Archivierter Artikel vom 03.12.2011, 15:05 Uhr

DOSB: Vorerst keine Bewerbung um Olympia 2022

Berlin (dpa). Das bayerische Wintermärchen ist vorerst vom Tisch: Nach kontroverser Diskussion beschloss die 7. DOSB- Mitgliederversammlung in Berlin mit überwältigender Mehrheit, von der Münchner Kandidatur um die Olympischen Winterspiele 2022 «zum jetzigen Zeitpunkt» abzusehen.

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Präsidenten
In Begleitung von Bundespräsident Wulff begibt sich DOSB-Präsident Bach zur Mitgliederversammlung.
Foto: Britta Pedersen – DPA

Nach einigem Murren stimmten auch die Wintersportverbände der Formulierung zu. «Wir wollen Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Wir stehen für eine erneut Bewerbung bereit, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und begründete Aussicht auf Erfolg bestehen», hieß es am Ende.

Der Zeitpunkt für eine weitere Kandidatur müsse «klug» bedacht werden, sagte Bundespräsident Christian Wulff, der die DOSB-Ehrenmedaille für seine großen Verdienste um die Förderung und Entwicklung des deutschen Sports erhielt. «Es stünde uns gut an, wenn wir alsbald wieder Ausrichter Olympischer Spiele werden», erklärte das Staatsoberhaupt und versicherte den Delegierten, der Sport könne sich auf den Bundespräsidenten verlassen.

Auch Innenminister Hans-Peter Friedrich sagte dem DOSB beim emotionalen Thema Olympia-Bewerbung seine volle Unterstützung zu: «Wir werden vertrauensvoll an ihrer Seite stehen.» Bei soviel Unterstützung der Politik sprach DOSB-Präsident Thomas Bach trotz zahlreicher Diskussionen mit einzelnen Fachverbänden im Vorfeld der Versammlung von einer «harmonischen Veranstaltung». Die Intension, vorerst keine Bewerbung für 2022 anzugehen, sei mit allen relevanten Vertretern abgesprochen gewesen.

Andreas Trautvetter, Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), hatte überraschend einen Änderungsantrag gestellt. Wie andere Vertreter von Wintersportverbänden hielt er eine derzeitige Positionierung zu diesem Thema generell für überflüssig. «Das hätte es nicht gebraucht», sagte er. Trautvetter wollte zumindest die Aussage streichen lassen, dass der deutsche Sport zum jetzigen Zeitpunkt von einer Bewerbung absehen wolle. Sein Antrag wurde abgelehnt.

Für Bach ist erst durch diesen Beschluss die «gebotene Nüchternheit» gegeben, das ambitionierte Ziel, erstmals seit 1972 wieder Olympia-Gastgeber werden zu wollen, in aller Ruhe anzugehen. Vor allem die Faktoren der internationalen Chancen, politischen Einigkeit, Unterstützung der Bevölkerung und der Finanzierung müssen detailliert geprüft werden.

Meldeschluss für 2022 ist beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im September 2013. Schon dann müssten finanzielle staatliche Garantien gegeben werden, was angesichts der fast zeitgleich stattfindenden Bundestagswahl und bayerischen Landtagswahl ein großes – aber kein unlösbares – Hindernis darstellen könnte.

«Unsere Partner haben uns um ein klares Zeichen gebeten. Sie brauchen einen Zeitrahmen, auf den sie sich einstellen können», sagte Bach, «diese Sicherheit haben sie jetzt. Sie wollten nicht das Thema Olympia über allen Diskussionen schweben haben.»

Der fast schon traditionelle Vorstoß von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit, Sommerspiele in die Hauptstadt holen zu wollen, sorgte zwischendurch sogar für Erheiterung: «Natürlich träumt man von Olympia. Berlin ist bereit. Berlin wäre ein geeigneter Ort für Sommerspiele», tönte Wowereit und ergänzte unter dem Gelächter der Anwesenden: «Wir können auch Winterspiele.»

ZDF-Intendant Markus Schächter ist mit dem Preis Pro Ehrenamt 2011 des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ausgezeichnet worden. Das Zweite Deutsche Fernsehen habe dem ehrenamtlich geprägten Vereinssports in Deutschland eine verlässliche Plattform gegeben, sagte DOSB-Vize Walter Schneeloch in seiner Laudatio auf der 7. DOSB-Mitgliederversammlung.

Schächter bezeichnete es als Verantwortung und Verpflichtung, « Breiten- und Spitzensport bestmöglich zu verbinden». Unmittelbar nach der Versammlung machte er sich auf den Weg nach Friedrichshafen, wo am Abend Thomas Gottschalk zum letzten Mal «Wetten, dass..?» moderierte.