Archivierter Artikel vom 31.12.2013, 09:17 Uhr
Endlich

Ein GroKo-Deal zum Küssen

Die Große Koalition ist unter Dach und Fach und wird das Leben aller Bürger in Deutschland entscheidend verbessern. Den größten Anteil daran hat die CSU, aber auch die SPD. Und die CDU. Alle drei Parteien haben in der Vergangenheit erfolgreich bewiesen, dass sie die Krise durch Deutschland führen können, und versprechen nun, dass für die Menschen hinten noch mehr rauskommt.

Eine satirische Nachlese von unserem Redakteur Jochen Krümmel

Ein besonderer Dank gilt der FDP. Nur weil die Liberalen am 22. September aus staatsbürgerlicher Verantwortung auf 0,3 Prozent der Wählerstimmen verzichtet haben, ist dieser wunderbare Koalitionsvertrag möglich geworden, der den Menschen da draußen im Lande so viel nützen wird.

Jede Partei musste allerdings Abstriche machen. Denn nicht alle Projekte konnten verwirklicht werden. Auf der Strecke geblieben sind unter anderem die Maut für Rollatoren und die doppelte Staatsbürgerschaft für homosexuelle Fahrgemeinschaften. Sehr ernst nimmt die Große Koalition die Forderung der EU nach mehr deutschem Konsum. Um der fortgesetzten Kritik aus Brüssel zu entgehen, wird eine Kommission eingerichtet, die Vorschläge erarbeiten soll, wie man uns ignorante Deutsche zum Konsumieren bringen kann. Unter Vorsitz der beiden XXXL-Spitzenpolitiker Sigmar Gabriel und Peter Altmaier fungieren in der Kommission als externe Berater die Geissens, Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sowie für steuerliche Fragen Uli Hoeneß. Erste Vorschläge der Konsumkommission liegen unserer Zeitung bereits exklusiv vor:

Da der Konsum nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes im Dezember erneut kräftig angestiegen ist, wird die Weihnachtszeit verlängert. Sobald in den Supermärkten Lebkuchen und Christstollen im Angebot sind, dürfen auch Weihnachtsmärkte geöffnet werden. Somit wird Weihnachten im September beginnen. Die Arbeitgeber werden verpflichtet, Weihnachtsgeld bereits im August auszuzahlen. Gleichzeitig erhalten die Arbeitnehmer einen zusätzlichen bezahlten Feiertag, den sogenannten Volkseinkaufstag.

Die guten Erfahrungen beim Oktoberfest mit Maßkrügen will man nun auf ganz Deutschland ausweiten. Bierausschank in Gläsern kleiner als ein Liter ist nicht mehr zulässig. Um Probleme alkoholisierter Fahrer mit der Straßenverkehrsordnung zu vermeiden, soll die Promillegrenze von 0,5 auf 3 Promille angehoben werden.

Parallel zu „Jugend forscht“ wird ein bundesweiter Wettbewerb „Jugend kauft“ ausgelobt. Schließlich kann es nicht sein, dass Kinder in Zeiten wie diesen zum Sparen erzogen werden. Die Sparkassen wollen den Weltspartag abschaffen. Der Apothekerverband verpflichtet sich, Rentnern eine erweiterte Betreuung zukommen zu lassen. Pharmazievertreter führen künftig regelmäßig Hausbesuche durch. Viele Rentner konsumieren nämlich noch immer viel zu wenig Arzneimittel. Die Kirchen solidarisieren sich ebenfalls mit der neuen Bundesregierung. Während die Katholiken mit Verweis auf das Bistum Limburg weiterhin die Bauindustrie unterstützen wollen, bestätigt Margot Käßmann, dass die Maßnahmen ihrer Kirche noch ausbaufähig sind. Die rund vier Millionen Muslime in Deutschland wollen als Zeichen der Integration den Ramadan von einem Monat auf einen Tag kürzen. Das würde ihren Konsum deutlich ankurbeln. Die Genehmigung aus Mekka steht noch aus.

Basierend auf Datenlieferungen der NSA, wurden Bevölkerungsschichten ausgemacht, die sich penetrant weigern, die Wirtschaft zu fördern. Diese sogenannten Konsumagnostiker will man besonders ansprechen. Zunächst ist es verboten, auf seinem Briefkasten Schilder wie „Bitte keine Werbung“ anzubringen. Konsumagnostiker ist man zudem, wenn man ungenutztes Geld auf dem Konto hat. Die Banken sind verpflichtet, die Daten aller Konten mit mehr als 5 Euro Guthaben an ein neu einzurichtendes Ministerium für Konsumfreude zu senden.

Einen wahren Konsumturbo sieht die neue Regierungskommission im Besitz von Vierbeinern. Abhängig vom zu versteuernden Einkommen soll sich jeder Haushalt künftig mindestens ein Haustier anschaffen müssen. Kleinverdiener müssen ein Meer- oder Merkelschweinchen kaufen, mittlere Einkommen Hund oder Katze und große Einkommen alternativlos Eisbären. Für Bürger, die aus nachweisbaren Gründen keine Tiere halten können, wird eine Patenschaft für rumänische Straßenhunde obligatorisch. Der griechische Botschafter hat der Kommission in Berlin als Alternative eine von Goldman Sachs zertifizierte Adressliste mit vier Millionen Straßenhunden überreicht. Die CSU schlägt vor, dass die EU-Troika bei einem ihrer nächsten Besuche in Athen die Straßenhunde zählen soll.

Sollten die SPD-Mitglieder ihre Zustimmung zu den Vorschlägen der Konsumkommission verweigern, wird das Jahr 2014 offiziell am 31. Dezember beendet und durch ein neues Jahr ersetzt.