Archivierter Artikel vom 22.06.2010, 16:40 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Experten sehen Konjunktur-Lok wieder unter Volldampf

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München/Nürnberg/Essen (dpa) – Rund zwei Jahre nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise sehen Konjunkturforscher die deutsche Wirtschaft wieder unter Volldampf. Die Konjunkturerholung gewinne an Fahrt und mache bisherige Wachstumsprognosen hinfällig, erklärten das Münchner ifo Institut und das Essener Institut RWI. Beide Institute korrigierten am Mittwoch ihre Wachstumsprognosen nach oben. Auch auf dem Arbeitsmarkt setzt sich nach Experteneinschätzung die Entspannung fort. Zuversicht herrscht auch bei Verbrauchern, obwohl sie mit sinkenden Einkommen rechnen, wie die jüngste GfK-Konsumklimastudie ergab. Nach zunächst vorsichtigeren Prognosen rechnet das ifo Institut inzwischen für 2010 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent.

Kehrtwende: Bundesarbeitsrichter kippen Tarifeinheit

Erfurt (dpa) – Das Bundesarbeitsgericht hat die Tarifeinheit gekippt und lässt damit mehr Konkurrenz unter großen und kleinen Gewerkschaften zu. Mit der Entscheidung der Richter vom Mittwoch (10 AS 2/10 und 10 AS 3/10) wird der jahrzehntelange Grundsatz «Ein Betrieb – ein Tarifvertrag» aufgegeben. Damit sind künftig in einem Unternehmen mehrere Tarifverträge wie bei der Lufthansa oder in vielen Krankenhäusern nicht mehr die Ausnahme, sondern möglicherweise die Regel. «Das Bundesarbeitsgericht (BAG) macht den Weg frei für eine grundsätzliche Neuausrichtung des deutschen Tarifrechts», sagte BAG-Sprecher Christoph Schmitz-Scholemann. Arbeitgeberverbände sehen den «Betriebsfrieden» in Gefahr.

Geständnis im Prozess um MAN-Schmiergeldskandal

München (dpa) – Im ersten Prozess um den Schmiergeldskandal bei dem Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN hat ein ehemaliger Top- Manager ein Geständnis abgelegt. Er habe 2004 die Zahlung von rund neun Millionen Euro veranlasst, um an einen Großauftrag in Kasachstan zu kommen, sagte der 66-Jährige Heinz Jürgen M., der bis 2007 an der Spitze der damaligen Sparte MAN Turbo stand, am Mittwoch am Landgericht München. Die Summe habe der Kunde als «Markteintrittsgebühr» verlangt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Manager Bestechung ausländischer Amtsträger vor. Die Schmiergeldaffäre bei dem Münchner DAX-Konzern hatte fast die gesamte Führungsspitze die Posten gekostet – darunter auch Ex-Vorstandschef Håkan Samuelsson.

RWI hebt Konjunkturprognose deutlich an

Essen (dpa) – Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI hat seine Wachstumsprognose für Deutschland für 2010 und 2011 erhöht. Das RWI geht für das laufende Jahr von einem Plus von 1,9 Prozent aus. Im März hatte das Institut seine Prognose noch von 1,6 auf 1,4 Prozent gesenkt. Die Exporte seien voraussichtlich die Triebfeder, teilte das RWI am Mittwoch mit. Das Sparprogramm der Bundesregierung gefährde diese Erholung nicht und sollte wie geplant umgesetzt werden, sagte RWI-Konjunkturforscher Roland Döhrn. Für 2011 gehen die Ökonomen jetzt von 1,7 Prozent aus. Bisher waren es 1,6 Prozent. Die Lage am Arbeitsmarkt soll sich weiter verbessern und die Arbeitslosenquote von 7,8 auf 7,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2011 zurückgehen.

Milliarden für Kosmetik: BASF kauft Cognis

Ludwigshafen (dpa) – Der weltgrößte Chemiekonzern BASF setzt einen Milliardenbetrag auf das Thema Schönheit: Mit der 3,1 Milliarden Euro teuren Übernahme des Spezialchemiekonzerns Cognis steigt BASF nach Unternehmensangaben vom Mittwoch zur Nummer eins im Geschäft mit Kosmetik-Inhaltsstoffen auf. Der reine Kaufpreis beträgt dabei 700 Millionen Euro, der Rest falle vor allem für Schulden und Pensionsverpflichtungen an. Die Cognis-Eigentümer haben den Angaben zufolge bereits zugestimmt, die Genehmigung der Kartellbehörden steht aber noch aus. Mit dem Abschluss des Geschäfts wird bis spätestens November gerechnet.

Kalte Dusche für Badezimmer-Kartell – EU-Strafen

Brüssel (dpa) – Jahrelange haben deutsche Verbraucher zu viel Geld für Badewannen, Duschkabinen und Wasserhähne bezahlt. Jetzt müssen die Sanitär-Ausstatter dafür büßen: Wegen verbotener Preisabsprachen verhängte die EU-Kommission gegen 17 Firmen Geldstrafen von insgesamt 622 Millionen Euro. Dem Kartell gehörten sechs deutsche Badezimmer- Ausstatter an, darunter auch Villeroy & Boch. «Dieses Kartell hat den Bau- und Handwerksfirmen ebenso wie vielen Verbrauchern geschadet», sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Mittwoch. Er empfahl Geschädigten, die Firmen zu verklagen. Zwölf Jahre lang hielten die Sanitärunternehmen in Deutschland und fünf weiteren EU-Ländern die Preise künstlich hoch.

Dax wenig verändert

Frankfurt/Main (dpa) – Der Dax hat am Mittwoch seine Verluste nach und nach eingedämmt. Kurzzeitig gelang dem Leitindex der Sprung in die Gewinnzone. Zuletzt fiel er aber wieder um 0,16 Prozent auf 6259 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Werte war schon vorher ins Plus gedreht und hielt sich dort mit einem Aufschlag von 0,34 Prozent bei 8489 Punkten. Der TecDax notierte mit minus 0,02 Prozent bei 780 Punkten nahezu unverändert. Er drehte zeitweise ebenfalls ins Plus. Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,23 (Vortag: 2,25). Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2271 (Dienstag: 1,2258) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8149 (0,8158) Euro.