Archivierter Artikel vom 11.05.2011, 16:46 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

IWF: Deutschland bleibt Zugpferd für Europas Wirtschaft

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Frankfurt/Main (dpa) – Angetrieben von der starken deutschen Konjunktur wird sich der Aufschwung in Europa fortsetzen. In seiner am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Frühjahrsprognose sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) für Europa insgesamt ein Wachstum von 2,4 Prozent in diesem und von 2,6 Prozent im kommenden Jahr voraus. Die hoch verschuldeten Krisenländer Griechenland und Portugal stecken vorerst aber weiter in der Rezession – wobei der IWF zumindest Athen zutraut, 2012 wieder zu wachsen. Die Wirtschaft im Euroraum wird mit 1,6 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr langsamer zulegen als Europa insgesamt. Dabei bleibt Deutschland mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 2,5 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im kommenden Jahr die Konjunkturlokomotive.

EZB sieht anhaltenden Preisdruck

Frankfurt/Main (dpa) – Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet auch in den kommenden Monaten steigende Preise im Euroraum. «Nach Auffassung des EZB-Rats besteht weiterhin ein Aufwärtsdruck auf die Gesamtinflation, der zum Großteil auf die Preisentwicklung bei Energie und Rohstoffen zurückzuführen ist», schreiben die Währungshüter in ihrem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Die Inflationsrate dürfte demnach auch in den kommenden Monaten deutlich über 2 Prozent liegen. Die EZB strebt mittelfristig eine Rate von knapp unter zwei Prozent an. Im März war die Jahresteuerung aber auf 2,7 Prozent und im April auf 2,8 Prozent geklettert. Die Notenbanker reagierten. Sie erhöhten den Leitzins leicht auf 1,25 Prozent und deuteten weitere Zinsschritte an.

ACS-Durchmarsch bei Hochtief – Angst vor Ausplünderung

Essen (dpa) – Nach dem Durchmarsch des spanischen Hochtief-Großaktionärs ACS fürchten Aktionäre eine Ausplünderung des größten deutschen Baukonzerns. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass ACS einen so steinigen, so unangenehmen Weg gegangen ist, nur um eine Tochter mehr zu haben», sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, am Donnerstag auf dem Hochtief-Aktionärstreffen in Essen. Nach einer monatelangen Schlacht um Hochtief strebt der hoch verschuldete Konzern ACS bis zur Jahresmitte die Mehrheitsübernahme an. ACS hält bereits mehr als 43 Prozent an Hochtief. Mehrere Mitglieder des alten Aufsichtsrats, die sich vergeblich gegen die Übernahme gestemmt hatten, zogen kurzfristig ihre Kandidatur für das Kontrollgremium zurück.

RWE-Gewinn sinkt – Belastungen aus Atom-Moratorium noch gering

Essen (dpa) – Das schwächelnde Gasgeschäft hat Deutschlands zweitgrößtem Versorger RWE im ersten Quartal einen Gewinnrückgang beschert. Nach dem Rekordjahr 2010 sackte das Betriebsergebnis bis Ende März um mehr als 5 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro ab. Teilweise habe Gas unter dem Bezugspreis verkauft werden müssen, sagte Finanzvorstand Rolf Pohlig am Donnerstag in Essen. Der RWE-Umsatz stieg immerhin um 3,2 Prozent auf 15,75 Milliarden Euro. Als Folge des Atom-Moratoriums wurde der Stromeinkauf für RWE teurer. Der Konzern musste nach dem Herunterfahren von Biblis am Markt zukaufen. Wann höhere Preise auf die Verbraucher durchschlagen, lässt RWE noch offen. Langfristig wird aber mit Aufschlägen gerechnet.

Tui trotzt Nordafrika-Unruhen – Verlust verringert

Hannover (dpa) – Der europäische Reisemarktführer Tui hat trotz der Unruhen in Nordafrika und der arabischen Welt seinen saisonüblichen Verlust zu Jahresbeginn verringert. Unterm Strich fiel im zweiten Geschäftsquartal ein Minus von 144 Millionen Euro an, wie der Konzern am Donnerstag in Hannover mitteilte. In den ersten drei Monaten des vorigen Jahres hatte die Tui AG noch mit knapp 178 Millionen Euro in den roten Zahlen gestanden. Der Umsatz wuchs um fast 7 Prozent auf etwa 3,1 Milliarden Euro. Reiseveranstalter fahren im Winter meist ein Minus ein, da sie ihre Kosten nicht decken können. Erst in der Hauptreisezeit im Sommer entstehen Gewinne. Für den weiteren Jahresverlauf rechnet Tui «unverändert mit einem positiven Konzernjahresergebnis».

Audi stockt Belegschaft kräftig auf

Neckarsulm (dpa) – Audi rüstet sich für einen langanhaltenden Autoboom und stockt die Belegschaft kräftig auf. «Um unseren ambitionierten Wachstumskurs zu realisieren, brauchen wir viele kluge Köpfe in unserem Unternehmen», sagte Audi-Chef Rupert Stadler am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Neckarsulm. Allein in Deutschland werde die VW-Tochter in diesem Jahr mindestens 2200 neue Mitarbeiter einstellen. Die Ingolstädter holen sich 1200 neue Experten vor allem für Elektromobilität und Leichtbau ins Boot. Außerdem werden mindestens 300 Leiharbeiter fest angestellt und knapp 700 Jugendliche beginnen eine Ausbildung. «Wir planen, bis 2020 rund 10 000 neue Stellen zu schaffen», sagte Stadler. Derzeit arbeiten weltweit fast 61 000 Menschen bei Audi, 46 700 davon in Deutschland.

