Archivierter Artikel vom 19.07.2011, 15:46 Uhr

EM-Silber für Säbelteam – Pleite mit dem Degen

Deutschlands Säbel-Experten zogen bei der EM mit Silber fast das große Los. Für das deutsche Damendegen-Quartett kam das Aus früh: Zum Abschluss der Europameisterschaften gab es ein 38:45 im Viertelfinale gegen Estland und am Ende Rang sieben.

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Treffer
Max Hartung (r) landet beim Duell mit dem Italiener Aldo Montano einen Treffer.
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Sheffield (dpa) – Silber für das bärenstarke Säbelteam, Pleite für die Degenmannschaft um Olympiasiegerin Britta Heidemann: Mit einem furiosen Finale krasser Gegensätze ist die EM von Sheffield für Deutschlands Fechter zu Ende gegangen. Die jungen Wilden verpassten mit dem 38:45 gegen den erneut erfolgreichen Titelverteidiger Italien den Triumph, haben das Ticket für Olympia trotzdem fast in der Tasche. Die Degendamen, WM-Zweite von Paris, stürzten auf Platz sieben ab.

Gesiegt!
Max Hartung jubelt über den Sieg im Duell mit dem Weißrussen Buikevich.
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Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze – für den Deutschen Fechter-Bund (DFeB) war Sheffield die Reise trotzdem wert. «Besser geht es immer, aber es hätte auch schlimmer kommen können», bilanzierte Sportdirektor Manfred Kaspar. In der Medaillenwertung wurde sein Team Dritter hinter den überragenden Italienern (6-2-2) und Russland (1-2-7).

Stark
Max Hartung besiegt den Russen Alexander Buikewitsch im Viertelfinale.
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Das Power-Quartett von Säbel-Bundestrainer Vilmos Szabo macht Lust auf Olympia in London. Schon in der Vorschlussrunde jagten die Dormagener Nicolas Limbach, Max Hartung, Benedikt Wagner und Björn Hübner vom FC Tauberbischofsheim der Konkurrenz mächtig Angst ein. Beim 45:35 gegen den völlig konsternierten Weltmeister Russland zeigten Limbach und Co. Hochgeschwindigkeits-Säbelfechten par excellence.

Verwarnung
Ein Schiedsrichter verwarnt das deutsche Team mit einer gelben Karte.
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Doch es war ein hartes Stück Arbeit bis in das Halbfinale. Gegen den Weltranglistenfünften Weißrussland bogen Hübner und Limbach ein 26:30 nach dem sechsten Teilgefecht noch um und siegten in einem hoch emotionalen Duell mit heftigen Verbalattacken auf beiden Betreuerbänken 45:41.

Abkühlung
Björn Hübner fächert sich zur Erfrischung Luft zu.
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«Dieser erste Kampf gegen Weißrussland war sehr viel wichtiger. Wir wollten uns nicht überholen lassen», meinte Limbach mit Blick auf das Ranking. Und mit Stolz ließ der WM-Zweite von Paris 2010 und WM-Champion von Antalya 2009 die Halbfinal-Gala gegen die Russen Revue passieren: «Das ist immerhin der Weltmeister, und die haben wir fechterisch dominiert.»

Degenduell
Die Polin Malgorzata Stroka (l) duelliert sich mit Monika Sozanska.
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Von derartiger Dominanz war bei den Damen von Degen-Bundestrainer Piotr Sozanski nichts zu sehen. «Das war die dritte Niederlage nacheinander gegen Estland – und das ist ein bisschen viel», sagte Kaspar nach dem bitteren Aus unter den besten Acht. Mit dem 38:45 gegen Estland verpassten sie das Halbfinale und beendeten die Europameisterschaften als Siebte (45:43 gegen Polen) – ein herber Rückschlag im Kampf um die Olympia-Teilnahme. Kaspar: «Das ist kein Aus, aber der Druck bei der WM im Oktober in Catania ist jetzt schon extrem hoch.»

Attacke
Britta Heidemann im Duell mit Noam Mills aus Israel.
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Nur die vier bestplatzierten Mannschaften der Rangliste, die am 31. März 2012 schließt, qualifizieren sich direkt für London. Sollte Deutschland das nicht schaffen, könnte über die Kontinentalzone auch Rang fünf reichen. Die im Einzel als Europameisterin von Leipzig entthronte Duplitzer hatte vor EM-Beginn noch geäußert, alles andere als ein Podiumsplatz für Deutschland wäre «eine Pleite».