Archivierter Artikel vom 13.06.2012, 10:50 Uhr

Fecht-Olympiasiegerin Heidemann: «Alles ist möglich»

Düsseldorf (dpa). Wenn Degen-Olympiasiegerin Britta Heidemann und Säbel-Ass Nicolas Limbach am Freitag beim Europa-Championat in Legnano nahe Mailand erstmals die Planche betreten, haben sie nur eines im Sinn: London und Olympia.

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Formstark
Britta Heidemann verpasste nur knapp die Finalrunde.
Foto: Felix Heyder – DPA

Die EM als Störfaktor? Für den Dormagener Limbach keineswegs. «Das ist ein Turnier wie viele andere. Und ich habe nie Bock, zu verlieren», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Britta Heidemann nennt die EM eine «Zwischenstation»: «Der Höhepunkt sind die Spiele. Mein Ziel ist, nach einer langen Saison mit Handoperation im Winter, der dramatischen Qualifikation und vielen Turnieren genau in London topfit zu sein.» Ihr Tiefpunkt mit Platz 126 bei der WM 2011 ist fast vergessen. «Zuletzt habe ich wieder befreit aufgefochten und gute Ergebnisse erreicht. Die Formkurve zeigt nach oben, alles ist möglich.»

Also auch erneut Olympia-Gold? Noch überwiegt bei der Leverkusenerin Skepsis. Vor Peking war sie in der Weltrangliste top, zudem aktuelle Weltmeisterin. «Ich hatte aber auch vier Jahre weniger Erfahrung.» Limbach, WM-Zweiter von 2011 und Welt-Champion von 2009, ist ungleich forscher: «Druck kann mir keiner machen, den mache ich mir selbst.» Klare Ansage des Dormageners an die Konkurrenz: «Ich fechte um Gold mit, ich habe die höchsten Ziele.»

Diese mutige Aussage trifft nicht auf alle 27 deutschen EM-Starter zu. Sportdirektor Manfred Kaspar, der nach London seine vierjährige Amtszeit beendet und wieder als Coach tätig wird: «Die EM ist generell mehr ein Schielen auf die Weltrangliste.» Hintergrund: In Legnano geht es für die Teams um die Olympia-Setzliste. Wer gut punktet, geht bei den Spielen der Top-Konkurrenz erstmal aus dem Weg. «Das hat ganz eindeutig Vorrang», sagte Kaspar, der von «einer London-Etappe» und von einem «Positionierungswettkampf» spricht.

Als einziger Deutscher unter den Europameistern von Sheffield 2011 geht der Leipziger Degen-Experte Jörg Fiedler in Legnano an den Start – und verzichtet auf den Mannschaftswettbewerb, weil mit dieser Waffe auch in London nur individuell gefochten wird. «Natürlich schwächt das unser Degenteam», sagte Kaspar, der glücklich wäre, sollte der deutsche Kader mit den EM-Neulingen Anna Sauer (Florett), Raphael Steinberger (Degen) und Bundestrainer-Sohn Matyas Szabo (Säbel) wie in Sheffield auf einmal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze kommen. EM-Gastgeber Italien räumte vor einem Jahr mit sechs von zwölf Titeln mächtig ab.

Gordon Rapp, der Präsident des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB), beugte einer weniger guten Ausbeute vor: «Wir müssen beachten, dass sich unsere Olympia-Teilnehmer intensiv auf London vorbereiten und sie die EM als wichtigen Test betrachten.» Also bloß kein Druck – aber «natürlich freuen wir uns in Legnano über jede Medaille», fügte Rapp hinzu.

Das Aufgebot des Deutschen Fechter-Bundes für die EM:

Damendegen: Imke Duplitzer (Bonn), Britta Heidemann (Leverkusen), Ricarda Multerer (Heidenheim), Monika Sozanska (Heidenheim)

Damenflorett: Sandra Bingenheimer (Tauberbischofsheim), Carolin Golubytskyi (Tauberbischofsheim/nur Einzel), Anna Sauer (Tauberbischofsheim/nur Team), Katja Wächter (Tauberbischofsheim), Martina Zacke (SC Berlin)

Damensäbel: Alexandra Bujdoso (Koblenz), Sibylle Klemm (Tauberbischofsheim), Stefanie Kubissa (Dormagen), Anna Limbach (Dormagen)

Herrendegen: Norman Ackermann (Tauberbischofsheim/nur Einzel), Jörg Fiedler (Leipzig/nur Einzel), Christoph Kneip (Leverkusen), Niklas Multerer (Heidenheim/nur Team), Stephan Rein (Heidenheim), Raphael Steinberger (nur Team)

Herrenflorett: Sebastian Bachmann (Bonn), Peter Joppich (Koblenz), Benjamin Kleibrink (Tauberbischofsheim), André Weßels (Bonn)

Herrensäbel: Max Hartung (Dormagen), Nicolas Limbach (Dormagen), Matyas Szabo (Dormagen), Benedikt Wagner (Dormagen)

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