Archivierter Artikel vom 02.12.2011, 16:20 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Vor EU-Gipfel: Ratingriese treibt Euro-Retter an =

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Frankfurt/Berlin (dpa) – Der Druck auf die Euro-Retter wächst: Unmittelbar vor dem mit hohen Erwartungen verbundenen EU-Gipfel Ende dieser Woche droht die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) quasi der gesamten Eurozone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Während sich Europas Politiker mühen, die Schuldenkrise endlich in den Griff zu bekommen, steht plötzlich auch Deutschlands Bestnote «AAA» auf der Kippe. Damit würde auch der Euro-Rettungsschirm EFSF seine Topbonität verlieren. S&P hat immer größere Zweifel, ob Europas Regierungen ihren seit Monaten brodelnden Streit beilegen und die Vertrauenskrise an den Märkten bekämpfen können. Die Bundesregierung sieht sich in ihrem Kurs bestärkt, die Eurozone auf ein solideres Fundament zu stellen. An den Börsen trübte sich die Stimmung ein, Kurseinbrüche blieben aber aus.

Kreise: Banken-Stresstest-Ergebnisse erst am Donnerstag oder Freitag=

Frankfurt/Main (dpa) – Die Veröffentlichung der mit Spannung erwarteten Ergebnisse des neuerlichen Banken-Stresstests verzögert sich offenbar weiter. Mit den Daten sei nun erst an diesem Donnerstag oder Freitag zu rechnen, hieß am Dienstag in Finanzkreisen. Zuletzt war die Veröffentlichung an diesem Mittwoch erwartet worden. Ursprünglich sollten die Ergebnisse bereits Mitte November vorliegen. Wegen eines heftigen Streits zwischen der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA und den nationalen Aufsehern über die Kriterien der Untersuchung kam es aber immer wieder zu Verschiebungen. In einem Blitz-Stresstest ermitteln Aufseher derzeit, wie groß die Kapitallücke der europäischen Institute bei einer Bewertung der von ihnen gehaltenen Staatsanleihen zu Marktpreisen ist. Die Banken müssen bis Ende Juni 2012 auf eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent kommen.

Jeder fünfte Pkw fällt beim TÜV zunächst durch =

Berlin (dpa) – Jedes fünfte Auto in Deutschland fällt wegen gravierender Technikprobleme bei der Pflichtuntersuchung des TÜV zunächst durch. Der Anteil der Pkw mit erheblichen Mängeln stieg im Vergleich zum Vorjahr von 19,5 auf 19,7 Prozent – den höchsten Wert seit der Jahrtausendwende, wie der Verband der Technischen Überwachungsvereine (VdTÜV) am Dienstag in Berlin mitteilte. Das bedeute, dass rund acht Millionen Wagen die Anforderungen an die technische Sicherheit nicht auf Anhieb erfüllten und erst in die Werkstatt mussten, ehe sie die Plakette bekamen.

Keine Vertragsverlängerung: EnBW-Chef Villis wirft das Handtuch=

Karlsruhe/Stuttgart (dpa) – Das Ringen um die Führung des Energiekonzerns EnBW ist beendet und Vorstandschef Hans-Peter Villis gestürzt. Nach monatelangen Querelen mit der grün-roten Landesregierung wirft der Chef des drittgrößten deutschen Energieversorgers das Handtuch und verlängert seinen Vertrag nicht. Der 53-jährige Manager muss nach über vier Jahren an der Spitze das Karlsruher Unternehmen spätestens im Herbst 2012 verlassen. EnBW war durch den Atomausstieg zuletzt schwer angeschlagen; der langjährige Verfechter der Kernkraft war der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg ein Dorn im Auge. Das Land und der Kommunalverband OEW halten jeweils 46,5 Prozent an dem Versorger.

Olympus verschleierte über eine Milliarde Euro an Verlusten =

Tokio (dpa) – Der Bilanzbetrug beim japanischen Kamerahersteller Olympus ist noch größer als anfangs angenommen. Der Konzern habe Verluste von 134,8 Milliarden Yen (derzeit rund 1,3 Mrd Euro) verschleiert, erklärte eine vom heutigen Management berufene unabhängige Ermittlungskommission. Eine Verbindungen zur Mafia, wie sie von Behörden vermutetet worden war, stellte das Expertengremium in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht allerdings nicht fest. Die Experten entdeckten auch keine neuen bösen Überraschungen in den Olympus-Büchern. Olympus hatte Verluste aus Anlagegeschäften in den 90er Jahren mit Hilfe von überhöhten Zahlungen bei Übernahmen verschleiert, anstelle sie in der Bilanz zu verbuchen. Das Management musste den Bilanzbetrug einräumen, nachdem der gefeuerte Chef Michael Woodford Mitte Oktober mit seinen Vorwürfen an die Medien ging.

