Archivierter Artikel vom 19.04.2011, 16:28 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Weltweit Wirbel über Ratingurteil zu US-Bonität =

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Washington (dpa) – Der Warnschuss der Ratingagentur Standard & Poor's für die Kreditwürdigkeit der USA hat weltweit für Wirbel gesorgt. An den Märkten wächst die Sorge, dass sich die Schuldenkrise in den USA zuspitzt. Die US-Regierung dagegen wies die Zweifel zurück. Präsident Barack Obama glaubt fest an eine parteiübergreifende Einigung zum gemeinsamen Abbau des enormen Defizits. Standard & Poor's (S&P) hatte die Kreditwürdigkeit der USA am Montag infrage gestellt. Sie werde deren Bonität zwar weiter mit der Bestnote «AAA» bewerten, teilte S&P mit. Allerdings senke sie den Ausblick für die langfristige Beurteilung auf «negativ». Damit droht in den kommenden zwei Jahren eine Herabstufung.

Lokführer: Gut zwei Drittel der DB-Konkurrenz lahmgelegt =

Frankfurt/Berlin (dpa) – Der Langzeit-Streik der Lokführer hat die Regiobahnen aus Sicht der Gewerkschaft bereits am Dienstag bundesweit empfindlich getroffen. Schon vor der Halbzeit des auf insgesamt 60 Stunden angelegten Ausstandes hätten etwa 70 Prozent der Züge bei der bestreikten Regio-Konkurrenz der Deutschen Bahn (DB) stillgestanden, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt am Dienstagnachmittag nach etwa 24 Stunden Streik. Seibert berief sich auf Angaben der Streikfront und sprach von einem ähnlichen Erfolg wie bei den vorangegangenen Streikwellen.

Portal: Höhere Preise bei 101 Stromversorgern =

Berlin (dpa) – Nach einer ersten Welle zu Jahresbeginn heben laut einer Marktanalyse im Frühling weitere Stromversorger die Preise an. Seit März haben 101 Anbieter Tarife im Schnitt um 6,1 Prozent erhöht oder planen dies in den nächsten Wochen, wie das Vergleichsportal Toptarif am Dienstag mitteilte. Betroffen seien mehr als zehn Millionen Haushaltskunden. Nach Anhebungen bei 51 Versorgern im März seien die Preise im April bei 33 Firmen teurer geworden, im Mai wollten weitere 17 folgen. Im Schnitt zahlten Privatkunden für Strom derzeit 6,7 Prozent mehr als im vergangenen Frühjahr. Dabei hätten der aktuelle Preisanstieg an der Strombörse und das Moratorium der Bundesregierung nach dem Atomunfall in Japan noch keine Auswirkungen.

EnBW will verstärkt dezentraler Versorger werden =

Karlsruhe (dpa) – Um seinen Anteil an Erneuerbaren Energien bis 2020 wie geplant zu verdoppeln, müsste der Energieversorger EnBW rund acht Milliarden Euro aufbringen. Geld für Investitionen soll zum Teil aus dem Verkauf von Minderheitsbeteiligungen für etwa 1,8 Milliarden Euro und zusätzlichen Sparprogrammen kommen, wie EnBW-Chef Hans-Peter Villis am Dienstag auf der Hauptversammlung sagte. Außerdem wolle das Unternehmen künftig verstärkt auf «dezentrale Erzeugung» setzen und erneuerbare Energieanlagen vor Ort aufbauen und betreiben. Kommunen und Stadtwerken sollten neue Partnermodelle angeboten werden.

Griechenland leiht sich Geld zu schlechterem Kurs =

Athen (dpa) – Das hoch verschuldete Griechenland hat sich am Dienstag zu einem schlechteren Kurs als bislang frisches Geld geliehen. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit drei Monaten Laufzeit sammelte Athen statt der geplanten 1,25 Milliarden Euro insgesamt 1,625 Milliarden ein, wie das staatliche Fernsehen (NET) unter Berufung auf das Finanzministerium berichtete. Der Kurs war demnach allerdings mit 4,1 Prozent schlechter als das letzte Mal. Mitte Februar hatte sich das Land für eine dreimonatige Laufzeit Geld zu 3,85 Prozent geliehen. Der Platzierung waren hartnäckige Gerüchte vorausgegangen, Griechenland werde in den kommenden Monaten gezwungen sein, seine Schulden umzustrukturieren.

Nasdaq beschafft sich Bares für NYSE-Übernahme =

New York (dpa) – Die rivalisierende US-Technologiebörse Nasdaq hat sich das nötige Geld besorgt, um der Deutschen Börse ihren Wunschpartner NYSE Euronext vor der Nase wegzuschnappen. Die Nasdaq überreichte der New York Stock Exchange am Dienstag ihr offizielles Übernahmeangebot und forderte den Verwaltungsrats-Chef Jan-Michiel Hessels in einem Brief auf, sich die Offerte noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die Nasdaq hat sich mit der Rohstoffbörse IntercontinentalExchange (ICE) verbündet. Zusammen haben sich die beiden nach eigenen Angaben Kredite von 3,8 Milliarden Dollar gesichert, um den Kauf stemmen zu können.

