Archivierter Artikel vom 03.11.2010, 16:10 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Schlaffe US-Konjunktur: Notenbank öffnet wohl wieder Geldschleusen

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Washington (dpa) – Konjunkturschub per Notenpresse: Angesichts des kraftlosen US-Aufschwungs haben Märkte und Analysten am Mittwoch eine neue Runde geldpolitischer Lockerung von der US-Notenbank erwartet. Es wurde damit gerechnet, dass die Federal Reserve (Fed) zunächst für etwa 500 Milliarden Dollar über sechs Monate verteilt Staatsanleihen kauft. Ziel des Manövers ist, Kreditzinsen zu senken, um auf diese Weise die Nachfrage von Bürgern und Unternehmen anzukurbeln. Nach einer zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed wurde gegen 19.15 Uhr MEZ eine Mitteilung der Zentralbank erwartet. Der neuerliche Einsatz der sogenannten Quantitativen Lockerung war in den vergangenen Wochen angesichts enttäuschender Konjunkturdaten immer wahrscheinlicher geworden.

Halbzeit-Bilanz im Dax: Unternehmen verdoppeln Gewinne

Berlin (dpa) – Deutschlands große börsennotierte Konzerne haben die Wirtschaftskrise hinter sich gelassen und steuern im dritten Quartal wieder klar auf Erfolgskurs. Ihre Gewinne könnten sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unterm Strich sogar verdoppelt haben. Dies lässt sich zur «Halbzeit» der Berichtssaison aus den Zahlen von 14 der 30 im Leitindex Dax notierten Unternehmen ablesen. Deren Umsätze legten nach dpa-Berechnungen im Schnitt um 21 Prozent zu, bei der Zahl der weltweit Beschäftigten verzeichneten die Unternehmen hingegen nur ein kleines Plus von drei Prozent. Die Ergebnisse nach Steuern der 14 Konzerne explodierten um 103 Prozent.

OECD warnt vor anhaltend hohen Arbeitslosenzahlen

Paris (dpa) – Hohe Schuldenberge der Regierungen und hohe Arbeitslosenzahlen prägen weiter die Wirtschaft der Industriestaaten, die langsamer als erhofft aus der tiefsten Krise der Nachkriegsgeschichte kommen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris sagt etwa den USA fürs nächste Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,75 und und 2,25 Prozent voraus. Für den gesamten OECD-Raum rechnen die Konjunkturforscher mit einem Wert zwischen 2,0 und 2,5 Prozent. Die Schätzung für die Eurozone liege bei 1,5 bis 2,0 Prozent Wachstum, teilte die OECD am Mittwoch mit.

Wachstum der Chemieindustrie schwächt sich ab

Frankfurt/Main (dpa) – Nach einem starken ersten Halbjahr hat sich das Wachstum der deutschen Chemieindustrie deutlich abgeschwächt. Im dritten Quartal 2010 stiegen Umsatz und Produktion nur noch um jeweils 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie der Verband der Chemischen Industrie am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lag die Produktion aber 10,0 Prozent im Plus, der Umsatz sogar 17,0 Prozent. «Die Chemie hat einen rasanten Aufholprozess hinter sich», sagte Verbandspräsident Klaus Engel. «Das Vorkrisenniveau liegt in greifbarer Nähe.» Die weitere Erholung werde aber nur noch in kleinen Schritten erfolgen. Ein weiterer Zuwachs für Deutschland sei keine Selbstverständlichkeit.

Gute Zeiten für BMW – Rekordquartal

München (dpa) – BMW hat die Krise der vergangenen beiden Jahre endgültig abgehakt und steuert wieder auf einen Milliardengewinn zu. Der Münchner Autobauer profitierte vor allem von guten Geschäften in den USA und in Asien, allen voran in China. Der Konzern verdiente in den ersten neun Monaten unter dem Strich rund 2 Milliarden Euro, nachdem im krisenbedingt schwachen Vorjahreszeitraum nur gut 47 Millionen Euro in den Büchern standen. Der Umsatz wuchs um mehr als 20 Prozent auf 43,73 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Allein im abgelaufenen dritten Jahresabschnitt verbuchte der Konzern das beste Quartalsergebnis vor Steuern in der BMW- Geschichte.

Continental schraubt Erwartungen weiter hoch

Hannover (dpa) – Der Autozulieferer Continental will im Zuge der weltweit anziehenden Autokonjunktur Erlöse und Profit stärker steigern als bisher erwartet. Nach drei Quartalen verbuchte Conti einen Umsatz von 19,1 Milliarden Euro, unter dem Strich standen 363 Millionen Euro Gewinn – im Vorjahr waren es noch 1,5 Milliarden Euro Verlust. «Continental kehrt damit schrittweise zu früherer Stärke zurück», sagte Conti-Chef Elmar Degenhart am Mittwoch in Hannover. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit dem Rückenwind der Konjunkturerholung und des starken Wachstums in Asien nun mit einer Umsatzsteigerung um ein Viertel auf mehr als 25 Milliarden Euro. Bisher war Conti von 15 Prozent Erlösplus ausgegangen.

ProSiebenSat.1 im dritten Quartal mit Gewinn

München (dpa) – ProSiebenSat.1 profitiert kräftig von der wieder anziehenden Konjunktur und hat im dritten Quartal vor allem dank der besseren Werbegeschäfte deutliche Zuwächse verbucht. «Die Unternehmen investieren derzeit dramatisch mehr in Fernsehwerbung», sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch in München. Besonders die großen Konsumgüterhersteller wollten den Aufschwung und die vorhandene Binnennachfrage nutzen. Nach wie vor sei Fernsehen als Werbeträger unerreicht, selbst online funktioniere Werbung als Videoclip. Bereits in den beiden Vorquartalen hatte die Sendergruppe zugelegt und wie die Konkurrenz von RTL die Werbekrise des vergangenen Jahres schneller als erwartet hinter sich gelassen.

Dax kaum verändert

Frankfurt/Main (dpa) – Hoffnungen auf eine weitere geldpolitische Lockerung der US-Notenbank Fed sowie die laufende Berichtssaison haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch gestützt. Der Dax zeigte sich stabil, auch wenn laut Börsianern die Vorsicht zunehmend spürbar wurde. Bis zum Nachmittag gewann der Dax moderate 0,03 Prozent auf 6656 Punkte hinzu. Zeitweise war der Leitindex bis auf 6682 Punkte vorgerückt und hatte damit so hoch wie zuletzt im Juni 2008 gestanden. Der MDax zog um 0,26 Prozent auf 9422 Punkte an und der TecDax rückte um 0,08 Prozent auf 823 Punkte vor. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4014 (1,4018) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7136 (0,7134) Euro.