Archivierter Artikel vom 22.06.2011, 16:10 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Papandreou kann weiter regieren – Kaum Markt-Reaktionen

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Athen (dpa) – Griechenlands Regierung hat im Kampf gegen den drohenden Staatsbankrott eine Verschnaufpause erreicht. Sie kann dem Parlament nun bis Ende Juni auch ihr umstrittenes Sparpaket vorlegen. Die nächste internationale Kredittranche wird dringend erwartet – es geht um eine Finanzspritze in Höhe von zwölf Milliarden Euro, die an das neue Sparprogramm Athens gebunden ist. Das Parlament sprach Ministerpräsident Giorgos Papandreou am frühen Mittwochmorgen das Vertrauen aus. In einer dramatischen Nachtsitzung stimmten von den 300 Abgeordneten 155 für die Regierung, 143 votierten gegen sie, 2 unabhängige Parlamentarier fehlten. In den Staatskassen des Euro-Landes ist nur noch bis Mitte Juli Geld. Papandreou will keine Zeit verlieren, um nun auch das Sparprogramm billigen zu lassen.

Klamme Griechen kaufen deutlich weniger deutsche Waren

Wiesbaden (dpa) – Mit dem Ausbruch der schweren Schuldenkrise hat das klamme Griechenland seine Einfuhren aus Deutschland stark zurückgefahren. 2010 kauften die Griechen deutsche Waren im Wert von rund 5,9 Milliarden Euro – ein Minus von 10,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden berichtete. Der Einbruch ist umso bemerkenswerter, da der deutsche Export in die EU insgesamt um 15,5 Prozent anzog. Im Ranking der deutschen Exportländer rutschte Hellas, das seit 2010 mit Milliardenhilfen vor der Pleite gerettet wird, von Platz 23 auf Platz 33 ab. Hingegen zog die Nachfrage der Deutschen nach griechischen Produkten 2010 spürbar an – wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Einfuhren lagen mit rund 2,0 Milliarden Euro um 13,4 Prozent über Vorjahr.

Brüssel drängt Verbraucher zum Energiesparen

Brüssel (dpa) – Die EU-Kommission will Verbraucher, Unternehmen und Regierungen zum Energiesparen zwingen. Mit Doppelglasfenstern, besseren Heizungen und Dachisolierung sollen die Bürger jedes Jahr 1,5 Prozent Strom und Gas einsparen – dabei müssten die Stromkonzerne Verbraucher mit Zuschüssen unterstützen. Monatliche Rechnungen sollen Kunden einen besseren Überblick über ihren Strom- und Gasverbrauch geben und sie dazu bringen, das Licht auszuschalten und die Heizung abzudrehen. Eine entsprechende Verordnung zur Energieeffizienz hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Mittwoch in Brüssel präsentiert. Zudem will die Kommission Herstellern vorschreiben, sparsamere Geräte von der Klimaanlage bis zum Wäschetrockner auf den Markt zu bringen.

EU: Russland hebt Boykott auf Gemüse aus der EU auf

Brüssel/Moskau (dpa) – Europas Bauern können wohl schon bald wieder ihr Gemüse nach Russland exportieren. Die EU und Russland haben laut EU-Kommission in Moskau über die Wiedereinfuhr ein Abkommen zur Aufhebung des Importstopps unterzeichnet. Das sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Mittwoch. Wegen der EHEC-Krise hatte das größte Land der Erde Anfang Juni ein Einfuhrverbot für Gemüse aus der gesamten Europäischen Union verhängt. Russlands oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko hingegen warnte vor überzogenen Erwartungen. Beide Seiten hätten sich auf Prüfungsmaßnahmen wie ein Zertifikat geeinigt, sagte er nach Angaben der Agentur Interfax. «Gerüchte» über eine sofortige Aufhebung seien jedoch völlig übertrieben.

WestLB-Nachfolger bietet nur wenige hundert Stellen

Düsseldorf (dpa) – Schockierende Zahl für die WestLB-Mitarbeiter: Die einstmals größte deutsche Landesbank soll zu einer regionalen Sparkassen-Zentralbank mit nur etwa 400 Arbeitsplätzen verkleinert werden. Diese Größenordnung für das WestLB-Nachfolgerinstitut nannte Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) am Mittwoch vor rund 1000 demonstrierenden WestLB-Beschäftigten, die vor den Düsseldorfer Landtag gezogen waren. Bislang war in Finanzkreisen eine Größenordnung von weniger als 1000 Mitarbeiter für das Nachfolgerinstitut vermutet worden. Der WestLB-Konzern hat im In- und Ausland rund 5000 Mitarbeiter.

IG Metall dringt auf unbefristete Azubi-Übernahme

Frankfurt/Main (dpa) – Die Gewerkschaft IG Metall macht die unbefristete Übernahme von Auszubildenden zu einer ihrer tarifpolitischen Kernforderungen Anfang 2012. «Bei der Übernahme drückt der Schuh so stark, dass wir sie auf jeden Fall zum Thema machen werden», sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Auch der Kampf gegen ausufernde Leiharbeit werde ganz oben stehen, kündigte die im Vorstand für Tarifpolitik zuständige Gewerkschafterin an. Der aktuelle Tarifvertrag in der Metall- und Elektrobranche garantiert den fertig Ausgebildeten eine Übernahme für nur ein Jahr. Aus Sicht der IG Metall ist das zu oft der Beginn von Beschäftigung ohne langfristige Perspektive.

