Archivierter Artikel vom 04.05.2015, 16:10 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Lokführer beginnen längsten Streik – Schlichtung nicht in Sicht

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Berlin/Frankfurt (dpa) – Die Deutsche Bahn bereitet sich auf den längsten Streik ihrer Unternehmensgeschichte vor. Die Lokführer wollten ab Montagnachmittag um 15.00 Uhr im Güterverkehr die Arbeit niederlegen. Die Personenzüge sollen ab Dienstag um 2.00 Uhr fünf Tage lang bis Sonntagmorgen deutschlandweit bestreikt werden. Die Bahn will Ersatzfahrpläne aufstellen. Reisende müssen sich dennoch auf Tage voller Zugausfälle und ungewisser Verbindungen einstellen. Eine Schlichtung des Tarifkonflikts ist weiter nicht in Sicht. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, machte die Bahn für den achten Ausstand in der laufenden Auseinandersetzung verantwortlich: «Die Eskalation verursacht die Deutsche Bahn AG», sagte er am Montag in Berlin. Der Arbeitgeber verhandele seit zehn Monaten, ohne ein Ergebnis zu wollen. «Einen Schritt vor, zwei zurück», sei die Strategie der Bahn.

Wirtschaft: Bahnstreik-Schäden bis zu einer halben Milliarde Euro

Berlin (dpa) – Deutschlands Konzerne fürchten durch den einwöchigen Bahnstreik einen Schaden von bis zu einer halben Milliarde Euro. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer forderte die Lokführergewerkschaft GDL am Montag auf, noch die Notbremse zu ziehen und den Streik abzusagen: «Der gesamten deutschen Wirtschaft drohen Schäden von täglich 100 Millionen Euro. Das Vorgehen der GDL ist verantwortungslos und vollkommen unverhältnismäßig.» Auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, kritisierte: «Der Bahnstreik kostet die Wirtschaft nicht nur Nerven, sondern richtig Geld.» Bei sechs Tagen Streik komme die Lieferkette ins Stocken. «Alles in allem drohen Streikkosten von einer halben Milliarde Euro», warnte Schweitzer.

Vorstände und Aufsichtsräte von Volkswagen sammeln sich in Hannover

Wolfsburg/Hannover (dpa) – Führende Aufsichtsräte und Vorstände des Autobauers Volkswagen sind am Montagmittag in Hannover zu Gesprächen zusammengekommen. Am späten Nachmittag steht die Aufsichtsratssitzung an, die die mit Hochspannung erwartete Hauptversammlung am Dienstag vorbereiten soll. Die Manager und Kontrolleure kamen in Hannovers Innenstadt in einem Fünf-Sterne-Hotel zwischen Oper und Hauptbahnhof zusammen. Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur sahen unter anderen Aufsichtsrat Wolfgang Porsche, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und den neuen Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler. Die 20 Kontrolleure wollen das Aktionärstreffen vorbesprechen, das am Dienstag um 10.00 Uhr startet. Die Sitzung direkt am Tag vor der Hauptversammlung ist obligatorisch und war bereits seit langem geplant. Fehlen werden dabei diesmal der frühere Konzernpatriarch Piëch (78) und seine Ehefrau und Ex-Aufsichtsrätin Ursula (58). Die beiden waren Ende April auf dem Höhepunkt der tagelangen Führungskrise bei Europas größtem Autobauer zurückgetreten.

Vorsichtiger Optimismus zu Griechenland-Poker in Brüssel

Brüssel (dpa) – Nach tagelangen Verhandlungen der Geldgeber mit Griechenland zeigt sich die EU-Kommission vorsichtig optimistisch. Die am Montag fortgesetzten Gespräche verliefen konstruktiv, sagte der Chefsprecher der Behörde. «Es muss (aber) noch mehr Arbeit erledigt werden», schränkte er ein. Zu Details nahm er keine Stellung. Die Gespräche waren über das ganze Wochenende gelaufen. Es geht um ein Reformpaket Griechenlands; ohne eine Abmachung dazu können blockierte Hilfen der Geldgeber von 7,2 Milliarden Euro nicht fließen. Die Zeit wird knapp, denn die Kassen in Athen sind leer. Auch Griechenland ist optimistisch, dass es bald zu einer Einigung mit den Geldgebern kommen könnte. Wie es am Montag aus Kreisen der Athener Regierung mit Bezug auf die Geldgeber-Expertengespräche in Brüssel hieß, «wollen alle Seiten eine Einigung noch im Mai».

Deutsche Arbeitskosten bleiben im europäischen Rahmen

Wiesbaden (dpa) – Die Arbeitskosten in der deutschen Privatwirtschaft sind im vergangenen Jahr etwas stärker gestiegen als im EU-Schnitt. Die Summe aus Bruttoverdienst und Lohnnebenkosten für die Arbeitsstunde legte um 1,6 Prozent auf 31,80 Euro zu, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete. Im EU-Schnitt gab es 2014 im Vergleich zum Jahr zuvor ein Plus von 1,4 Prozent auf 24,40 Euro, im Raum der Gemeinschaftswährung Euro betrug die Steigerung nur 1,2 Prozent. Die deutschen Lohnkosten lagen damit erneut rund 30 Prozent über dem EU-Schnitt, noch teurer war Arbeit nur in sieben anderen Staaten. Besonders hohe Löhne werden in der deutschen Industrie gezahlt. Allein für diesen Ausschnitt betrachtet liegt Deutschland mit Stundenkosten von 37,00 Euro europaweit auf Rang vier hinter Belgien (43,20 Euro), Dänemark und Schweden. Dennoch ist die deutsche Industrie wegen ihrer sehr hohen Produktivität international konkurrenzfähig.

Dax legt wieder deutlich zu

Frankfurt/Main (dpa) – Der Dax hat die schwache Vorwoche mit einem kräftigen Anstieg pariert. Kaufargumente erhielten die Anleger vom wieder schwächelnden Euro, etwas besseren Wirtschaftsdaten und guten Vorlagen von den Überseebörsen. Der deutsche Leitindex gewann bis Montagnachmittag 1,39 Prozent auf 11 613,50 Punkte. Für den Index der mittelgroßen Werte MDax ging es zu Wochenbeginn um 0,85 Prozent auf 20 489,449 Punkte nach oben und der TecDax kletterte um 1,45 Prozent auf 1629,16 Punkte. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone stieg nach anfänglichen Verlusten um 1 Prozent. Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,28 auf 0,33 Prozent. Der Euro fiel zurück: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1152 (Donnerstag: 1,1215) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8967 (0,8917) Euro.