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    Dr. Rolf Brack: Querdenker, Gallier und Familienmensch

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    Pendelt zwischen Uni und Bundesliga-Trainerbank hin und her: Dr. Rolf Brack, der mit HBW Balingen am heutigen Donnerstag in Kirn gastiert. 
Foto: dpa
    Pendelt zwischen Uni und Bundesliga-Trainerbank hin und her: Dr. Rolf Brack, der mit HBW Balingen am heutigen Donnerstag in Kirn gastiert.
    Foto: dpa - picture alliance / dpa

    Die Rückkehr nach Kirn ist für Sie bestimmt etwas ganz Besonderes, eine Herzensangelegenheit, oder?

    Das steht außer Frage. Wobei ich nicht 100-prozentig versprechen kann, ob ich dabei sein werde.

    Warum das denn?

    Ich musste mich einer Meniskus-Operation unterziehen und werde sehen, ob ich fit genug bin. Aber mit einer Thrombosespritze müsste es eigentlich klappen. Zumal die Mannschaft am Freitag von der Nahe aus weiter fährt zu einem Turnier in den Harz. Da möchte ich unbedingt dabei sein. Deshalb werde ich alles dransetzen, um auch nach Kirn zu kommen.

    Für Sie ist die Reise nach Kirn eine Rückkehr in die Vergangenheit.

    Ja, definitiv. Vor exakt 40 Jahren habe ich Kirn zum Studium in Richtung Mainz verlassen, bin damals zum TuS Saulheim gewechselt. Privat gibt es natürlich weiter reichlich Kontakt in die Heimat, speziell zu meiner Schwester und meinem Schwager Herwig Schindler, der ja auch als Handball-Trainer aktiv ist. Und mein Neffe Nils Schindler ist ebenfalls ins Trainergeschäft eingestiegen. Das wird am Donnerstag eine Familienzusammenführung. Auch meine beiden Söhne sind Handballtrainer, Daniel coacht einen Schweizer Zweitligisten. Und ein anderer Schwager, Ulrich Dröscher, hat viele Jahre in Tiefenstein gespielt. Bei uns dreht sich eben alles um Handball, Handball und noch einmal Handball.

    Welche Bedeutung hat für den Trainer des HBW Balingen-Weilstetten die Partie?

    Das wird für uns ein Spaßspiel. In gut einer Woche beginnt die Saison. Wir trainieren nun seit sieben Wochen, haben unglaublich viele Spiele und harte Trainingslager gemacht. In dieser Woche habe ich Regeneration ausgerufen.

    Wie beurteilen Sie die bisherige Vorbereitung?

    Wechselhaft. Am Wochenende sind wir in ein Leistungstief gefallen, haben gegen einen Zweitligisten verloren. Einen Tag später haben wir aber gegen einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf der Bundesliga gewonnen. Leider plagen uns Verschleißerscheinungen. Christoph Theuerkauf, unser neuer Nationalspieler, hat sich verletzt. Genauso Wolfgang Strobel, ein ganz wichtiger Mann, der mit einem Knorpelschaden ein halbes Jahr ausfällt. Das ist bitter. So ist unser Kader geschrumpft, und wir haben uns noch einen Spieler geangelt.

    Den Schweizer Nationalspieler Manuel Liniger. Wird er in Kirn dabei sein?

    Auf jeden Fall. Auch für ihn ist so ein Spaßspiel wichtig. Unser Ziel wird es sein, den Zuschauern in Kirn attraktiven Handball zu zeigen. Übrigens wird auch Nationalspieler Theuerkauf trotz seiner Verletzung nach Kirn reisen und fleißig Autogramme schreiben.

    Sie müssen uns verraten, wie Sie es im schnelllebigen Trainergeschäft schaffen, seit acht Jahren ein und denselben Klub zu coachen?

    Sie müssen die Frage auf die vergangenen 20 Jahre ausweiten. Ich war in dieser Zeit nur bei drei Vereinen tätig und habe es geschafft, viermal in die Bundesliga aufzusteigen. Das ist mein persönlicher Rekord. Vielleicht liegt es daran, dass ich als einziger Bundesliga-Trainer einem normalen Beruf nachgehe. Das ist natürlich eine stressige Veranstaltung, aber es belebt auch.

    Was machen Sie im normalen Berufsleben?

    Ich bin an der Universität in Stuttgart als Privatdozent tätig und für die Trainingswissenschaften sowie den Handball verantwortlich. Ich beschäftige mich also auch beruflich mit der Leistungsoptimierung im Handball.

    Theorie an der Uni und Praxis im Verein - das ist sicher eine interessante Konstellation.

    In der Tat. Denn zur Theorie kommt der Faktor Emotion im Verein dazu, wo auch Glück und Pech eine Rolle spielen.

    Job und Passion Handball. Wie bekommen Sie das unter einen Hut?

    Bis 16 Uhr bin ich an der Uni, fahre dann die 80 Kilometer nach Balingen und trainiere dort bis 21 Uhr. Die Vormittagseinheiten leiten meine Assistenten. Ich habe einen Ko-, zwei Athletik- und einen Torwart-Trainer. Meistens Leute, die bei mir studiert haben. Ich habe da ein gutes Team und im Laufe der Jahre gelernt zu delegieren.

    Der HBW nennt sich selbst die Gallier von der Alb.

    Wir sind eben der kleine Dorfverein, der versucht, mit den finanziell besser aufgestellten Teams mitzuhalten. Das ist uns nun sechs Jahre lang ohne Zaubertrank, aber mit List und Tücke, speziell im taktischen Bereich, gelungen. Jedes Jahr wurden wir zum Absteiger Nummer eins deklariert und haben uns in der Liga gehalten - und das als Low-Budget-Team im Haifischbecken Bundesliga.

    Also ist der Klassenverbleib auch in der neuen Runde Ihr Ziel?

    Ja, und mit drei direkten Absteigern wird das immer schwerer.

    Die deutsche Nationalmannschaft hat bei den Olympischen Spielen gefehlt. Das ist bitter, oder?

    Das finde ich auch. Ich gelte da als Kritiker, werde immer wieder von überregionalen Medien befragt, weil sie mich für einen Querdenker halten und ich in der Trainerausbildung beim Deutschen Handball-Bund tätig bin und auch für den europäischen Verband Lehrgänge abhalte. Es gefällt nicht jedem, was ich von mir gebe.

    Was ist denn Ihr Hauptkritikpunkt?

    Dass wir im Handball nach dem Prinzip "Weiter so" vorgehen und uns nicht am großen Vorbild, dem Fußball, orientieren. Dort wird die Betreuung der Mannschaften viel stärker spezialisiert. Außerdem wird mehr Geld in eine professionelle Jugendarbeit investiert. Man müsste unseren Vereinen mehr Vorgaben machen, sie zum Beispiel zur Anstellung eines hauptamtlichen Jugendtrainers verpflichten. Zudem wird zu viel Wert auf Erfolge gelegt statt auf die Förderung der Talente. Ein 16- bis 22-Jähriger fehlt seinem Verein bis zu 80 Tage im Jahr, weil er bei Auswahlteams ist. In dieser Zeit kann er sich im Klub nicht integrieren und keine Spielpraxis sammeln.

    Das Gespräch führte Olaf Paare.

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