Archivierter Artikel vom 08.08.2011, 16:28 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Hochnervöse Aktienmärkte – Dax zeitweise minus 7 Prozent =

Lesezeit: 6 Minuten

Frankfurt/Tokio (dpa) – Extreme Ausschläge auf den Aktienmärkten: Für den deutschen Leitindex Dax ging es am Dienstag den zehnten Tag in Folge in den Keller, zeitweise um mehr als 7 Prozent. Doch am Nachmittag konnte er das Minus auf 1 Prozent eindämmen. An den Märkten Asiens ging es überwiegend abwärts, nachdem die Wall Street am Vortag einen Kurssturz um mehr als 600 Punkte verzeichnet hatte. Mit Spannung wurden nun Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke nach der Fed-Zinsentscheidung erwartet. An der Frankfurter Börse ging es auch für die Nebenwerte zunächst wieder deutlich in den Keller, am frühen Nachmittag drehten MDax und TecDax allerdings ins Plus. Der Kurs des Euro stieg: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4267 (Montag: 1,4225) Dollar fest.

Entspannung nach abgesagtem Fluglotsenstreik =

Frankfurt/Main (dpa) – Nach der kurzfristigen Absage des Fluglotsenstreiks ist der Flugverkehr in Deutschland am Dienstag weitgehend störungsfrei geblieben. Die zuvor auf die Folter gespannten Passagiere konnten aufatmen und ihre Reisepläne umsetzen. Flughäfen, die Deutsche Flugsicherung (DFS) wie auch die Lufthansa berichteten nur von vereinzelten Verschiebungen, die teils auf Sonderflugpläne zurückzuführen waren. Keine sechs Stunden vor dem geplanten Streikbeginn hatte die DFS den Schlichter angerufen und damit eine sofortige Friedenspflicht der Lotsen ausgelöst. Als Schlichter agiert der Arbeitsrechtler Volker Rieble, der nun eine Woche Zeit hat, einen ersten Termin mit den Streithähnen zu vereinbaren. Die Schlichtung wird nach Einschätzung beider Seiten mindestens vier Wochen dauern, so dass für die Ferien mit keinen weiteren Aktionen mehr zu rechnen ist.

Bundesregierung will neuen Stabilitätsrat für Euro-Staaten =

Berlin (dpa) – Die Bundesregierung will zur Beruhigung der Märkte mit Stresstests und Schuldenbremsen nach deutschem Vorbild die wankende Euro-Zone langfristig stabilisieren. Dazu könnte ein neuer europäischer Stabilitätsrat aufgebaut werden, der bei schlechtem Wirtschaften automatisch Sanktionen – etwa bei der Vergabe von EU-Fördermilliarden – verhängen würde. «Das wäre ein gutes, starkes Signal an die Märkte», sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Er will die mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) abgestimmte Initiative Ende September seinen EU-Ministerkollegen bei einem Treffen in Breslau vorstellen. Alle Euro-Länder sollten schnellstmöglich eine Schuldenbremse wie in Deutschland einführen.

Trichet schweigt zu Umfang von Anleihen-Ankäufen =

Paris (dpa) – Die Europäische Zentralbank (EZB) will bis Anfang kommender Woche keine Angaben über das Ausmaß ihrer indirekten Hilfen für die unter Druck geratenen Schuldenländer Italien und Spanien machen. «Wir sind auf dem Sekundärmarkt aktiv. Aber ich sage nicht, was wir kaufen», sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Am kommenden Montag werde man aber einen Betrag nennen. Die EZB hatte am Sonntagabend signalisiert, dass sie nun auch Staatsanleihen der großen Euroländer Italien und Spanien kaufen will. Sie sorgt damit dafür, dass die Refinanzierung für Rom und Madrid wieder günstiger wird. Den direkten Ankauf von Schuldtiteln schloss Trichet aus. «Das sollten wir nicht tun und das können wir auch nicht tun.»

Deutscher Exportmotor stottert =

Wiesbaden (dpa) – Die deutsche Exportwirtschaft spürt allmählich das Abflauen des weltweiten Booms. Die nachlassende Dynamik der Weltwirtschaft bremste Deutschlands Konjunkturlokomotive im Juni im Vergleich zum Vormonat. Die Ausfuhren sanken im Monatsvergleich kalender- und saisonbereinigt um 1,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Sie gingen damit stärker zurück als von Volkswirten erwartet. Hingegen lagen die Einfuhren 0,3 Prozent höher als im Vormonat. Gegenüber dem Juni des Vorjahres liegt die deutsche Exportwirtschaft zwar weiterhin im Plus: Der Anstieg um 3,1 Prozent auf 88,3 Milliarden Euro ist aber deutlich geringer als die jährlichen Wachstumsraten der Vormonate. «Die deutsche Exportwirtschaft spürt derzeit den Sand im Getriebe der Weltwirtschaft», sagte der Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA), Anton Börner.

