Archivierter Artikel vom 02.02.2011, 10:22 Uhr

Die Zeit wird knapp: Langläufer suchen WM-Form

Toblach (dpa). Die Athleten schinden sich in den Bergen Südtirols bei knackiger Kälte. Das Lachen ist ihnen schon lange vergangen, auch die Trainer sind besorgt. Seit Wochen befinden sich die deutschen Skilangläufer in einem Wettlauf.

Lesezeit: 2 Minuten

Weniger gegen die Konkurrenz, vielmehr gegen die Zeit. Denn bis zu den Weltmeisterschaften in Oslo gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten, in Form zu kommen. Der Weltcup im russischen Rybinsk ist schon die letzte Chance vor der Abreise nach Norwegen.

«Keine Frage, es wird schwierig. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche WM sind mehr als ungünstig», sagt Bundestrainer Jochen Behle. In den Loipen Toblachs hatte er ein Großteil seiner «Pflegefälle» beisammen und musste konstatieren, dass nicht bei allen die Entwicklung so vorangeschritten ist, wie er sich das wünscht.

«Was Tobi Angerer und Franz Göring betrifft, so bin ich zufrieden. Tom Reichelt wirkte nach seinen vielen Starts etwas platt, aber es war okay», berichtet Behle. Axel Teichmann und Jens Filbrich waren im heimischen Thüringen geblieben und hatten dort noch einmal Grundlagentraining absolviert. Rybinsk stand ohnehin nicht in ihrem Terminkalender. «Axel ist schon wieder etwas erkältet. Ich hoffe nicht, dass es schlimmer wird», sagt Behle.

Besonders die Entwicklung von Angerer freut den Coach. «Man darf nicht gleich Medaillen erwarten. Aber Plätze zwischen 30 und 100 wie vor seinem Ausstieg aus dem Weltcup, wird es nicht mehr geben. Für ihn sollten Ergebnisse ab Platz 15 aufwärts Standard sein», meint Behle.

Der Vachendorfer selbst glaubt wieder an sich. «Ich hab mich von Tag zu Tag besser gefühlt. Ich habe den richtigen Weg eingeschlagen», erzählt der olympische Silbermedaillengewinner in der Doppelverfolgung, die auch am Freitag in Russland auf dem Programm steht. «Ein Massenstartrennen ist genau das, was Tobi jetzt braucht», glaubt Behle.

Weit weniger optimistisch ist die Situation bei Evi Sachenbacher- Stehle (Reit im Winkl). «Es gibt eine leichte Steigerung, aber wir sind nicht dort, wo wir hin wollen», meint Behle. Um sie nach einer langen Krankheitsphase wieder fit zu bekommen, wurde viel Schnellkraft bei wettkampfnahen Sprints und Teamsprints trainiert. «Sie musste teilweise mit, teilweise gegen die Jungs laufen. Das hat richtig wehgetan, aber auch Spaß gemacht», bemerkt Behle. «Wichtig ist, dass es bergauf geht. Und das tut es: Von Einheit zu Einheit fühle ich mich besser. Es tut gut, das zu bemerken», erzählt die Teamsprint-Olympiasiegerin.

Was man von ihr erwarten kann, bleibt abzuwarten. Nichts erwarten kann man von Steffi Böhler (Ibach), die sich wieder erkältet hat und nicht nach Russland fliegt. Dafür ist Nicole Fessel (Oberstdorf), Erfolgsgarant der Läuferinnen vor dem Jahreswechsel, nach Krankheit wieder fit.