Archivierter Artikel vom 17.03.2011, 12:02 Uhr

FCB: Acht «Vollgas»-Spiele – Platz 2 wie «Titel»

München (dpa). Thomas Müller will die «Woche des Schreckens» ein bisschen vergessen, für Mario Gomez wäre Platz zwei oder drei schon wie ein Titel: Die Bundesliga-Auswärtspartie beim SC Freiburg soll für den FC Bayern München der Startschuss für acht Seriensiege zum Saison-Ausklang sein.

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Frust
Thomas Müller (l) kannes nicht fassen. Die Bayern sinjd in der Champions League durch ein Last-Minute-Tor ausgeschieden.
Foto: DPA

«Noch achtmal Vollgas und dann denke ich, werden wir auf Platz zwei oder drei stehen», sagte WM-Torschützenkönig Müller, der den deutschen Fußball-Rekordmeister nach dem dreifachen Titel-K.o. in der Bringschuld sieht. «Wir haben jetzt nicht mal Lorbeeren, auf denen wir uns ausruhen können...»

Überall im Club geht die Sorge um, dass die Mannschaft die Qualifikation für die kommende Saison in der Champions League mit dem Finale 2012 in München verpassen könnte. Jeder wolle in der Königsklasse spielen, «es gibt kein Motivationsloch», betonte Mario Gomez. «Unser 'Titel' ist Platz zwei oder drei dieses Jahr. Wir können nicht vier Monate trauern und uns wundern, warum wir die letzten Spiele verschlafen. Wir müssen den Mund abwischen und weitermachen.»

Aber können sich die Bayern tatsächlich auf die ungewohnte Situation einstellen? Denn normalerweise laufen jetzt die Wochen, in denen es sonst um Titel geht. Jetzt sei eben der zweite Platz wie «die Meisterschaft», sagte Sportdirektor Christian Nerlinger, der für die neue Saison Neuzugänge für die wacklige Defensive ankündigte.

Aber nicht nur die Spieler, auch der neue Trainer – weiter spricht alles für Leverkusens Coach Jupp Heynckes – will lieber in der Königsklasse mit der Mannschaft aufspielen. Und dass Stars wie Arjen Robben keine Lust auf die zweite europäische Liga haben, ließen diese auch schon wiederholt anklingen. «Da sehe ich aber keine Abwanderungsgedanken. Er weiß, was er hat und fühlt sich pudelwohl. Die Mannschaft ist sehr intakt», sagte Müller und verwies bei den Gedankenspielen um das «Horrorszenario» Europa League auf langfristige Verträge des «Gerüsts der Mannschaft».

Kapitän Lahm hat angesichts eines Rückstands von sieben Punkten auf Rang zwei und den vergangenen Resultaten eine «kritische Situation» ausgemacht – von einem Zwist zwischen Offensive und Defensive sprach der Nationalspieler dagegen nicht. Dabei rumorte es nach dem 2:3 gegen Inter Mailand tüchtig in den Bayern-Reihen, sicherlich auch aus der Emotion heraus. Die Angreifer sprachen der Abwehr die Tauglichkeit für die Champions League ab, die Defensive wies auf die fehlende Chancenverwertung hin. «Es ist wichtig für die nächsten Spiele, dass wir als Mannschaft zusammenstehen und uns von nichts auseinander treiben lassen», sagte Müller.

Nerlinger sieht keinen Riss in der Mannschaft, wohl aber Nachbesserungsbedarf für die neue Saison. «Schuldzuweisungen wären auch nicht angebracht. Im Gegenteil: Wir müssen gemeinsam durch diese schwierige Phase gehen», sagte der Sportdirektor, der Verstärkung für die neue Saison ankündigte. «Wir müssen hinten etwas tun, weil deutlich wurde, dass man Titel nur mit einer stabilen Defensive holt.» Trotz vieler Experimente fand der Club «keine feste Defensivformation», so Nerlinger im «Kicker». «Klar ist deshalb, dass wir im Sommer diese Defensive verstärken müssen.»

Ein Mailänder Gewinner, Lucio, wies im «Kicker» darauf hin, dass man ihn anrufen könne, denn er wollte ja immer seine Karriere in München beenden. Ein anderer Brasilianer, der gegen Inter patzende Breno, ließ dagegen Interesse erkennen, dass er zum FC Sao Paulo zurückkehren wolle.