Otto Group geht nach Brasilien

Hamburg (dpa) – Die Otto Group erschließt neue Märkte. In diesem Jahr sei der Markteintritt in Brasilien geplant, teilte Otto-Chef Hans-Otto Schrader am Mittwoch in Hamburg mit. Zunächst sei ein Gemeinschaftsunternehmen für Mode und Lifestyle mit einem im Land etablierten Unternehmen vorgesehen. In fünf Jahren wolle Otto in der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt einen Umsatz von rund 500 Millionen Dollar erreichen. Der Konzernumsatz stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr (28.2) um 12,6 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss sank von 211 Millionen auf 181 Millionen Euro. Otto ist im Online-Handel weltweit die Nummer zwei hinter Amazon. In diesem Sommer soll auch der insolvente Versandhändler Quelle wieder am Markt auftauchen – als Online-Marktplatz für Technik, Haushaltsgeräte, Möbel und Wohnbedarf.

Sixt will Nummer 1 in Europa werden

München (dpa) – Deutschlands größter Autovermieter ist Erich Sixt bereits. Doch Sixt ist nie zufrieden, wie der Firmenpatriarch oft und gerne betont. In den kommenden fünf Jahren will er mit seinem Konzern die Rivalen von Europcar, Avis und Hertz auch in Europa überholen. «Und Sixt ist bekannt dafür, seine Ziele zu erreichen», sagte der Firmenchef am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München. Große Übernahmen strebt er aber nicht an und auch große Risiken will er nicht eingehen. Das gilt auch für den vorsichtigen Angriff, den Sixt im hart umkämpften US-Markt auf die Konkurrenz fährt. «Wir suchen die Herausforderung, aber nicht das Abenteuer», sagte Sixt, der an diesem Samstag 67 Jahre alt wird. So aggressiv und frech die Werbung ist, so zurückhaltend will Sixt neue Märkte erobern.

Boom spült Arbeitnehmern Geld in die Tasche

Wiesbaden (dpa) – Die Arbeitnehmer in Deutschland spüren den anhaltenden Aufschwung immer mehr in ihrem Geldbeutel. Im Auftaktquartal 2011 stiegen die Reallöhne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kräftig um durchschnittlich 2,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Das ist der zweithöchste Anstieg seit Beginn der Zeitreihe Anfang 2008, zuletzt hatten die Reallöhne im zweiten Vierteljahr 2010 mit plus 2,3 Prozent im Jahresvergleich noch kräftiger angezogen. Reallöhne sind die preisbereinigten Bruttomonatsverdienste von in Vollzeit beschäftigten Arbeitnehmern. Nominal füllte sich die Lohntüte mit plus 4,1 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2010 so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung. Allerdings kletterten in dem Zeitraum auch die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent.

JPMorgan muss für windige Hypotheken-Deals büßen

Washington/New York (dpa) – Nach Goldman Sachs muss nun auch die US-Großbank JPMorgan Chase für zweifelhafte Geschäfte mit Hypothekenpapieren büßen. JPMorgan zahlt insgesamt rund 210 Millionen Dollar an Strafe und Wiedergutmachung – und kommt damit wesentlich günstiger und geräuschloser weg als der Wall-Street-Nachbar Goldman Sachs, der vor einem Jahr 550 Millionen Dollar aufwenden musste und über Monate hinweg in den Schlagzeilen war. JPMorgan habe Investoren in die Irre geführt, «gerade als der Häusermarkt anfing zu fallen», erklärte die Börsenaufsicht SEC am Dienstag (Ortszeit) in Washington. JPMorgan zahlt in einem Vergleich knapp 154 Millionen Dollar. Der größte Teil des Geldes kommt den Geschädigten zugute. Dazu überweist die Bank Investoren eines ebenfalls gescheiterten Hypothekenpapiers freiwillig etwa 56 Millionen Dollar. Eine Schuld räumte die Bank bei beiden Geschäften indes ausdrücklich nicht ein.

Dax tritt auf der Stelle

Frankfurt/Main (dpa) – Nach dem erwarteten Vertrauensvotum für den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou hat der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch weitgehend auf der Stelle getreten. Knappe Gewinne und Verluste wechselten sich beim Dax munter ab. Zuletzt lag der Leitindex moderat mit 0,15 Prozent im Minus bei 7275 Punkten. Der MDax stand dagegen mit 0,08 Prozent im Plus bei 10 660 Punkten. Der TecDax gewann 0,07 Prozent auf 877 Punkte. Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,70 (Dienstag: 2,68) Prozent. Der Euro legte zu. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,4397 (1,4373) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,6946 (0,6958) Euro.