Archivierter Artikel vom 17.09.2010, 11:26 Uhr

Fast ein Wunder: Robert Göthner kann wieder gehen

Leipzig (dpa). Das Unglück des Nachwuchs-Piloten Robert Göthner passiert kurz vor Weihnachten 2009: Nach einem Fahrfehler in Kurve elf kippt der 630 Kilogramm schwere Bob bei 140 Stundenkilometern und kracht kopfüber in die gefährliche Doppelkurve 12/13.

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Auf gutem Weg
Robert Göthner spaziert in Leipzig mit Krücken.

Selbst Weltklassepiloten wie die Olympiasieger André Lange und Christoph Langen stürzten dort. Die drei Anschieber Göthners ziehen instinktiv die Köpfe ein und klammern sich an die Haltegriffe. Göthner, der beim Europacup-Training den Spurschlitten steuert, kommt mit dem Kopf zwischen Bob und Bande. Er zieht sich schwere Verletzungen im Halswirbelbereich zu.

Göthner wurde sofort im Dresdner Universitätsklinikum notoperiert und in ein künstliches Koma versetzt. Nach dem Aufwecken spürte der Leipziger Sportstudent vom Hals ab keinen weiteren Teil seines Körpers. Diagnose: inkomplette Querschnittslähmung. Das heißt, beim Unfall wurde nur ein Teil des Rückenmarks beschädigt. So bestehen noch Restfunktionen, die für die Rehabilitation genutzt werden können. «Kurz nach dem Unfall ging gar nichts», erinnerte sich der 26-jährige Göthner, dessen Genesung neun Monate danach an ein medizinisches Wunder grenzt.

Göthner gab sich nicht auf. Nach seiner Verlegung in die Rehabilitationsklinik Bavaria in Kreischa unweit der Altenberger Bobbahn hat er sich intensiver mit seiner Diagnose beschäftigt. «Und nach den ersten Muskelaktivitäten, die ich machen konnte, sagte ich mir: Jetzt gibst du einfach alles.» Er fing an mit Sitzübungen und konnte relativ schnell wieder stehen. Am Barren übte er das Gehen. Sein Rollstuhl stand bald nutzlos im Krankenzimmer herum.

Mit glänzenden Augen berichtet er, dass er sogar schon wieder Autofahren kann. Nun fährt er täglich in die Trainingshalle des LAZ Leipzig. Ehemalige Sportkollegen und Freunde begleiten und unterstützen ihn. «Es ist auch praktisch, wenn jemand da ist. Falls ich auf dem Laufband mal stürze», meinte der ehrgeizige Athlet im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und fügte schmunzelnd hinzu: «Das Laufband stelle ich immer so schnell ein, dass ich gerade noch gehen kann.»

Im Oktober möchte er sein Lehramtsstudium fortsetzen. Ob es bei seinen gewählten Fächern Sport und Mathematik bleibt, ist wegen der körperlichen Anforderungen im Sportbereich noch fraglich. Alternative Ideen hat Göthner viele, reden will er darüber noch nicht. Daher nutzte er jetzt auch das gemeinsame Bewerbertraining der Deutschen Sporthilfe und der Telekom.

Eines ist für ihn aber jetzt schon klar. Sollte er jemals wieder komplett gesund werden, was die Ärzte durchaus für möglich halten, will er nie wieder in einen Bob steigen. Einen Traum hat er dennoch: «In zwei Jahren möchte ich im Park wieder Fußball spielen.»