Archivierter Artikel vom 24.10.2010, 14:06 Uhr
Yeongam

Entspannt oder nicht: Regen-Schumacher stark

Der Regenspezialist kann's doch noch: Auf der rutschigen Piste in Yeongam hat Michael Schumacher seine alte Klasse aufblitzen lassen. Das musste auch Formel-1-Titelverteidiger Jenson Button erfahren, den Mercedes-Pilot Schumacher mit einem Spitzen-Manöver hinter sich ließ.

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Zufrieden
Michael Schumacher wurde in Südkorea am Ende Vierter.

«Er nutzte alle seine Chancen, fuhr aber mit Gefühl, wenn die schwierigen Bedingungen es erforderten», lobte Teamchef Ross Brawn seinen 41 Jahre alten Starpiloten, der es zum dritten Mal in dieser Saison auf Rang vier schaffte.

Nachdem Schumacher jüngst auch schon kritische Töne von sich gegeben hatte, klang das nach seinem Auftritt beim ereignisreichen ersten Formel-1-Rennen in Südkorea anders. «Ich bin mit dem heutigen Rennen recht zufrieden», meinte der siebenmalige Weltmeister. «Ich möchte mich bei meinem Team, das mich heute Nachmittag perfekt geführt hat, bedanken.» Per Handschlag verabschiedete er sich frisch geduscht im Mercedes-Motorhome strahlend von seiner Crew.

An Siege ist für den 91-maligen Grand-Prix-Gewinner in dieser Saison aber weiterhin nicht zu denken. Schumacher gibt sich dennoch seit Wochen äußerlich entspannt. Der Gelassenheit des Rückkehrers traut der aktuelle Präsident des Internationalen Automobilverbandes, Jean Todt, aber nicht so ganz. «Ich denke nicht, dass er so entspannt ist, aber er ist ein sehr stolzer Mann», sagte Schumachers ehemaliger Ferrari-Teamchef in Yeongam der Nachrichtenagentur dpa.

Man müsse Schumacher sehr gut kennen, bevor er einem genau sage, was er fühlt, meinte Todt. Der Franzose pflegt seit Jahren eine sehr enge Freundschaft mit dem Rekordchampion. «Er schützt sich selbst, was ich verstehen kann», meinte Todt, mit dem Schumacher bei Ferrari von 2000 bis 2004 zum unumstrittenen Regenten der Königsklasse geworden war und fünfmal in Serie den WM-Titel geholt hatte. Schumacher sei sehr menschlich und eine sehr fragile Person, kein Roboter, wie er in seiner Karriere oft dargestellt worden sei, betonte sein einstiger Wegbegleiter.

Ein anderer Gefährte aus alten Zeiten bei der Scuderia war dagegen – mal wieder – nicht so gut auf Schumacher zu sprechen. Rubens Barrichello echauffierte sich nach der Qualifikation, von Schumacher behindert worden zu sein. Die Videoaufzeichnungen und Telemetriedaten bewiesen dies auch. «Wenn er wirklich auf einer schnellen Runde unterwegs war und ich ihn blockiert habe, dann entschuldige ich mich», sagte Schumacher. Nachdem er den Williams-Piloten in Ungarn fast in die Streckenmauer gedrängt hatte, meinte Barrichello beim britischen Sender BBC nun: «Ich möchte nicht, dass es sehr persönlich wird.»

Man habe Probleme in der Vergangenheit gehabt, in der Barrichello bei Ferrari im Schatten des mittlerweile siebenmaligen Weltmeisters gestanden hatte. «Wir haben noch Probleme wie in Ungarn», so der Williams-Pilot weiter. Schumacher sei zu ihm gekommen, um sich zu entschuldigen.