Archivierter Artikel vom 19.03.2013, 06:00 Uhr

Die Zypern-Rettung hält die Gemeinschaftswährung am Leben

Wenn die Euro-Retter ihre milliardenschweren Hilfspakete rechtfertigen, dann sprechen sie oft von Systemrelevanz. So stützten sie taumelnde Banken und Euro-Krisenländer, weil eine Pleite das gesamte Euro-System erschüttert hätte. Auch nach dem Beschluss der Euro-Finanzminister zur Zypernhilfe nannte EU-Währungskommissar Olli Rehn das Land „systemrelevant für die Euro-Zone“.

Damit meint Rehn allerdings nicht, dass ein Zusammenbruch der zyprischen Wirtschaft Europa in den Abgrund reißen könnte. Denn die Wirtschaftsleistung der kleinen Mittelmeerinsel ist gering: 2011 lag sie nach Angaben der Weltbank bei rund 24,7 Milliarden US-Dollar (rund 18,9 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Griechenlands Wirtschaft ist fast 12-mal so groß, die Wirtschaft Deutschlands sogar 145-mal so groß.

Die Zypern-Rettung wird vielmehr als notwendig für den Erhalt der Gemeinschaftswährung der 17 Euro- Staaten gesehen. Jörg Asmussen, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärte: „Eine Pleite Zyperns und seiner Banken hätte indirekte Folgen für die Euro-Zone als Ganzes – die Sorgen über die Umkehrbarkeit des Euro kämen wieder hoch.“ Und wenn die Märkte – also Investoren und andere Wirtschaftsteilnehmer – am Fortbestehen der Euro-Währung zweifeln, dann ziehen sie womöglich ihr Geld aus Europa ab. Deshalb hatte Rehn Anfang März gesagt, dass jedes Euro-Land systemrelevant ist.

Die Zusage der Euro- Staaten, den Euro zu erhalten, habe die Märkte beruhigt. Mit der Stabilität der europäischen Gemeinschaftswährung begründet auch der Vertrag zur Einrichtung des Euro-Rettungsschirms ESM die Hilfsaktionen. Gelder dürfen fließen, „wenn dies zur Wahrung der Finanzstabilität des Euro-Währungsgebiets insgesamt und seiner Mitgliedstaaten unabdingbar ist“, heißt es in Artikel 3 des Vertragsdokuments.