Archivierter Artikel vom 05.07.2010, 10:22 Uhr

Flucht vor Studiengebühren: Umzug lohnt nicht immer

Berlin/Köln (dpa/tmn) – Studieren kostet Geld. Und noch teurer wird es, wenn auch noch Studiengebühren anfallen. So mancher Uni-Einsteiger sucht sich seine Hochschule deshalb da, wo das nicht so ist. Aber solche Kriterien sollten besser nicht den Ausschlag geben.

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Flucht vor Studiengebühren
Gegen die Gebühren sind Studenten in ganz Deutschland auf die Straße gegangen – eine Flucht aus den Gebührenländern ist aber ausgeblieben. (Bild: Woitas/dpa/tmn)

Studiengebühren sind und bleiben ein Streitthema. Das führt dazu, dass Studienanfänger in einigen Ländern zur Kasse gebeten werden, in anderen nicht. In fünf Ländern müssen Studenten derzeit bis zu 500 Euro pro Semester zahlen. Dazu gehören Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Theoretisch gibt es also genug Raum, um den Gebühren auszuweichen. Also einfach in eines der gebührenfreien Länder umziehen? Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk (DSW) in Berlin rät davon ab – zumindest, wenn das der einzige Grund für einen Wechsel ist. «Auf das Wunschfach und die Wunschuni zu verzichten, das macht nur unglücklich», sagt er.

Erst recht schwierig wird es, während des Studiums vor den Gebühren zu flüchten. Denn nicht immer werden alle bislang erbrachten Leistungen bei einem Hochschulwechsel anerkannt. Auch bleibt es schwer abschätzbar, wie sich die Situation entwickelt: Hessen und das Saarland haben eine zeitlang Gebühren erhoben, sie dann aber wieder abgeschafft. Wer vorher weggezogen war, um Geld zu sparen, hatte sich verrechnet. Nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen bleibt abzuwarten, ob dort die Gebühren wieder kassiert werden.

Mitunter lohnt es sich, auf Gebührenunterschiede innerhalb eines Bundeslandes zu achten. So müssen Studenten in Bayern und Nordrhein-Westfalen nicht an allen Hochschulen dasselbe zahlen.

Eine Massenflucht vor den Gebühren ist vorerst ausgeblieben: Laut der Sozialerhebung vom DSW gibt es nur marginale Verschiebungen. «Wir haben eher eine Gebührenvermeidungsstrategie wahrgenommen», erklärt Wolfgang Isserstedt vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover, das die Zahlen erhoben hat. «Junge Leute, die aus gebührenfreien Ländern kommen, wandern weniger in gebührenpflichtige Länder ab.» Wechselten 2006 innerhalb der alten Länder noch 25 Prozent der Befragten von einem gebührenfreien in ein gebührenpflichtiges Land, waren es 2009 nur noch 22 Prozent.

Wer in einem Gebührenland sein Studium beginnt, sollte sich über Befreiungsmöglichkeiten informieren. So werden häufig Studenten mit Kindern von den Zahlungen verschont, ebenso wie Behinderte oder Studenten, von denen bereits mehrere Geschwister Gebühren zahlen. Eventuell lohnt sich auch die Aufnahme eines Gebührendarlehens, die von den Landesbanken und der KfW-Förderbank angeboten werden.

Bei der großen Mehrheit (59 Prozent) kommen die Eltern für die Extrakosten auf. Wenn sie sich das nicht leisten können, bleibt Studenten nur eins: mehr jobben. Fast jeder Dritte (30 Prozent) gab an, die Gebühren mit eigenem Verdienst zu finanzieren. Diese Zahlen verwundern Patrick Schnepper von der Universität Köln nicht, der das Problem als zweiter Asta-Vorsitzender seit längerem beobachtet: «In den vergangenen Jahren haben viel mehr Studenten angefangen, nebenher zu arbeiten.» Problematisch ist das deshalb, weil die Zeit fürs Jobben zum Lernen fehlt. «Die Belastungen steigen für die Studenten, das sehen wir hier in den Beratungen fast täglich», erzählt er.

Wo Studiengebühren anfallen

In fünf Ländern werden derzeit Studiengebühren erhoben: Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Baden-Württemberg und Niedersachsen müssen größtenteils 500 Euro pro Semester gezahlt werden. Ähnlich ist es in Nordrhein-Westfalen – obwohl es dort den Hochschulen freigestellt ist, weniger oder gar nichts zu verlangen. In Hamburg beträgt die Gebühr 375 Euro. In Bayern werden an Universitäten und Kunsthochschulen 300 bis 500 Euro, an Fachhochschulen 100 bis 500 Euro fällig.