BMW zahlt Mitarbeitern Rekordprämie

München (dpa) – Volle Auftragsbücher, Sonderschichten und Rekordzahlen: BMW will in den kommenden Jahren die Spitzenposition in der Oberklasse ausbauen. Um die Rivalen Audi und Daimler auf Distanz zu halten, treiben die Münchner auch den Umbau des klassischen Autogeschäfts voran. Angesichts strenger CO2-Grenzwerte, Verkehrsbeschränkungen und wachsender Rohstoffkosten stehe die Branche vor enormen Herausforderungen, sagte Vorstandschef Norbert Reithofer am Donnerstag. Dank der Nachfrage in China, den USA und auch in Europa fährt der Hersteller wieder Rekordwerte ein. Deshalb zahlt BMW den Mitarbeitern eine Rekordprämie. Für 2010 bekommen die Tarifmitarbeiter fast 1,6 Monatsgehälter – im Schnitt 5840 Euro. Zudem will BMW in diesem Jahr rund 2000 neue Mitarbeiter einstellen, mehr als die Hälfte davon in Deutschland.

Sky Deutschland sendet Hoffnungszeichen

München (dpa) – Sky Deutschland sendet weiter Zeichen der Hoffnung. In den ersten drei Monaten hat der defizitäre Bezahlsender deutlich mehr Kunden hinzugewonnen und zählt so viele zahlende Kunden wie nie zuvor in der Geschichte – wenn man die geschönten Zahlen aus der Premiere-Zeit ausnimmt. Wie erwartet bleibt das Sorgenkind im Medienimperium von Rupert Murdoch aber tief in den roten Zahlen. Murdochs News Corp. hatte in den vergangenen zwölf Monaten rund 448 Millionen Euro in den defizitären Bezahlsender gepumpt. Das scheint Wirkung zu zeigen: Unter dem Strich zählte das frühere Premiere zwischen Januar und März 73 000 neue Abonnenten, nachdem im Vorjahreszeitraum nur 1000 Kunden dazu kamen. Insgesamt zählt der Sender nun 2,726 Millionen Kunden, nach eigenen Angaben braucht Sky rund 3 Millionen, um Geld zu verdienen.

Telekom-Chef erwartet grünes Licht für US-Verkauf

Köln (dpa) – Telekom-Chef René Obermann rechnet im Fall des geplanten milliardenschweren Verkaufs der US-Tochter fest mit der Genehmigung der Kartellbehörden. Der Wettbewerb dort sei äußerst intensiv, in den meisten Märkten könnten die Kunden zwischen fünf und mehr Anbietern wählen, begründete er am Donnerstag in Köln auf der Hauptversammlung seine Zuversicht. Im März hatte der Bonner Riese den Verkauf seiner Mobilfunktochter an AT&T zum Preis von 39 Milliarden Dollar angekündigt. In der ersten Hälfte 2012 erwartet Obermann den Abschluss der Transaktion. T-Mobile USA ist mit rund 33 Millionen Kunden nur die Nummer vier auf dem US-Markt.

Reitzle will Linde bis 2014 treu bleiben

München (dpa) – Linde-Chef Wolfgang Reitzle bleibt noch drei Jahre an der Spitze des Münchner Dax-Konzerns. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des 62 Jahre alten Top-Managers bis 2014 und sorgte damit für Applaus der Aktionäre bei der Hauptversammlung am Donnerstag in München. «Unter der Leitung von Wolfgang Reitzle hat sich die Linde AG in jeder Hinsicht ausgezeichnet entwickelt» sagte Aufsichtsratschef Manfred Schneider. Reitzle steht seit Januar 2003 an der Spitze von Linde und hat das Unternehmen durch die Wirtschaftskrise hindurch zu Rekorden im vergangenen Jahr geführt. Der Umsatz des Industriegase-Spezialisten kletterte um knapp 15 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro, der Gewinn legte um 70 Prozent auf rund eine Milliarde Euro zu.

Mehr gefährliche Konsumgüter in Europa gemeldet

Brüssel (dpa) – Hautreizende T-Shirts, Risiko-Spielzeug, Elektroartikel mit defekten Netzteilen: Verbraucher in Europa sind immer häufiger gefährlichen Konsumgütern ausgesetzt. 2244 unsichere Produkte meldeten Kontrolleure 2010, 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor, teilte EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli am Donnerstag in Brüssel mit. Am häufigsten schlugen die europäischen Prüfer bei Textilien Alarm, hier drohten oft Hautreizungen. Außerdem landeten auf der Liste Spielzeuge, an denen sich Kinder verschlucken könnten, sowie Elektroartikel von extrem schlechter Qualität. Deutschland war das Land mit den meisten gemeldeten Risiko-Produkten (204). Mehr als die Hälfte der beanstandeten Waren kommt aus China.

Deutsche Aktien wegen Rohstoffmärkten auf Talfahrt

Frankfurt/Main (dpa) ­ Wie schon an den Übersee-Börsen haben nachgebende Rohstoffpreise am Donnerstag auch am deutschen Aktienmarkt für deutliche Kursverluste gesorgt. Der Leitindex Dax sackte am Nachmittag um 1,32 Prozent auf 7396 Punkte ab. Der MDax büßte 1,17 Prozent auf 10 693 Punkte ein. Der TecDax verlor 1,06 Prozent auf 922 Punkte. Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,87 (Mittwoch: 2,93) Prozent. Der Kurs des Euro fiel deutlich. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,4153 (1,4357) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7066 (0,6965) Euro.