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Eishockey-Team startet ohne klare Nummer eins

Deutschlands Eishockey-Team hat ein Torwart-Problem. Bundestrainer Sturm geht ohne klare Nummer eins ins olympische Turnier. Restlos überzeugt scheint er von seinem Goalie-Trio nicht. Auf keiner anderen Position ist die Not durch die NHL-Absage für Olympia so groß.

DEB-Goalies
Danny Aus den Birken (l) und Timo Pielmeier sind zwei von drei Kandidaten für den Posten des Stammtorhüters.
Foto: Peter Kneffel – dpa

Pyeongchang (dpa). Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm gibt sich Mühe, sein Torhüter-Problem vor dem Start des Olympia-Turniers öffentlich nicht einzugestehen.

Es sind die Zwischentöne, die keinen Zweifel daran lassen: Die Weigerung der NHL, die weltbesten Spieler für Olympia freizugeben, trifft die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auf keiner anderen Position so hart. Erstmals in seiner Amtszeit hat Sturm in Pyeongchang nicht mindestens einen der beiden NHL-Goalies Philipp Grubauer (Washington) und Thomas Greiss (New York Islanders) bei einem großen Turnier zur Verfügung.

„Sicher waren Greiss und Grubauer immer eine Bank. Das brauchen wir auch hier“, sagte Sturm vor dem ersten deutschen Spiel am Donnerstag (04.10 Uhr MEZ) gegen Finnland und fügte hinzu: „Ich bin aber schon davon überzeugt, dass einer von den Dreien, die hier sind, das hier auch machen kann.“ Sehr überzeugt klang Sturm dabei aber nicht.

Zur Verfügung stehen diesmal aus der heimischen Deutschen Eishockey Liga Dennis Endras (Mannheim), Timo Pielmeier (Ingolstadt) und Danny aus den Birken (München). Sturm nennt dieses Trio „solide“. In überragender Form ist niemand von ihnen. „Alle drei sind bei ihren Vereinen nicht die klare Nummer eins“, sagte selbst Sturm.

Dies spricht durchaus für sich, denn Recht hat der Bundestrainer damit eigentlich nicht. Lediglich beim Meister München teilt sich aus den Birken den Job zwischen den Pfosten mit US-Olympia-Keeper David Leggio. Ausgerechnet mit seinem früheren Mitspieler aus den Birken dürfte Sturm aber nun ins Turnier starten.

„Ich kenne Danny noch aus meiner Kölner Zeit. Wenn ich sehe, wie weit er jetzt ist, hat er wirklich schon einen Fortschritt gemacht“, lobte Sturm trotz aus den Birkens Patzern bei der Heim-WM im vergangenen Mai, die eine bessere Vorrunden-Platzierung verhindert hatten. Damals war aus den Birken eingesprungen, als sich Greiss verletzt und Grubauer noch nicht zur Verfügung gestanden hatte. „Meine Entwicklung geht nach oben“, befand aus den Birken jedoch selbst.

Im Olympia-Test beim 2:1 in der Vorwoche in der Schweiz setzte Sturm bereits auf aus den Birken. „Das ist natürlich ein gutes Zeichen“, sagte der gebürtige Düsseldorfer, der am Tag des Spiels gegen Finnland 33 Jahre alt wird. Praktischerweise nahm Sturm in Patrick Dallaire auch aus den Birkens Torwarttrainer aus München gleich mit.

Offiziell entscheiden will Sturm erst am Mittwoch, doch vieles spricht dafür, dass Deutschlands WM-Held von 2010, Dennis Endras, erneut leer ausgeht. „Wir sind uns alle darin einig, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Egal, wer spielt“, sagte Endras, der von allen drei DEB-Torhütern deutlich am meisten Spiele in dieser Saison absolvierte und der besonders im Nationaltrikot zur Hochform auflaufen kann. Unvergessen, wie der heute 32-Jährige bei der Heim-WM vor acht Jahren Deutschland sensationell ins Halbfinale geführt hatte und zum besten Spieler des Turnier gewählt worden war.

„Bei Dennis weiß ich auch, was er kann“, sagte Sturm zwar. Unerschütterliche Rückendeckung, die Endras für Top-Leistungen indes benötigt, gibt es aber nicht. Schon im vergangenen Jahr wollte sich Endras bei der erneuten Heim-WM nicht als dritter Keeper auf die Bank setzen. Dass Greiss und Grubauer deutlich besser als das aktuell verfügbare Trio sind, wird auch im Team nicht geleugnet. „Es gibt schon einen Grund, warum die Jungs sich drüben durchgesetzt haben“, sagte Kapitän Marcel Goc. „Aus unserer Sicht ist es aber egal, wer hinten drin steht.“ Möglicherweise ist es das am Ende auch, wenn mindestens zwei zum Einsatz kommen.

„Wir haben vier Spiele auf alle Fälle. Auch wenn einer die Nummer eins ist, wird er mit Sicherheit nicht alle Spiele machen“, sagte Sturm. Auch das zeugt nicht gerade von voller Überzeugung.

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