte die WHO im Januar mit. Zwei Gründe spielen dabei vor allem eine Rolle: Impfgegner schüren seit Jahren unbegründete Angst vor vermeintlichen Folgeschäden der Impfung. Und allzu viele Menschen nehmen Masern als harmlose Kinderkrankheit wahr – obwohl die Viren unheilbare, tödliche Hirnentzündungen verursachen können.

Jede 500. bis 2000. Erkrankung löst eine Hirnentzündung aus, 10 bis 20 Prozent der Betroffenen sterben. Schon seit mehr als 20 Jahren gibt es deshalb in Europa Impfprogramme gegen die Masern. Die WHO empfiehlt eine zweimalige Impfung von mindestens 95 Prozent aller Kinder, um die Krankheit auszurotten. Abgesehen von Finnland wurde dieser Wert aber bisher in keinem Land Europas erreicht.

In Deutschland sind zwei Impfungen für alle Kinder bis zum zweiten Lebensjahr vorgesehen. Beide Impfungen bekommen derzeit aber nur etwa 80 Prozent der Kinder, mehrere Hundert Menschen erkranken jährlich. Vergesslichkeit ist nach Einschätzung von RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher der Hauptgrund dafür, dass sich die Masern in Deutschland nicht ausrotten lassen. Häufig nähmen Eltern die erste Masernimpfung für Kleinkinder noch wahr. Die zweite Impfung, die einen guten Schutz vor der Krankheit bewirkt, werde aber vernachlässigt.

Aktueller Impfkalender der Stiko: http://dpaq.de/EGaUZ

RKI zu Masern: http://dpaq.de/tmREv