Archivierter Artikel vom 02.03.2010, 09:24 Uhr

Fetthormon Leptin könnte Diabetestherapie ergänzen

Dallas/Washington (dpa) – Das Fetthormon Leptin könnte zukünftig bei einigen Diabetikern die Gabe von Insulin ergänzen. Davon gehen US-Forscher aus, die die Wirkung des Hormons bei zuckerkranken Mäusen untersucht haben.

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Leptin senke den Blutzucker wie Insulin, wirke sich aber positiv auf den Fettstoffwechsel aus und vermindere womöglich das Risiko für Herzerkrankungen, die mit Diabetes und der Gabe von Insulin einhergehen können. Die Forscher um Roger Unger vom Touchstone Center for Diabetes Research in Dallas veröffentlichen ihre Ergebnisse in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften.

Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 müssen lebenslang Insulin spritzen, da die Bauchspeicheldrüse das körpereigene Hormon nicht mehr herstellt. Diese Form der Zuckerkrankheit betrifft etwa zehn Prozent der Patienten und beginnt meist im Kinder- oder Jugendalter. Nebenwirkungen der Insulin-Therapie sind Übergewicht und Schäden an Herz und Gefäßen durch erhöhte Fett- und Cholesterinwerte.

Leptin wird unter anderem in Fettzellen des Körpers gebildet und wurde im Jahr 1994 entdeckt. Da es den Hunger zügelt und Fette abbaut, wurde es zunächst als Abspeck-Mittel der Zukunft betrachtet. Allerdings stellte sich heraus, dass Übergewichtige meist nicht auf die Wirkung des Hormons ansprechen, also dagegen resistent sind. Insulin sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt und wirkt dem Fettabbau entgegen.

Die Wissenschaftler gaben 15 nicht übergewichtigen Mäusen mit Diabetes mellitus Typ 1 Leptin und verglichen die Ergebnisse mit denen von Mäusen, die Insulin oder eine Salzlösung erhalten hatten. Ergebnis: Leptin senkte den Blutzucker und den Diabetes-Marker HbA1c der Mäuse ebenso wie Insulin. Gleichzeitig hatten die Leptin-Mäuse weniger Hunger, es wurde Fett abgebaut und sie verloren Gewicht, während die Insulin-Mäuse an Körperfett und Gewicht zulegten.

Unger und Kollegen identifizierten verschiedene Eiweiße, die für die Bildung von Körperfett und Cholesterin zuständig sind und fanden heraus, dass die Leptin-Mäuse im Vergleich zu den anderen Mäusen weniger davon hatten. Es fanden sich auch weniger freie Fettsäuren im Blut, die dafür verantwortlich sind, dass Körperzellen unempfindlicher für Insulin werden und sich eine Insulinresistenz entwickelt.

Die Wissenschaftler gaben den Mäusen zunächst hohe Dosierungen von Leptin, die in angemessener Dosis bei Menschen viel zu teuer seien. Sie stellten jedoch fest, dass sie auch mit weniger Leptin, das regelmäßig über eine Medikamentenpumpe gegeben wurde, die gleiche Wirkung erzielten und kombinierten das Hormon mit der Gabe von Insulin. Unger und Kollegen gehen nicht davon aus, dass Leptin die Gabe von Insulin ganz ersetzen kann. Zudem merken sie in den PNAS an, dass übergewichtige Patienten nicht von Leptin profitieren könnten, da sie oft resistent dagegen sind.