China-Geschäft lässt deutsche Autokonzerne strahlen =

Shanghai (dpa) – Trotz eines langsameren Wachstums in China rechnen die deutschen Autokonzerne in diesem Jahr mit zweistelligen Zuwächsen auf dem größten Automarkt der Welt. Besonders Hersteller von Luxusfahrzeugen wie Mercedes, BMW und Audi erwarten gute Geschäfte. Das Oberklasse-Segment wachse deutlich schneller als der Gesamtmarkt, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche vor der Automesse in Shanghai. BMW erwartet ein «starkes zweistelliges Wachstum». In einer Weltpremiere präsentierte Audi seinen kleinen Q3-Geländewagen. Die internationalen Autokonzerne stellen in der ostchinesischen Hafenmetropole mehr als 1000 Autos vor, darunter fast zwei Dutzend Weltneuheiten. Auch Elektromobilität ist ein großes Thema.

Apple: Samsung kopiert iPhone und iPad =

New York/Berlin (dpa) – Apple wirft dem südkoreanischen Konkurrenten Samsung Produktpiraterie vor. Samsung kopiere bei seinen Handys und Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android Technik und das Design von iPhone und iPad, behauptet Apple in einer Klage. Das eigentlich Ziel dürfte wie schon bei Apples Patentklagen gegen die Hersteller HTC und Motorola der große Rivale Google sein, der hinter Android steht. Das Google-Betriebssystem ist dabei, die Führung im Handy-Markt zu übernehmen. In der in Kalifornien eingereichten Klage fordert der US-Konzern laut übereinstimmenden Medienberichten einen Stopp des Ideenklaus sowie Schadenersatz. Samsung kündigte an, sich gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen. Pikant macht die Geschichte, dass Samsung auch als ein großer Apple-Zulieferer mit Milliarden-Verträgen bekannt ist.

Friede Springer muss im Kirch-Prozess aussagen =

München (dpa) – Im Prozess um Schadenersatzforderungen des Ex-Medienunternehmers Leo Kirch gegen die Deutsche Bank muss die Verlegerin Friede Springer als Zeugin aussagen. Einen entsprechenden Beweisbeschluss habe das Oberlandesgericht München gefasst, sagte ein Sprecher und bestätige damit einen Bericht der «Zeit». Die Großaktionärin des Springer-Verlags hatte nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe 2002 von der Deutschen Bank Aktien an Springer übernommen, die zuvor Kirch gehört hatten. Zu einem Termin für die Zeugenvernehmung äußerte sich das Gericht zunächst nicht. Kirch wirft der Bank und Breuer vor, die Pleite seines Konzerns verschuldet zu haben. Breuer hatte wenige Monate vor der Pleite der Kirch-Gruppe 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit von Kirch angezweifelt.

Ex-HSH-Chef Nonnenmacher: Ich war zu naiv =

Hamburg (dpa) – Ex-HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher hat Fehler in seiner Amtszeit eingeräumt. «Ich hatte damals keine Erfahrungen im Umgang mit Politikern und Medien», sagte Nonnenmacher der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Dienstag). «Ich dachte, dass man sich auch in dieser Welt auf der Basis von Fakten unterhält.» Heute wisse er: Wer in die Mühlsteine der Politik gerate, habe kaum eine Chance, sich daraus zu befreien. «Was politische Prozesse angeht, war ich einfach zu naiv.» Nonnenmacher hatte die Bank Ende März verlassen müssen, weil er nach verschiedenen Skandalen das Vertrauen der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein verlor.

Dax erholt sich von Vortagsrutsch – Gute US-Immobiliendaten stützen =

Frankfurt/Main (dpa) – Der Dax hat sich am Dienstag etwas von seinen deutlichen Kursverlusten zum Wochenstart erholt. Positiv aufgenommene Daten vom US-Immobilienmarkt trieben den deutschen Leitindex zusätzlich an. Am Nachmittag stieg er um 0,50 Prozent auf 7062 Punkte. Am Montag war das wichtigste deutsche Börsenbarometer wegen Sorgen um die europäische Schuldenkrise und die US-Wirtschaft noch um mehr als zwei Prozent abgerutscht. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es am Dienstag um 0,72 Prozent auf 10 238 Punkte nach oben. Der TecDax gewann 0,20 Prozent auf 900 Punkte. Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 3,07 (Montag: 3,11) Prozent. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4302 (Montag: 1,4275) Dollar fest.