Bröckelnde RWE-Gewinne durch Atomausstieg =

Essen (dpa) – Der deutsche Atomausstieg kostet den Energieriesen RWE einen Milliardenbetrag. Der zweitgrößte Strom- und Gasversorger nach Eon rechnet durch die Energiewende mit einer Belastung von etwa 1 Milliarde Euro in diesem Jahr. Inklusive Brennelementesteuer seien es 1,3 Milliarden Euro, teilte der RWE-Vorstand mit. Im ersten Halbjahr verzeichnete RWE bereits einen Gewinneinbruch: Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis schrumpfte um fast 40 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Neben dem Atomausstieg spielte dabei allerdings auch das schlechteres Gasgeschäft eine Rolle. Durch ungünstige Lieferverträge schrieb der Gasgroßhandel rote Zahlen. «Die Beschlüsse zur Kernenergie führen zu erheblichen Ergebnisbelastungen», betonte RWE-Chef Jürgen Großmann.

ThyssenKrupp verhandelt über Verkauf von Blohm + Voss =

Essen/Hamburg (dpa) – Der Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp verhandelt mit einem Finanzinvestor über den Verkauf des zivilen Teils der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss. Eine Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet, sagte eine Konzernsprecherin. Den Namen des Interessenten wollte sie nicht nennen. Er kommt dem Vernehmen nach aus Großbritannien. Offiziell spricht das Unternehmen aber nur von einem europäischen Investor. Zum zivilen Teil von Blohm + Voss zählen der Bau von Luxusjachten, ein Reparatur- und ein Maschinenbausektor. In einem Brief an die Mitarbeiter, aus dem die «Welt» zitierte, versicherte das Werften-Management, dass es «sogenannte Wertsteigerungen nach Heuschreckenmanier durch Personalabbau oder sonstiges Aushöhlen von Unternehmen» bei Blohm + Voss nicht geben werde.

Fukushima-Betreiber Tepco mit Milliardenverlust =

Tokio (dpa) – Der Betreiber des zerstörten japanischen Atomkraftwerkes Fukushima, Tokyo Electric Power (Tepco), hat im zweiten Quartal einen Milliardenverlust verbucht. Das Minus betrug netto 572 Milliarden Yen (5,2 Mrd Euro), wie das Unternehmen am Dienstag in Tokio mitteilte. Grund sind die hohen Kosten für die Folgen der Atomkatastrophe in Fuskushima vom 11. März. 105 Milliarden Yen kostete den Angaben zufolge die Stabilisierung der Lage an den havarierten Atommeilern. 398 Milliarden Yen wandte Tepco für Entschädigungszahlungen an Betroffene in der Region des Kraftwerks auf. Zugleich verkaufte Tepco wegen gesunkener Nachfrage auch deutlich weniger Strom. Der Umsatz im zweiten Quartal sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,2 Prozent auf 1,13 Billionen Yen.

Gartner: Windows 7 bis Ende 2011 auf 42 Prozent aller PCs =

Stamford (dpa) – Microsofts Betriebssystem Windows 7 sagt das Marktforschungsinstitut Gartner trotz langer Kaufzurückhaltung von Unternehmenskunden eine rosige Zukunft voraus. Insgesamt 94 Prozent aller neuen PCs würden in diesem Jahr mit Windows 7 ausgeliefert werden, prognostizierte das Unternehmen am Dienstag. Bis Ende des Jahres würden damit 42 Prozent aller derzeit genutzten PCs weltweit mit dem neuen Betriebssystem laufen. Vor allem Unternehmenskunden in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum trügen derzeit zum Erfolg von Windows 7 bei. Windows 7 ist seit Oktober 2009 auf dem Markt. Vor etwas mehr als zwei Monaten kündigte Microsoft bereits den Nachfolger, Windows 8, an.

TV-Hersteller entwickeln gemeinsam 3D-Brille =

Berlin (dpa) – Der Standard-Wirrwarr um 3D-Bilder auf dem Fernseher könnte sich dem Ende neigen. Drei große TV-Hersteller wollen sich gemeinsam mit einem 3D-Spezialisten auf einen gemeinsamen Standard für 3D-Brillen verständigen. Bislang bietet jeder Markenhersteller zu seinen 3D-fähigen Fernsehern eine eigene Brille an, die an Geräten anderer Hersteller nicht funktioniert. Nun haben sich Panasonic, Samsung, Sony und der 3D-Spezialist XPand 3D darauf verständigt, in einer gemeinsamen Initiative einen einheitlichen Technologiestandard zu erarbeiten. Bereits im September könne der Standard lizenziert werden, teilten die Unternehmen mit. 2012 sollen die ersten Brillen auf den Markt kommen.

Mehr Touristen reisen nach Griechenland =

Athen (dpa) – Trotz Finanzkrise und zahlreicher Streiks ist Griechenland bei ausländischen Urlaubern beliebter geworden. Die Zahl der ankommenden Fluggäste stieg in den ersten sieben Monaten im Vergleich zur Vorjahresperiode um knapp zehn Prozent, wie der Verband der Touristik-Unternehmen (SETE) Griechenlands mitteilte. An den 13 wichtigsten Flughäfen des Landes seien von Januar bis Ende Juli 6,46 Millionen Reisenden angekommen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es demnach 5,87 Millionen. An der Spitze stand die Ferieninsel Rhodos mit einem Zuwachs von 28 Prozent, gefolgt von der Insel Kos (plus 26 Prozent) und Heraklion auf Kreta (plus 14 Prozent). Einzige Ausnahme war die Hauptstadt Athen mit 2,7 Prozent weniger ankommenden Touristen.