Archivierter Artikel vom 28.03.2014, 12:20 Uhr
Bonn

Exotische Nager: Stachelmäuse gehören in erfahrene Hände

Dunkle Knopfaugen, ein langer Mäuseschwanz und Stacheln. Was sich nach einer Kreuzung aus Maus und Igel anhört, ist ein Wüstentier. Hierzulande werden Stachelmäuse auch als Haustier gehalten. Doch sie eignen sich nicht für jeden Tierfreund.

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Stachelmäuse brauchen Verstecke
Stachelmäuse sind neugierige und agile Tiere, die viel Platz brauchen – aber auch genügend Verstecke für den Nestbau.
Foto: Jens Schierenbeck – DPA

Warum die Stachelmaus Stacheln hat, das wissen auch Experten nicht genau. «Man kann sich schon ein bisschen dran pieken», meint der Biologe Jürgen Hirt von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Doch vor Fressfeinden schützen die Stacheln kaum – anders als das Stachelkleid eines Igels.

Züchter oder Zoofachhandlungen in Deutschland verkaufen meistens die Sinai-, die Ägyptische, die Kreta- oder die Goldstachelmaus. Es sind aber auch zahlreiche Mischformen im Handel, die durch Kreuzung verschiedener Arten entstanden sind. «Es wird von fast durchgängig unreinen Zuchtlinien gesprochen», so Verena Mißler, Tierärztin für Heimtiere an der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes. Kein Wunder, denn Stachelmäuse vermehren sich schnell – und mitunter, ohne dass es der Besitzer geplant hat. Daher rät Mißler ausdrücklich davon ab, Männchen und Weibchen zusammen zu halten. «Am besten eignen sich Gruppen junger Weibchen, die am besten noch miteinander verwandt sind.»

Damit sich die Tiere wohlfühlen, brauchen sie genügend Platz. Verena Mißler empfiehlt ein Terrarium, das mindestens einen Quadratmeter misst. In freier Wildbahn nutzen die Nager Felsspalten und Nischen als Nester. Deshalb sollte das Terrarium genügend Verstecke bieten. Äste und Wurzeln eignen sich gut, ebenso Steine oder Steinplatten.

Stachelmäuse bevorzugen eine warme, trockene Umgebung. Am wohlsten fühlen sich die meisten Arten bei einer Temperatur von 23 bis 24 Grad Celsius. Kälter als 22 Grad sollte der Raum tagsüber nicht sein. Wer Stachelmäuse hält, kann auch eine Wärmelampe verwenden, muss aber darauf achten, dass sich die Tiere jederzeit in den Schatten zurückziehen können.

Auch an ihr Futter stellen Stachelmäuse besondere Ansprüche. Da die Tiere in freier Wildbahn oft in kargen Gegenden leben, ist herkömmliches Hamster- oder Rattenfutter für die stacheligen Nager zu reichhaltig. Zudem brauchen Stachelmäuse mehr tierisches Eiweiß als andere Mäusearten. «Es gibt Futtermischungen für Kleinsäuger, die getrocknete Insekten enthalten. Man kann aber auch hochwertiges Katzen-Trockenfutter verwenden», so Hirt. Zusätzlich empfiehlt er Gemüse, wie Karotten oder Zucchini. Damit keine Mangelerscheinungen auftreten, sollten die Tiere gelegentlich Vitamin- und Mineralpräparate bekommen.

Wegen ihrer sehr speziellen Ansprüche an Haltung und Ernährung eignen sich die exotischen Nager nicht für jeden. Mißler rät sogar ausdrücklich davon ab, Stachelmäuse als Haustiere zu halten. Man wisse bisher zu wenig über die Bedürfnisse der exotischen Tiere, um ihnen in Gefangenschaft gerecht werden zu können. Christian Kern von der Bundesarbeitsgruppe (BAG) Kleinsäuger sieht das weniger problematisch. «Die hier erhältlichen Arten unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen eigentlich nicht», erklärt er. Doch auch Kern empfiehlt Stachelmäuse eher Menschen, die bereit sind, sich intensiv mit den Ansprüchen der kleinen Nager auseinanderzusetzen. Ein Schmusetier sei die Stachelmaus nicht.

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