Archivierter Artikel vom 05.05.2020, 05:10 Uhr

Von Afrika bis Antarktis

Diese sechs Dokus nehmen Sie mit auf die Reise

Reisefilme sind heute oft keine aufwendigen Produktionen mit betulichem Off-Sprecher mehr – sondern persönliche Nah-Dran-Berichte von unterwegs. Sechs Doku-Tipps für die Zeit bis zur nächsten Reise.

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«Anderswo. Allein in Afrika»
Anselm Pahnke in Tansania: Szene aus «Anderswo. Allein in Afrika».
Foto: Anselm Pahnke/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn). Die Menschen haben gerade viel Zeit für digitale Medien. Und viele zugleich große Sehnsucht nach Urlaub und Reisen. Was liegt da näher, als vom Wohnzimmer die Welt zu entdecken? Diese sechs Dokumentationen lindern das Fernweh – oder wecken es:

«Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum»
Der Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen: Protagonistin Lena in der Dokumentation «Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum».
Foto: reissausderfilm.de/dpa-tmn

„Anderswo. Allein in Afrika“

«Zwei Familien auf Weltreise»
Sandy und Benni mit Kind in Vietnam: Sie sind Protagonisten der Dokumentation «Zwei Familien auf Weltreise».
Foto: Life with Sandy & Benni/dpa-tmn

Er hat den Kontinent von Süd nach Nord durchquert und dabei die gesamte Reise mit der Kamera festgehalten: 414 Tage war Anselm Nathanael Pahnke mit dem Fahrrad in Afrika unterwegs. Mehr als 15.000 Kilometer Strecke hat er zurückgelegt. Die Reise beginnt mit zwei Weggefährten, die ihn kurzfristig verlassen. Danach ist er auf sich gestellt – und fortan ganz allein unterwegs.

Paul und Hansen Hoepner
Mit dem Fahrrad durch die Einsamkeit Zentralasiens: Paul und Hansen Hoepner sind bis nach China geradelt – und haben unterwegs eine Dokumentation gedreht.
Foto: Paul Hoepner & Hansen Hoepner/
www.hoepn – dpa

Der Abenteurer hat die Reiseroute nicht geplant, nutzt keine Reiseführer, kein Google. Er kauft keinen einzigen Liter Wasser, sondern hangelt sich von Brunnen zu Brunnen. So wird aus dieser Reise ein regelrechter Krimi ohne Drehbuch. Pahnke lernt neue Menschen kennen, die ihn mit offenen Armen empfangen, er sieht wilde Tiere und übernachtet unter dem Sternenhimmel.

Paul und Hansen Hoepner
Paul und Hansen Hoepner auf ihrem Weg nach China – die beiden Brüder sind mit Fahrrad von Berlin nach Shanghai gefahren.
Foto: Paul Hoepner & Hansen Hoepner/
www.hoepner-hoepner.de/dpa-tmn

Am Ende der Reise kommt der Protagonist sogar in Haft und läuft Gefahr, sein gesamtes Videomaterial zu verlieren. Nur durch einen besonders cleveren Schachzug schafft er es, die Videoaufnahmen zu verstecken. Die Doku ist auf Netflix Deutschland, Österreich, Schweiz verfügbar oder bei Amazon zum Kaufen oder Leihen.

«Leaving The Frame»
Elefantenbeobachtung in Afrika: Die Doku «Leaving The Frame» führt den Zuschauer an viele Sehnsuchtsorte.
Foto: Manuel Vering/dpa-tmn

„Projekt: Antarktis“

«Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum»
Zuhause auf Rädern: In «Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum» reisen die Charaktere unter anderem durch Westafrika.
Foto: reissausderfilm.de/dpa-tmn

Die Reise der drei Filmemacher Dennis, Tim und Michael führt über 14.000 Kilometer mit Flugzeug und Schiff in die Antarktis. Doch gleich zu Beginn droht die Reise zu scheitern. Der argentinische Zoll droht in Buenos Aires, das gesamte Film-Equipment zu beschlagnahmen – das wäre eine Katastrophe.

Mit dem Rad einmal durch Afrika
Heiß ist der Aspalt in der Sahara im Sudan: Anselm Nathanael Pahnke fuhr mit dem Rad einmal durch Afrika und drehte darüber eine Dokumentation.
Foto: Anselm Pahnke/dpa-tmn

Nach nervenaufreibenden Tagen geht schlussendlich alles gut, die drei erreichen ihr Forschungsschiff und starten ihre einmalige Reise ins Eis zu Kaiserpinguin-Kolonien und gigantischen Walen. Am Ende der Reise entsteht eine Dokumentation, die weniger die Antarktis selbst beschreibt, sondern die Strapazen der jungen Filmemacher auf diesem Trip. Der Film „Projekt: Antarktis“ kann bei Amazon Prime, iTunes und YouTubePay gekauft werden.

