Archivierter Artikel vom 11.07.2019, 04:45 Uhr

Urlaub in der Rhön

Ein Mittelgebirge will mehr

Die Rhön lockt Wanderer und Ausflügler, die Ruhe in der Natur suchen. Nun will die Region Deutschlands bekanntestes Mittelgebirge werden. Aber wie soll das gelingen?

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Die Rhön
Wanderer im Schwarzen Moor: Die Rhön wurde 1991 von der UNESCO als Biosphärenreservat ausgezeichnet.
Foto: Wolfgang Fallier/Rhön GmbH – dpa

Frankenheim (dpa/tmn) – Am „Eisenacher Haus“ auf dem Ellenbogen, einer der höchsten Erhebungen Thüringens, treffen sich mehrere Wanderwege. Einer führt bis nach Eisenach, einer über den Höhenzug der Rhön, ein weiterer verbindet die Bahnhöfe Fulda und Meiningen.

Erlebniswelt Arche Rhön
Unterhaltung für Familien mit Kindern: Die Erlebniswelt Arche Rhön vermittelt spielerisch Wissen über regionales Handwerk und geologische Phänomene.
Foto: Mathias Schmidt/Rhön GmbH – dpa

Sascha Sücker, Hoteldirektor im „Eisenacher Haus“, schwärmt von einem „Mekka der Wanderwege“. Doch die meisten Gäste in seinem Biergarten wandern nicht. Sie gehen nur ein paar Schritte zum Gipfel und besteigen die Aussichtsplattform Noahs Segel. Überhaupt könnte mehr los sein im Hotel „Eisenacher Haus“. „Übers Jahr gesehen liegt die Auslastung bei nicht mal 30 Prozent“, erzählt Sücker.

«Eisenacher Haus»
Erbaut vom Rhönklub Eisenach wurde das «Eisenacher Haus» nach dem Zweiten Weltkrieg erst Ferienheim der DDR-Gewerkschaft, dann Horchposten der Staatssicherheit – und nach der Wende Tagungs- und Wander
Foto: dpa

Große Ambitionen

Noahs Segel
Von Noahs Segel bietet sich ein guter Ausblick über die Landschaft der Rhön.
Foto: Manfred Hempe/Rhön GmbH – dpa

Wenn es nach Thorn Plöger geht, wird sich das bald ändern. Der Geschäftsführer der Tourismusvermarktung Rhön GmbH will die Rhön zu Deutschlands bekanntestem Mittelgebirge machen, durch Messeauftritte, Werbung – und Überzeugungsarbeit vor Ort. „Die Vermieter müssen sich auf Kurzurlauber einstellen und online buchbar sein.“

Fliegerdenkmal
Fliegerdenkmal im Abendlicht: Die Wasserkuppe ist mit 950 m üNN der höchste Berg der Rhön und als «Wiege des Segelflugs» bekannt.
Foto: Holger Leue/Rhön GmbH – dpa

Sascha Sücker muss diese Hürde nicht mehr nehmen. Der gebürtige Berliner arbeitete als Suchmaschinen-Manager, als er zum ersten Mal von der Rhön hörte, einem ausgedehnten Mittelgebirge am „Grünen Band“, der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Und von der Geschichte des „Eisenacher Hauses“. Erbaut vom Rhönklub Eisenach wurde die Wanderherberge nach dem Zweiten Weltkrieg erst Ferienheim der DDR-Gewerkschaft, dann Horchposten der Staatssicherheit – und nach der Wende Tagungs- und Wanderhotel. Sückers Frau und sein Schwager pachteten das Hotel von einem Investor aus Österreich.

Auf dem Pferdskopf
Familie auf dem Pferdskopf – die Rhön möchte mehr Urlauber anlocken.
Foto: Wolfgang Fallier/Rhön GmbH – dpa

„Hier hat man seine Ruhe“, sagt Sücker. Für die Region ist das Segen und Fluch zugleich. So gibt es am Fernwanderweg Hochrhöner zu wenige Unterkünfte. Ein Problem, das Fahrdienste der Hoteliers lösen.

Aktivurlaub
Wanderer in der Rhön: Wer Lust auf Aktivurlaub hat, ist in dem Mittelgebirge richtig.
Foto: Jens Hauspurg/Thüringer Tourismusverband – dpa

Eine Art Zelt aus Holz

Paragliding
Von der Wasserkuppe hinunter ins Tal: Die Rhön lockt nicht nur Wanderer, sondern auch Paraglider in die Region.
Foto: Deike Uhtenwoldt – dpa

Zukünftig sollen aber auch Rucksackwanderer in Schutzhütten übernachten dürfen, so eine Idee der Rhön GmbH. „Wir bauen eine Butze, eine Art Zelt aus Holz mit Biotoilette, davor das Schild: Hier dürfen Sie im Holz schlafen“, erklärt Plöger.

Wanderweg
Zahlreiche Wander- und Lehrpfade machen die Rhön zum Wanderparadies.
Foto: Deike Uhtenwoldt – dpa

Dieter Klein ist skeptisch: „Das wird nicht reichen. Wer eine Region bekannt machen will, muss sie ständig bewerben und einen langen Atem beweisen“, sagt der Geschäftsführer von Kleins Wanderreisen. Der Reiseveranstalter vermittelt jährlich rund 250 Gäste ohne Gepäck auf den Hochrhöner. Viel Luft nach oben sieht Klein nicht.

Thorn Plöger
Thorn Plöger ist Geschäftsführer der Tourismusvermarktung Rhön GmbH.
Foto: Rhön GmbH – dpa

Klein ist den Hochrhöner selbst gelaufen. „Die vielen Ausblicke über die offenen Höhen haben mir gut gefallen“, sagt er. „Dass man durch drei Bundesländer wandert, wissen nicht alle.“ Aber: „Der Gast wünscht sich alle acht Kilometer eine Einkehrmöglichkeit, da hapert es in der Rhön noch.“

Besucherzentrum Arche Rhön

Gute Aussicht bieten zwar auch Noahs Segel und sein Pendant, das rund fünf Kilometer entfernte Besucherzentrum Arche Rhön – verbunden durch einen 18 Kilometer langen Entdeckerpfad Hohe Rhön mit kindgerechten Infostationen. Doch nur wenige Familien entdecken den Weg wirklich. Anders das Bild auf der Wasserkuppe, Hessens höchster Erhebung: ein Schilderwald, Freizeitparks zum Klettern und Rodeln.

Bisher besuche vor allem die bürgerliche Mitte die Rhön, sagt Plöger. Jetzt werde das sozialökologische Milieu beworben. Menschen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Im Biergarten des „Eisenacher Hauses“ wird der Kaffee derweil in Plastikbechern gereicht. Es gibt noch viel zu tun in der Rhön.

Infoportal Wandern in Thüringen

Rhön

Anreise: Mit der Bahn nach Fulda, von dort weiter mit dem Bus über Hilders nach Tann oder mit dem Regionalzug nach Gersfeld und dem Bus zur Wasserkuppe. Alternativ mit dem Zug bis nach Eisenach und weiter mit dem Wanderbus Rhönkurier/Linie 110 nach Tann. Bahnstationen befinden sich auch in Bad Neustadt, Meiningen und Bad Kissingen.

Informationen: Rhön GmbH – Gesellschaft für Tourismus und Markenmanagement, Rhönstraße 97, 97772 Wildflecken-Oberbach (Tel.: 09749/93 00 80 0, E-Mail: info@rhoen.de).