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Berlin

Experten: Selbstkontrolle kann Thromboserisiko senken

Ein kleines mobiles Kontrollgerät kann nach Einschätzung des Deutschen Herzzentrums Berlin Menschen mit einem hohen Thrombose-Risiko zu mehr Lebensqualität und Sicherheit verhelfen.

Ärzte bei OP
Häufig entstehen Thrombosen – kleine Blutgerinnsel – nach Operationen, bei denen Patienten lange liegen müssen. (Bild: dpa)

Besonders für Patienten mit Herzklappen und Kunstherzen böte sich die Selbstkontrolle an, sagte Herzchirurg Rufus Baretti in Berlin. Sie mache zum Beispiel das Reisen einfacher. Langfristig sei die Methode auch für die Krankenkassen kostengünstiger. Denn Patienten müssten seltener zum Arzt.

Nach Angaben des Herzzentrums gibt es in Deutschland mehr als einen Million Menschen, die ein hohes Thrombose-Risiko haben und deshalb mit Medikamenten vorbeugen. Doch bisher nutzten weniger als 10 Prozent der Betroffenen – rund 160 000 Menschen – die Selbstkontrolle. Dabei gibt es die Technik seit mehr als 10 Jahren. Gründe dafür seien unter anderem zu wenige Schulungszentren in ländlichen Gebieten, manchmal auch der Widerstand niedergelassener Ärzte. Sie fürchteten, ihre Patienten zu verlieren.

Für die Selbstkontrolle müssen Patienten ähnlich wie bei der Blutzuckerbestimmung einen Blutstropfen auf einen Teststreifen geben, den Streifen in ein mobiles Gerät schieben und das Ergebnis korrekt ablesen. Nach diesem Wert dosieren sie ihre Medikamente für die Thrombose-Prophylaxe selbst. Es dauert ein paar Stunden, bis Patienten die Technik verstehen und beherrschen. Bei Erfolg können sie ihre Werte perfekt einstellen, auch auf Reisen. Sie müssen auch viel seltener zu Kontrolluntersuchungen zum Arzt.

Thrombosen sind kleine Blutgerinnsel, die häufig in den Venen der Beine entstehen und lebensgefährliche Folgen haben können. Gelangen sie ins Gehirn, verstopfen sie dort die Blutbahn wie ein Pfropf und lösen Schlaganfälle aus. Im Herzen können sie die Ursache für einen Infarkt sein, in der Lunge für eine lebensbedrohliche Embolie mit Luftnot. Thrombosen entstehen besonders häufig nach Operationen, bei denen Patienten lange liegen müssen, zum Beispiel beim Ersatz von Hüft- und Kniegelenken. Doch auch bei Herzrhythmusstörungen besteht ein Risiko, ebenso bei künstlichen Herzklappen und Kunstherzen, an denen Blut leichter gerinnt und sich festsetzt.

Moderne Tabletten sorgen bisher erst nach Knie- und Hüftoperationen dafür, dass sich der Körper eines Patienten ohne Laborkontrollen auf den passenden Blutgerinnungsfaktor einstellt. Für 2011 rechnen Forscher damit, dass es solche Medikamente auch bei Vorhofflimmern und tiefen Venenthrombosen gibt. Bei anderen Leiden müssen sich Betroffene zur Vorbeugung jedoch weiterhin selbst Spritzen geben. Wer Tabletten älterer Generationen nimmt, muss häufig zum Arzt und dort seine Werte kontrollieren lassen.

Hanno Riess, Hämatologe an der Berliner Charité, geht davon aus, dass es durch Selbstkontrolle weniger Todesfälle gibt als bei der herkömmlichen Thrombose-Prophylaxe. Bei einer Routinebehandlung sterbe rund einer von 400 Patienten trotz Thrombose-Vorbeugung durch ein Blutgerinnsel, sagt er. Bei der Selbstkontrolle gebe es weniger Todesfälle, weil die Patienten Alarmwerte bemerkten und schnell darauf reagierten. «Sie sind sich der Gefahr besser bewusst», sagte er. Vergleichende Studien als Beleg gebe es jedoch nicht.

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