Archivierter Artikel vom 27.06.2014, 09:10 Uhr

Erste WM-Bilanz: Gewinner und Verlierer der Vorrunde

Rio de Janeiro (dpa). Die Vorrunde bei der Fußball-WM in Brasilien ist Geschichte, jetzt wird es ernst. Doch erst einmal heißt es kurz innehalten. Was war gut? Was war schlecht? Eine Bilanz der ersten 48 Spiele am Zuckerhut.

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WM-Gewinner
Die Fans kommen bei der WM in Brasilien voll auf ihre Kosten.
Foto: Marcus Brandt – DPA

Rio de Janeiro (dpa) – Die Vorrunde bei der Fußball-WM in Brasilien ist Geschichte, jetzt wird es ernst. Doch erst einmal heißt es kurz innehalten. Was war gut? Was war schlecht? Eine Bilanz der ersten 48 Spiele am Zuckerhut.

GEWINNER

DIE FANS: Selten hat ein WM-Besuch so viel Spaß gemacht wie in Brasilien. Spannende Spiele, Tore satt: Die Zuschauer kommen am Zuckerhut voll auf ihre Kosten. Auch die Organisation stimmt in den meisten Fällen, die befürchteten Logistik- und Sicherheitsprobleme blieben bislang aus. Brasilien erlebt eine farben-frohe Fanparty.

SÜDAMERIKA: Die Teams vom Gastgeber-Kontinent machen die WM fast zur Copa America. Nur das kleine Ecuador blieb auf der Strecke. Vor allem Chile und Kolumbien trumpften bislang ganz groß auf, Brasilien und Argentinien gaben sich fast keine Blöße. Auch Uruguay erfüllte die Erwartungen. Die heißblütigen Fans prägen das Turnier ebenfalls.

STARS: Auf die Ausnahmekünstler ist in Brasilien Verlass. Messi, Neymar, Robben, Müller, Benzema – sie alle präsentieren sich beim Höhepunkt der Saison in Topform. Der heimliche Star der Vorrunde trägt aber Schlips und Kragen. Mexikos Coach Miguel Herrera feierte sich in die Herzen der Fans in aller Welt.

NORDAMERIKA: Der oft belächelte Concacaf-Verband tritt in Brasilien aus dem Schatten. USA, Mexiko und vor allem Costa Rica marschierten ins Achtelfinale. Rekord! Lediglich für Honduras war das Turnier noch eine Nummer zu groß. Gut ausgebildet und mit viel Teamgeist trotzen die einstigen Zwerge der großen Konkurrenz.

KLOSE: Auf Miroslav Klose ist Verlass. Von vielen abgeschrieben war der Stürmer gegen Ghana zur Stelle. Mit seinem 15. WM-Tor stellte Klose den WM-Rekord von Ronaldo ein. Der Brasilianer gratulierte prompt. Bei vier Turnieren trafen bislang nur Seeler und Pelé.

TORLINIENTECHNIK: Zum ersten Mal bekommen die Schiedsrichter bei einer WM technische Hilfe. Und die Unterstützung lohnt. Bei Frankreich gegen Honduras kam die Torlinientechnik erstmals zum Einsatz – und funktionierte. Vor allem beim Erfinder in Würselen war die Freude danach groß. Kommt nun bald auch der Video-Beweis?

VERLIERER

DIE TRAURIGEN DREI: Spanien, Italien, England – die Top-Nationen waren mit großen Ambitionen nach Brasilien gekommen. Doch wenn es bei der WM nun in die heiße Phase geht, sitzen die Mitfavoriten bereits daheim vor dem Fernseher. Vor allem Titelverteidiger Spanien enttäuschte – und steht nun vor dem überfälligen Umbruch.

ASIEN: Der sogenannte asiatische Markt wird immer wieder als größte Geldquelle gepriesen. Doch fußballerisch hinkt der Kontinent der Entwicklung meilenweit hinterher. Kein Team schaffte es ins Achtelfinale, die Asiaten sind die größten Verlierer. Nicht einen Sieg brachten die vier Teams zustande.

LUIS SUÁREZ: Die WM in Brasilien wird für immer mit dem Torjäger aus Uruguay verbunden sein. Erst schoss er England ab, dann biss er gegen Italien wieder zu. Leider seinem Gegenspieler Giorgio Chiellini in die Schulter. Neun Spiele Sperre und vier Monate Pause waren für den Wiederholungstäter die Folge.

SCHIEDSRICHTER: Die Vorbereitung war so professionell wie nie, die Ertrag bislang so gering wie bei den Turnieren zuvor. Die Referees lagen viel zu oft daneben. Nishimura, Clavijo und Irmatov – sie alle machten Fehler. Über die Schiedsrichter wird geredet – das ist immer schlecht.

AFRIKA: Zwar kamen erstmals zwei afrikanische Teams weiter. Doch auch die Negativschlagzeilen gehörten ihnen. Bei Nigeria und Ghana stritt man wieder einmal ums Geld, Ghana warf Schalkes Kevin-Prince Boateng aus dem Kader. Bei Kamerun gingen sich die Spieler gegenseitig an die Wäsche. Der ersehnte erste WM-Titel bleibt wohl in weiter Ferne.

DIE KRITIKER: Im Vorfeld wurde viel gemäkelt. Kann Brasilien die WM organisieren? Ja, es kann. Das befürchtete Chaos blieb aus, die Demonstrationen halten sich in Grenzen. Auch wenn vieles fragwürdig bleibt, wenn die FIFA wieder weg ist. Den Dauernörglern fehlt es erst einmal an Argumenten.

WM-Spielplan