Archivierter Artikel vom 21.02.2011, 13:30 Uhr
Königssee

Extrem-Typ Sluszny: Haie, Basejumping und nun Bob

Mit 49 Jahren gilt er als Opa in der Bob-Branche. Doch der Belgier Marc Sluszny ist alles andere als ein Greis. Er ist der absolute Adrenalin-Junkie. Kaum eine Extrem-Sportart hat er ausgelassen. Nun sitzt er im Bob und will 2014 zu Olympia nach Sotschi.

Lesezeit: 2 Minuten
Vielseitig
Der belgische Sportler Marc Sluszny ist nun Bobfahrer.

Exoten im Bobsport gab es schon viele. Angefangen hat es 1988 bei Olympia in Calgary mit den coolen Jamaikanern. Danach gab der damalige Prinz und heutige Fürst Albert von Monaco sein Debüt und nahm immerhin fünfmal an Winterspielen teil. Zwar legte der Adlige anfangs die eine oder andere «Prinzenrolle» im Eiskanal hin, doch seine Qualitäten an den Lenkseilen konnten sich dann sehen lassen. So weit ist der Belgier Marc Sluszny noch lange nicht, auch wenn er bei der Zweierbob-Weltmeisterschaft in Königssee ohne Sturz als Vorletzter unter 31 Startern ins Ziel kam.

Die sportliche Vita des 49-Jährigen liest sich unglaublich. 1982 spielte er im belgischen Davis-Cup-Team Tennis, fünf Jahre später durchschwamm er den 36 Kilometer breiten Ärmelkanal in 10:30 Stunden. 1994 stellte er einen Weltrekord im Bungeejumping in 6720 Meter Höhe aus einem Heißluftballon auf und versuchte sich im Basejumping, dem Fallschirmspringen von Gebäuden, Brücken oder anderen Objekten.

1995 wurde er WM-Vierter im Skysurfen. 1997 nahm er ohne Sauerstoff-Gerät an einer Himalaya-Expedition zum 8091 Meter hohen Annapurna teil. Die Tour musste wegen Lawinengefahr abgebrochen werden. Zur Jahrtausendwende stand Drachengleiten auf dem Programm. 2002 war er Mitglied im belgischen Degen-Team und wurde mit der Mannschaft WM-Achter.

Doch Fechten setzte nicht genug Adrenalin frei. Schon 2003 segelte er bei der berühmt-berüchtigten Sydney-Hobart-Regatta als erster Belgier an Bord der «Icefire» mit. 2004 fuhr er in Spa, Daytona und auf dem Nürburgring 24-Stunden-Rennen. Mit dem Segelflugzeug stellte er 2007 einen Höhen-Weltrekord (11 300 Meter) auf. Dann kehrte er wieder zum Element Wasser zurück: 2008 Wrack-Tauchen zur «Britannic», dem Schwesterschiff der Titanic, 2009 Powerboot-Rennen mit Platz vier bei der WM. Im März 2010 dann einer der Höhepunkte seiner nicht gerade eintönigen Karriere: Vor Südafrika tauchte er mit dem Weißen Hai. In diesem März kommt der Dokumentarfilm in die belgischen Kinos.

Dem Bobsport will er treu bleiben. «Nach Basejumping ist Bobfahren der zweitaufregendste Sport. Denn alles kann man mit einem Lehrer erlernen, nur beim Bob nicht, da musst du instinktiv die richtige Entscheidung treffen. Und es wird immer schneller», sagte Sluszny, der in Winterberg vor der EM allein fünfmal gestürzt war, der dpa.

Bei seinen Abenteuern hat er sich schon dreimal einen Wirbel im Lendenbereich gebrochen. Aufhalten kann ihn das nicht. In dem Buch «Die neun Leben des Marc Sluszny» gibt er weitere Einblicke. Und das nächste Ziel steht schon: 2012 will er in Salt Lake City mit 290 Stundenkilometern einen Geschwindigkeits-Weltrekord mit einem Elektro-Motorrad aufstellen.