Archivierter Artikel vom 07.09.2012, 17:25 Uhr

Expertin: Bei Selbsttötungen brauchen Hinterbliebene Ehrlichkeit

Bayreuth (dpa). Der plötzlichen Tod eines geliebten Menschen ist oft wie ein Faustschlag ins Gesicht. Umso schlimmer, wenn der Verstorbene seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hat. Die Angehörigen brauchen dann keine Floskeln, sondern Ehrlichkeit.

Lesezeit: 1 Minuten
Grabkerze
Die Trauer kennt oft keine Grenzen: Ehrlichkeit hilf den Betroffenen.
Foto: Jan Woitas – DPA

Die Hinterbliebene brauchen besondere Zuwendung, darauf hat der bundesweit tätige Selbsthilfeverein Agus am Freitag in Bayreuth hingewiesen. An diesem Montag (10. September) wird mit dem Welt-Suizid-Präventionstag auf das Thema Selbsttötung aufmerksam gemacht. Agus-Geschäftsführerin Elisabeth Brockmann warnte, dass Menschen, die einen engen Angehörigen durch Selbsttötung verloren haben, ein höheres Risiko haben, sich auch das Leben zu nehmen.

Es sei deshalb wichtig, sich um die Hinterbliebenen zu kümmern. «Die Trauernden haben oft das Gefühl, versagt zu haben.» Mit Floskeln oder Schweigen helfe man dem Angehörigen allerdings nicht, erläuterte die Sozialpädagogin: «Alles, was ehrlich gemeint ist, tut gut. Es tut auch gut, über den zu sprechen, der gestorben ist.»

Manfred Wolfersdorf, ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Bayreuth und Facharzt, sagte, dass Selbsttötung kein Tabuthema mehr sei. Es gebe besser geschultes Fachpersonal, das suizidgefährdeten Menschen helfe. In der Aus- und Fortbildung bei psychotherapeutischen Berufen spiele Selbsttötung inzwischen eine wichtige Rolle.

Wolfersdorf warnte bei dem Thema vor einfachen Schlussfolgerungen. In den vergangenen Monaten hätten sich zwar die Berichte über erweiterte Suizide gehäuft – also den Selbstmord von Menschen, die ihre Kinder oder den Partner ebenfalls töten. «Wir wissen aber nicht, ob es tatsächlich eine Zunahme gibt», sagte der Experte. In den statistischen Daten finde sich dafür kein Hinweis.

Hier gibt es mehr Infos zum Selbsthilfeverein Agus