Archivierter Artikel vom 15.09.2010, 13:44 Uhr

Dopingopfer-Hilfeverein erwägt Klage gegen Köhler

Berlin (dpa). Nach dem aufsehenerregenden Buch von Thomas Köhler über Dopingpraktiken in der DDR erwägt der Dopingopfer-Hilfeverein (DOH) juristische Schritte gegen den ehemaligen Spitzenfunktionär.

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Doping
Ein Ex-Funktionär hat Staatsdoping in der DDR eingeräumt.

«Ich behalte es mir vor, ihn wegen Verleumdung und Opferverhöhnung anzuzeigen», sagte DOH-Sprecher Uwe Trömer der Nachrichtenagentur dpa. Köhler, ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB), hatte in seinem Buch «Zwei Seiten der Medaille» als erster Funktionär Staatsdoping im DDR-Sport zugegeben und selbst Doping von 16-Jährigen eingestanden. Von Kinderdoping will er nichts gewusst haben, schrieb er in seinem Buch.

Bei einer Lesung am 10. September in Berlin habe er Köhler auf die zahlreichen Lügen im Buch hingewiesen, meinte Trömer. «Ich habe zu ihm öffentlich gesagt, natürlich gab es Kinderdoping, und das wissen sie auch, und ich werde es auch beweisen», erklärte Trömer. Als er sich mit kopierten Stasi-Akten dem Rednerpult näherte, sei er vom Versammlungsleiter und anderen aufgehalten worden. Daraufhin wurde die Lesung abgebrochen und die Veranstaltung in einem kleineren Kreis fortgesetzt, bestätigte Hasso Hattrich, der Präsident des Vereins Sport und Gesellschaft, der die Lesung im Sportlerheim der SV Bau- Union organisiert hatte.

«Köhler stand als Nummer zwei hinter Manfred Ewald eindeutig in der ersten Führungskette und ist damit einer der Haupttäter, die das geplante Doping ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen haben. Er weiß ganz genau, dass es Kinderdoping gegeben hat», meinte der gedopte Ex-Vize-Weltmeister im Bahn-Vierer, Trömer, «man müsste ihm das Buch links und rechts um die Ohren hauen. Es ist eine Frechheit, so dreist zu lügen.»