Archivierter Artikel vom 30.06.2016, 12:23 Uhr

Emmi die Kirchenmaus

Heute war ein schöner Tag. Der Maifeldspatz saß vergnügt auf dem Kirchturm. Er konnte über das ganze Maifeld schauen. Von seiner langen Reise war er schon einige Tage zurückgekehrt. Plötzlich fiel ihm ein, dass seine Freundin Emmi die Kirchenmaus hier früher gewohnt hatte. „Ob sie immer noch in der Kirche wohnt?“, fragte er sich. Er hatte sie noch nicht gesehen, seit er wieder da war.

Emmi hatte schon so manchen Kirchenbesucher erschreckt. Sie machte sich immer wieder einen Spaß daraus. „Wie komme ich denn jetzt in die Kirche?“, fragte sich der kleine Vogel. Er hatte Glück. Die Kirchenglocken läuteten, und gleich begann die Messe.

Dann sah er die Gottesdienstbesucher, die gerade die große Eingangstür öffneten. Blitzschnell flog er durch die Tür in die Kirche. Er setzte sich auf einen Mauervorsprung und schaute sich um.

„Da huschte doch etwas!“, stellte der Maifeldspatz fest. „War das nicht Emmi, die Kirchenmaus?“, fragte er sich. „Hallo, hallo Emmi!“, rief er. Abrupt blieb die Maus stehen und schaute den Maifeldspatz überrascht an. Stürmisch begrüßten sie sich. Groß war die Freude, den Maifeldspatz wiederzusehen. „Was hast du denn so erlebt, seit ich fort war?“, fragte der Spatz. Emmi begann zu kichern.

„Wir haben einen neuen Pastor, und den habe ich schon höchstpersönlich kennengelernt“, fing sie aufgeregt an zu berichten. Stolz reckte sie sich, um größer zu wirken. „Wie hast du das denn angestellt?“, fragte der Maifeldspatz neugierig. Lachend fing die Maus an zu erzählen.

„Die Tage in der Kirche sind oft langweilig, und so werde ich munter, wenn sich die Menschen in die Kirchenbänke zum Gottesdienst setzen, dann ist endlich etwas los“, erzählte sie weiter.

„So viele große Füße und schöne, dunkle, helle und auch bunte Schuhe auf einmal!“, fuhr sie fort. „Ich flitze dann rechts und links durch die Reihen und knabbere an den Schnürsenkeln der Schuhe, was einen riesigen Spaß macht“, berichtete sie dem Maifeldspatz.

„Aber Emmi, dann kannst du doch entdeckt werden“, meinte der Spatz. „Da hast du recht, das ist mir am letzten Sonntag passiert“, fuhr sie fort. „Da saß ein Mann mit riesigen Füßen, die in komischen Schuhen steckten mit so roten Schnürsenkeln, die schmecken sicher besonders gut“, dachte ich mir. „Sie waren ein Genuss“, schwärmte sie weiter. „Und hätte er nicht angefangen zu husten, wäre auch alles gut gegangen“, erinnerte sie sich.

„Ich habe mich so erschreckt, mein Herz bubberte laut, und ich suchte blitzschnell im Hosenbein von Fräulein Meier Schutz“, fuhr sie fort. „Au weia, das ging bestimmt nicht gut“, stellte der Maifeldspatz fest. „Fräulein Meier schrie und schrie, als sie mich bemerkte“, erzählte die Maus weiter. „Ein Ungeheuer in meinem Hosenbein, zu Hilfe“, rief sie aufgeregt.

Erschreckt unterbrachen die Menschen ihren Gesang und wollten helfen. „In der Aufregung kletterte ich immer weiter in das Hosenbein hinein“, fuhr sie fort. „Die Frau zappelte herum, und dann schüttelte sie ihr Bein, ich wurde herausgewirbelt und flog in hohem Bogen über Schuhe, Kirchenbänke und Köpfe hinweg bis hin zum Altar“, setzte sie ihre Erzählung fort.

„Da haben dich die Leute doch alle gesehen?“, fragte der Spatz erschrocken. Die Maus fuhr fort. „ Mein Herz klopfte immer lauter. Da lachte der Pfarrer amüsiert, als er mich sah. Er nahm mich auf die Hand und erklärte den Menschen, dass sie sich doch vor so einer winzigen Maus nicht fürchten müssen.

Langsam beruhigten sich die Kirchenbesucher. ,Du bist sicherlich die Maus der Severuskirche, denn zu einer Kirche gehört doch auch eine Kirchenmaus', meinte er schmunzelnd. Dankbar, dass der so nett zu mit sprach, zwickte ich ihn immer wieder kräftig in die Hand“, fuhr sie fort.

Pfarrer Petry war so gar nicht begeistert und setzte mich schnell wieder auf den Boden. Rasch verschwand ich in mein Zuhause direkt unter der ersten Kirchenbank„, fuhr sie fort. “War das eine Aufregung, Emmi„, malte sich der Maifeldspatz aus, wie sehr die winzige Maus sich geängstigt haben muss. “ Langsam beruhigte ich mich und lauschte dem weiteren Gottesdienst", endete die Kirchenmaus ihre abenteuerliche Geschichte.

Von dem Tag an konnte man Emmi immer noch während Gottesdiensten durch die Reihen huschen sehen, aber sie war vorsichtiger geworden und knabberte nur noch selten an Schnürsenkeln.

Sabine Einig aus Münstermaifeld hat die 
Geschichte (ab 5 Jahren) für Kinder aus der Region geschrieben.