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Bochum

Ermittlungen gegen Schiedsrichter-Obmann der UEFA

dpa

Der Fußball-Wettskandal hat endgültig die Europäische Fußball-Union UEFA erreicht. Vor dem Bochumer Landgericht wurde bekannt, dass auch ein Schiedsrichter-Obmann der UEFA bestochen worden sein soll.

Wettskandal
Der Fußball ist in einen Wettskandal verstrickt.

Nach Angaben des Gerichts gibt es Hinweise darauf, dass dem Funktionär 50 000 Euro bezahlt worden sind, damit er sich für die Höhergruppierung eines angeblich ebenfalls bestochenen bosnischen Unparteiischen einsetzt.

Die Information soll der noch nicht angeklagte Ante S., der schon in den Wettskandal um DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt gewesen ist, bei einer seiner Vernehmungen enthüllt haben. Ante S. soll am 5. Januar als Zeuge in Bochum aussagen. Gegen den unter Verdacht geratenen UEFA-Schiedsrichterobmann laufen nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft bereits umfangreiche Ermittlungen. Der Fußball-Funktionär habe den bestochenen Schiedsrichtern besonders lukrative Partien besorgen sollen, hieß es vonseiten der Ermittler am Rande des Prozesses.

Der Prozess um den wohl größten Wettskandal im europäischen Fußball wurde mit einem weiteren Geständnis fortgesetzt. Der Angeklagte Tuna A. gab zu, von manipulierten Spielen gewusst und entsprechende Wetten platziert zu haben. Er erklärte, dass er von der Bezahlung von mindestens zwei Schiedsrichtern gewusst habe.

Bei der Europa-League-Begegnung zwischen dem FC Basel und ZSKA Sofia am 5. November 2009 habe der Schiedsrichter seines Wissens nach 50 000 bis 60 000 Euro erhalten. Außerdem sei dem Unparteiischen signalisiert worden, dass er in seiner Karriere gefördert werden könne. Informant sei in diesem Fall der noch nicht angeklagte Marijo C. gewesen. «Marijo hat mir damals gesagt: Ich hab' den Schiedsrichter», sagte Tuna A. vor der 13. Strafkammer des Bochumer Landgerichts. «Da habe ich alles gesetzt, was ich hatte – fast 40 000 Euro.»

Auch im U 21-WM-Qualifikationsspiel zwischen der Schweiz und Georgien am 18. November 2009 sei der Schiedsrichter bezahlt worden. Der inzwischen lebenslang gesperrte Bosnier habe ebenfalls 50 000 oder 60 000 Euro erhalten.

Nach Nürettin G. hat nun auch Tuna A. zugegeben, von zahlreichen manipulierten Spielen gewusst und entsprechende Wetten platziert zu haben. Dabei betonte der 55-Jährige allerdings im Brustton der Überzeugung: «Ich bin ein Ehrenmann.» Er selbst habe bis auf eine einzige Ausnahme keine Spieler oder Schiedsrichter bestochen. Auch seine Wettschulden habe er immer beglichen. Die meisten Tipps seien von Marijo C. gekommen.

Laut Tuna A. soll auch Einfluss auf die Spieler der Schweizer Zweitligisten FC Gossau und FC Thun genommen worden sein. Auch diese Informationen seien von Marijo C. gekommen. «Ist schon fertig, kannst du spielen.» So oder so ähnlich sollen die Hinweise gelautet haben. Die Höhe des Wetteinsatzes sei am Ende jedoch von den Details abhängig gewesen. «Wenn er gesagt hat, ich habe fünf Spieler, dann hätte ich 10 000 Euro gesetzt – nicht nur 2000.»

Nur in einem einzigen Fall will Tuna A. auch selbst Geld verteilt haben. Bei einem Treffen in Dortmund habe er drei Spielern des SC Verl jeweils 500 Euro übergeben. Direkte Absprachen seien damit allerdings nicht verbunden gewesen. «Das Geld war zur allgemeinen Beziehungspflege gedacht», hieß es im Prozess. Bei anderen Partien sei das allerdings anders gewesen.

Die beiden Angeklagten Kristian S. und Stevan R. haben sich auch am siebten Verhandlungstag nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Verteidiger von Kristian S. haben allerdings beantragt, auch Thomas Cichon, Ex-Profi des Zweitligisten VfL Osnabrück, in den Zeugenstand zu rufen. So soll bewiesen werden, dass der Angeklagte Nürettin G. in Teilen gelogen und dadurch Spiele fälschlicherweise unter Manipulationsverdacht geraten sind. Cichon hatte bestritten, Spiele bewusst manipuliert zu haben. Außerdem beantragten die Verteidiger die Entlassung der vier Angeklagten aus der U-Haft.

Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, mehr als 30 Fußballspiele manipuliert zu haben. Die Wettgewinn sollen sich auf rund 1,6 Millionen Euro belaufen haben. Der Prozess wird am 13. Dezember mit weiteren Aussagen der Angeklagten fortgesetzt. Für den 15. und 20. Dezember ist die Vernehmung von Marijo C. geplant, Ante S. soll am 5. und 6. Januar 2011 vernommen werden.

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