Archivierter Artikel vom 09.03.2012, 13:25 Uhr
Berlin

Die Schweiz wird wieder günstiger

Viele Deutsche haben im vergangenen Sommer mit Entsetzen festgestellt, wie teuer die Schweiz geworden ist. Schuld war der starke Franken. Das entspannt sich nun. Langfristig gibt es in den Alpen aber ganz andere Probleme – den Klimawandel zum Beispiel.

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Urlaub in der Schweiz
Der starke Franken war schuld, dass ein Urlaub in der Schweiz unlängst so teuer war. Das könnte sich in diesem Jahr wieder einpendeln.
Foto: Ulrike Koltermann – DPA

Der Urlaub in der Schweiz wird für deutsche Urlauber in diesem Jahr voraussichtlich wieder günstiger. Im vergangenem Sommer waren die Kosten für Ferien in den Schweizer Alpen wegen des starken Franken rapide gestiegen. «Das war schon eine schwierige Phase für uns, wir spüren die Auswirkungen noch», sagte Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus in Zürich, anlässlich der Reisemesse ITB (7. bis 11. März) in Berlin. «Der Franken war einfach zu stark», sagte Schmid. «Das wird sich ändern, er hat sich schon stabilisiert. Wir gehen davon aus, dass der Urlaub im Sommer um 20 Prozent günstiger wird.»

In aller Regel reagierten Urlauber auf Schwankungen des Wechselkurses eher träge. «Es sei denn, eine Verteuerung kommt sehr schnell wie im vergangenen Sommer, als der Franken innerhalb weniger Wochen um 25 Prozent an Wert gewonnen hat», erklärte Schmid. «Das hat deutlich durchgeschlagen, bis dann die Nationalbank interveniert hat.» So mancher Urlauber hat aber nicht lange überlegt und sich lieber für ein anderes Ziel entschieden – mit spürbaren Auswirkungen etwa bei den Übernachtungszahlen in den Schweizer Hotels.

Schmid sieht allerdings langfristig noch ganz andere Herausforderungen für die Tourismusbranche zwischen Zürichsee und Matterhorn: «Der Alpentourismus stagniert schon seit einigen Jahren. Die Schweiz hatte in den 70er, 80er Jahren deutlich mehr Gäste als heute», so der Tourismusdirektor. «Der globale Trend ging in der Zwischenzeit zu Sonne, Süden und Meer.»

So gab es 2011 in der gesamten Schweiz rund 71 Millionen Übernachtungen. «Wir waren schon einmal auf 80 Millionen.» Das dürfte so schnell nicht wieder zu erreichen sein – ist aber auch nicht gewollt. Wichtiger als die alten Rekorde einzustellen, sei nachhaltiges Wachstum, ein Tourismus, der schonend mit der Natur umgeht, sagte Schmid. «Schließlich es die Natur einer der Hauptgründe für Touristen, in die Schweiz zu kommen.»

Die ersten Schritte in diese Richtung sind getan: «Bis vor zehn Jahren hatten wir nur den Schweizer Nationalpark in Graubünden, den ältesten Europas.» Inzwischen sind mehr als Dutzend weiterer Parke hinzugekommen. «15 Prozent der Fläche der Schweiz stehen damit unter Schutz.»

Deutliche Veränderungen für den Tourismus in den Alpen werde auch der globale Klimawandel mit sich bringen, sagt Schmid voraus: «Heute haben wir noch ein stärkeres und profitableres Wintergeschäft. Aber die Klimaerwärmung ist ein Fakt. Das Skiangebot im Alpenraum wird abnehmen», erläuterte Schmid. Zwar gebe es durchaus mehr Schnee, weil die Niederschläge zunehmen – aber das betrifft die Hochlagen. «Die Schweiz hat sogar die schneesichersten Skigebiete der Alpen.»

Dennoch werde die Entwicklung an der Schweiz nicht vorbeigehen. «Etwa zehn Prozent unserer Skigebiete werden betroffen sein.» Und künstliche Beschneiung sei auf Dauer keine Alternative. «Das kann das echte Wintergefühl nicht ersetzen.»

Die große Chance für die Schweiz liege mittelfristig deshalb im Sommerurlaub. «Die alpine Sommerfrische wird eine Renaissance erleben», sagte Schmid – gerade, wenn es an den bisherigen Urlaubszielen in Südeuropa durch den Klimawandel im Hochsommer noch heißer werden sollte. Außerdem sei der Sommerurlaub in der Schweiz erfunden worden: «Die erste Gruppenreise von Thomas Cook ging ins Berner Oberland, und während der ersten 50 oder 60 Jahre stand im Tourismus immer der Sommer im Fokus.»

Allerdings werde sich auch der Sommerurlaub verändern: «Die Welt wird weiblicher», sagte Schmid. «Es geht nicht mehr darum, immer schneller, höher, weiter zu kommen, den letzten Gipfel zu erklimmen, wie das typisch für Männer ist.» Stattdessen werde der Urlaub gleichzeitig entspannter und aktiver: «Wandern verbindet sich mit Gastronomie, Radfahren mit Kultur, Wellness, der Wunsch, sich verwöhnen zu lassen, ist ebenfalls ein Trend.»

Und noch etwas hält der Schweizer Tourismusdirektor für eine fast unaufhaltsame Entwicklung: Die E-Bikes erobern die Alpen. Gerade die älteren Urlauber hätten damit die Möglichkeit, die alpinen Landschaften zu entdecken, für die man sonst mit dem Mountainbike topfit sein müsse. Die ersten Routen für mehrtägige Touren, die speziell auf die Bedürfnisse von Radurlauben auf dem E-Bike Rücksicht nehmen, sind bereits fertig. «Da haben wir die Nase vorn.»

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