VW wehrt sich gegen EU-Klage – Winterkorn: 2012 wird schwieriger =

Wolfsburg/Brüssel (dpa) – Die Belegschaft von Europas größtem Autobauer Volkswagen macht Front gegen den Vorstoß der EU-Kommission gegen das VW-Gesetz. «Dank der Kommission greift mal wieder die soziale Kälte in Europa um sich», sagte Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh am Dienstag in einer Betriebsversammlung vor rund 18 000 Beschäftigten im Wolfsburger Stammwerk. Unterstützung erhielt er vom Land: Neben Ministerpräsident David McAllister (CDU) waren das gesamte Kabinett sowie alle Fraktionsvorsitzenden von Hannover nach Wolfsburg gekommen. «Ich bitte Sie, ziehen Sie diese Klage zurück!», forderte McAllister EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier auf. Die Kommission hatte die Bundesrepublik Deutschland verklagt, weil sie nach Auffassung der Brüsseler Wettbewerbshüter ein früheres Urteil von 2007 nicht vollständig umgesetzt haben soll.

VDIK: Deutscher Automarkt wird 2012 leicht wachsen =

Frankfurt/Main (dpa) – Der deutsche Automarkt kann 2012 trotz der Unsicherheit über die Entwicklung an den Finanzmärkten und der Gesamtwirtschaft mit weiterem Wachstum rechnen. «Angesichts der zu erwartenden Nachfrage im privaten Konsum sollte ein leichtes Plus mit bis zu 3,2 Millionen Pkw-Neuzulassungen möglich sein», sagte der Präsident des Verbandes der Importeure VDIK, Volker Lange, am Dienstag in Frankfurt. Damit sieht Lange die Marktentwicklung etwas positiver als der Verband der Automobilindustrie (VDA), der die deutschen Hersteller vertritt. Für 2011 geht der VDIK von 3,16 Millionen Neuzulassungen in Deutschland aus. Dies wäre ein Plus von neun Prozent zum Vorjahr. Der VDA rechnet mit mehr als 3,1 Millionen Neuwagen in diesem Jahr und einem stabilen Markt 2012. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hält schon in diesem Jahr 3,2 Millionen Neuzulassungen für möglich – das wäre eine zweistellige Steigerung zum Vorjahr.

Wirtschaft in der Eurozone wächst nur minimal =

Luxemburg (dpa) – Die Wirtschaft des Euroraums wächst wie angenommen nur noch minimal. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im dritten Quartal verglichen mit dem Vorquartal um lediglich 0,2 Prozent gestiegen, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg mit. Die Statistiker bestätigten damit vorläufige Zahlen von Mitte November. Im zweiten Quartal 2011 war die Wirtschaft ebenfalls um 0,2 Prozent gewachsen. Im Jahresvergleich wuchs die Wirtschaft im Euroraum im dritten Quartal wie zunächst ermittelt um 1,4 Prozent, nach 1,6 Prozent Wachstum im zweiten Quartal.

Industrie überrascht mit starkem Auftragsplus =

Berlin (dpa) – Die deutsche Industrie hat im Oktober nach drei Abschwächungen in Folge wieder einen starken Auftragsanstieg verbuchen können. Im Monatsvergleich seien die Aufträge um 5,2 Prozent geklettert, teilte das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin auf Basis vorläufiger Zahlen mit. Von dpa-AFX befragte Experten hatten lediglich mit einem Plus um 0,5 Prozent gerechnet. Im Vormonat waren die Aufträge noch deutlich um 4,6 Prozent – die erste Schätzung lag bei 4,3 Prozent – gesunken. Im Jahresvergleich stiegen die Aufträge im Oktober noch um 5,4 Prozent, nach 2,2 (zunächst 2,4) Prozent im Vormonat.

IG BCE will 2012 deutliches Chemie-Entgeltplus =

Hannover (dpa) – Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) verlangt in der bevorstehenden Tarifrunde 2012 ein kräftiges Entgeltplus für die rund 550 000 Chemie-Beschäftigten. «Wir werden für eine deutliche Verbesserung der Einkommen sorgen», kündigte Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis am Montagabend in Hannover an. «Niemand auf Arbeitgeberseite sollte sich da falschen Einschätzungen hingeben. Es gibt keinen Finanzkrisen-Abschlag.» Zur genauen Höhe der Forderung wollte IG-BCE-Tarifexperte Peter Hausmann noch keine Angaben machen: «Mit dieser Frage werden wir uns Mitte Februar beschäftigten», sagte er. In den Tarifverhandlungen für 2011 hatte die Gewerkschaft 6 bis 7 Prozent mehr Entgelt gefordert – am Ende stand ein Plus von 4,1 Prozent.

S&P-Warnung trübt Stimmung am deutschen Aktienmarkt =

Frankfurt/Main (dpa) – Die angedrohte Herabstufung von Deutschlands Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's hat dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag einen Dämpfer versetzt. S&P setzte Deutschland sowie weitere 14 Euro-Länder und den Rettungsfonds EFSF auf verschärfte Beobachtung. Damit läuft Deutschland Gefahr, seine Topbonität «AAA» zu verlieren. Der Dax schloss daraufhin um 1,27 Prozent schwächer bei 6028,82 Punkten, erholte sich damit aber von seinem Tagestief bei 6006 Punkten. Der MDax fiel um 1,10 Prozent auf 8944,43 Punkte und der TecDax sank um 1,19 Prozent auf 693,79 Punkte. Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,81 (Vortag: 1,78) Prozent. Der Kurs des Euro fiel: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3394 (Montag: 1,3442) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7466 (0,7439) Euro.