Archivierter Artikel vom 26.01.2012, 07:00 Uhr
Teheran

EU-Embargo trifft vor allem die Menschen

Die Sanktionen gegen den Iran haben diesmal schon im Vorfeld ihr Ziel erreicht. Nach dem erklärten Einfuhrstopp für iranisches Öl und der Sperrung der Konten der Zentralbank durch die EU ist der Markt in der Hauptstadt Teheran total durcheinander.

Teheran – Die Sanktionen gegen den Iran haben diesmal schon im Vorfeld ihr Ziel erreicht. Nach dem erklärten Einfuhrstopp für iranisches Öl und der Sperrung der Konten der Zentralbank durch die EU ist der Markt in der Hauptstadt Teheran total durcheinander.

Die nationale Währung Rial ist nur noch die Hälfte wert, und deren Wirkung ist für die normalen Menschen bei jedem einfachen Einkauf schmerzlich spürbar. Außerdem droht dem Land eine militärische Konfrontation, sollte etwas Unüberlegtes am Persischen Golf unternommen werden.

Die Regierung ist sich diesmal der möglichen Konsequenzen bewusst, daher versucht man auch, mit Reaktionen vorsichtig zu sein. „Je mehr sie sich (die EU) in Richtung Sanktionen bewegt, desto mehr Hürden wird es bei der Beilegung des Nuklearstreits geben“, sagt der iranische Vizeaußenminister Abbas Arakchi. Zwar will das Land seine Atomprogramme nicht aufgeben, aber laut Arakchi hält es „die Tür für wohlwollende Verhandlungen nach wie vor offen“.

Auch die Drohungen, bei Ölsanktionen die Straße von Hormus am Persischen Golf zu schließen und somit einen wesentlichen Teil des internationalen Ölexports zu blockieren, werden leiser. Einige Abgeordnete, die immer noch davon reden, wurden von der Regierung zurückgepfiffen. „Diese Bemerkungen sind individuelle Meinungen, aber nicht die der Regierung“, sagt Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast. Auch Außenminister Ali-Albar Salehi stellt klar, dass „der Iran nie die Absicht verfolgt hat, die Straße von Hormus zu schließen“.

Drohung und Beschwichtigung im ständigen Wechsel

Auch die iranischen Generäle sind nun vorsichtiger. Noch am Anfang des Monats warnte Armeechef Ataollah Salehi, dass die US-Flugzeugträger nicht in den Persischen Golf zurückkehren sollten. „Wir sagen das nur einmal“, hatte Salehi betont. Aber als der US-Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ am Wochenende in Begleitung britischer und französischer Kriegsschiffe in den Persischen Golf einlief, waren die Töne moderater. „Amerikanische Kriegsschiffe sind ja schon seit Jahren im Persischen Golf, das ist doch nichts Neues“, sagte der Vizekommandeur der Revolutionsgarden, Hossein Salami.

Der Iran versucht nun, die Gemüter zu beruhigen, indem er einem Inspektionsteam der internationalen Atomenergiebehörde am Ende des Monats die Einreise erlaubt. Damit will er auch beweisen, dass das Land an keinem geheimen Waffenprogramm arbeitet. Danach will Teheran schnellstens zurück an den Verhandlungstisch mit den Weltmächten. Nur nützt das alles wenig, wenn der Iran seine Urananreicherung – zumindest vorübergehend – nicht einstellt. „Das wird nicht passieren“, sagt Außenamtssprecher Mehmanparast.

„Es wird im Westen immer gesagt, dass wir nichts gegen die Menschen im Iran haben, aber liebe Herrschaften, diese Art von Politik trifft doch nur uns, nicht die Regierung.“

Fariba D., 45-jährige Hausfrau aus Teheran

Ob die Sanktionen den Iran wirklich dazu bringen, die Urananreicherung einzustellen, ist eher unwahrscheinlich. „Da nützen auch Sanktionen nicht, denn das Land wird ja nicht pleitegehen. Zumindest das Atomprogramm wird schon irgendwie finanziert, da lässt sich die Regierung schon was einfallen“, sagt ein Politologe in Teheran. Die Ölausfuhr in die EU-Länder betreffe höchstens 20 Prozent der Einnahmen. Aber auch wenn andere Länder die Sanktionen mittragen würden, hätte das Land immer noch genügend Einnahmen für die Finanzierung des Atomprogramms. „Die USA und die EU sollten aber auch wissen, dass die Einnahmen des Landes ja nicht nur das Atomprogramm finanzieren, sondern auch die Menschen, die die Sanktionen mehr treffen werden als die Regierung“, so der Politologe.

Lebenswichtige Medikamente plötzlich doppelt so teuer

Das ist bereits passiert. Ein Beispiel ist Fariba D., eine 45-jährige Hausfrau in Teheran. „Es wird im Westen immer gesagt, dass wir nichts gegen die Menschen im Iran haben, aber liebe Herrschaften, diese Art von Politik trifft doch nur uns, nicht die Regierung“, sagt sie. Ihr Mann hat einen Herzfehler, der nur mit einem ausländischen Medikament zu kontrollieren ist. Das aber ist nun, wegen der Sanktionen und neuen Devisenkurse, doppelt so teuer wie noch vor zwei Wochen. Den neuen Preis kann sich das Paar langfristig nicht mehr leisten. Daher droht dem Ehemann nun eine komplizierte und nicht ungefährliche Herzoperation. „Danke schön, liebe USA, Danke schön liebe Europäische Union“, sagt Fariba.

Von Farshid Motahari