«Projekt: Antarktis»
Filmen in rauen Gewässern: Die Doku «Projekt: Antarktis».
Foto: PROJEKT ANTARKTIS/dpa-tmn

„Berlin 2 Shanghai“

«Projekt: Antarktis»
Auf den kalten Kontinent: Von einer waghalsigen Reise erzählt die Dokumentation «Projekt: Antarktis».
Foto: PROJEKT ANTARKTIS/dpa-tmn

Viele Reisen junger Abenteurer handeln von der Suche nach sich selbst. Die über 13.000 Kilometer weite Radreise der Zwillinge Paul und Hansen Hoepner von Deutschland nach China handelt von Brüdern, die nach Jahren des Studiums in verschiedenen Städten wieder zueinander finden.

Doku «Leaving The Frame»
Reiseanfang in Mexiko: Auch die Doku «Leaving The Frame» handelt vom ganz großen Reiseabenteuer.
Foto: Manuel Vering/dpa-tmn

Mit Zelt, Tütennahrung und solider Outdoor-Kleidung ausgestattet, geht es immer weiter in Richtung Osten. Ständig warten Herausforderungen: Die Brüder werden krank, streiten und vertragen sich wieder, müssen für eine kleine Unachtsamkeit stundenlang auf einer Polizeiwache sitzen und fürchten die Einreise in diverse Länder wegen fehlender Visa. Alles wird unverfälscht mitgefilmt, sodass die Dokumentation trotz ihrer schlechten Videoqualität – es wurde nur mit Actionkameras gefilmt – einen richtigen Sog entwickelt. Zu sehen ist die Doku in voller Länge auf Youtube.

«Zwei Familien auf Weltreise»
Die Kinder am Strand in Thailand – Szene aus «Zwei Familien auf Weltreise».
Foto: Sechs Paar Schuhe/dpa-tmn

„Zwei Familien auf Weltreise“

Die meisten Protagonisten von Reisedokus vereint, dass sie kinderlos sind, ohne Verpflichtungen und sich Hals über Kopf in das nächste Abenteuer werfen. Dass eine Weltreise auch als Familie möglich ist, wenn man vielleicht schon etwas sesshaft geworden ist, beweist diese Dokumentation. Sie zeigt die Reise von zwei Familien, die unabhängig voneinander den Entschluss fassen, auf Weltreise zu gehen. Jobs werden gekündigt, Häuser verkauft und die Kinder aus dem Kindergarten und der Schule genommen.

Im Fall von Thor und Maria steht während der Reise auch der elterliche Unterricht auf dem Programm, da die beiden älteren Töchter bereits schulpflichtig sind. Nicht viel einfacher haben es Sandy und Benni, die mit ihrem Baby in das Abenteuer Weltreise starten.

„Leaving The Frame“

Schon im Alter von 11 Jahren stand Maria erstmals vor der Kamera. Es war der Beginn ihrer Karriere als Schauspielerin. Genauso wie viele andere wollte sie aus ihrem Alltag ausbrechen. Also geht sie mit ihrem Freund auf Weltreise. Die beiden reisen nach Kenia, Hawaii, kaufen später einen VW Käfer und fahren mit ihm 20.000 Kilometer durch Mexiko, Nordamerika und bis nach Neufundland.

Während ihrer Reise treffen sie Einheimische und führen mit ihnen Videointerviews. Es geht um den Schutz der Meere, bedrohte Tierarten, Kunst und den Holocaust. Maria führt dabei die Gespräche und ihr Freund, Journalist und Filmemacher, nimmt auf. Über Monate geht das so, bis die lange Reise auch ihre Beziehung als Paar auf die Probe stellt. „Leaving The Frame“ ist spannend, emotional und hochwertig produziert. Die Dokumentation ist auf Netflix, Amazon Prime, iTunes sowie im Bezahlangebot von Youtube erhältlich.

„REISS AUS – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum“

Auch in dieser Dokumentation geht es um den Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen und die große Freiheit zu suchen: Ulrich und Lena wollen in ihrem alten Land Rover von Hamburg nach Südafrika fahren. Doch dort kommen sie nie an. Sie folgen auf dieser Reise nur ihrer Intuition, und so kommt es, dass die beiden fast zwei Jahre durch Westafrika reisen. Mehr als 46.000 Kilometer sind sie unterwegs durch Marokko, Ghana, Togo oder Mali – um nur einige weniger der vielen Stationen zu nennen.

Während der Reise führen sie fleißig ein Videotagebuch, mit lauter Begegnungen, Unfällen und Krankheiten – jedoch nur für sich selbst. Die Idee eines Kinofilms entstand erst nach der Rückkehr, als die beiden einen Regisseur treffen, der von dem Videomaterial begeistert ist. Zusammen mit einem kleinen Team entsteht eine Dokumentation, die inzwischen auf Amazon Prime verfügbar ist.

Dokumenatation “Zwei Familien auf Weltreise"