40.000
  • Startseite
  • » Die Parfüminsel: Mayotte ist Frankreichs Paradies
  • Aus unserem Archiv
    Mamoudzou

    Die Parfüminsel: Mayotte ist Frankreichs Paradies

    Mayotte ist seit März Frankreichs 101. Überseedépartement. Auf der Inselgruppe zwischen Madagaskar und Mosambik gibt es längst Baguette und Blauschimmelkäse. In seiner Seele ist das Naturparadies im Indischen Ozean aber tief afrikanisch geblieben.

    Mayotte
    Afrikanische Seele: Der Schiromani, der inseltypische Wickelrock, ist weiterhin im Straßenbild dominant. (Bild: ATOUT FRANCE/Fabrice Milochau/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    In Kani-Kéli beginnt der Tag mit hellen Grunzlauten der Maki-Äffchen in den Bambusstauden und Kokospalmen. «Das ist etwas anderes als das nervige Hupen der Pariser im frühmorgendlichen Verkehrsstau», sagt Olivier. Der 30-Jährige lebt seit sechs Jahren als Tauchlehrer auf Mayotte. «Ich habe an tollen Orten der Welt gearbeitet, aber Mayotte ist für mich ein Paradies», sagt er und schaut aufs Meer hinaus. Man kann ihn verstehen.

    Mayotte
    Kein Massenziel: Dem Tourismusverband Mayottes schwebt ein sanfter Tourismus für zahlungskräftige Reisende vor. (Bild: Glaubitz/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    Die Tropeninsel Mayotte, nur 376 Quadratkilometer groß, liegt zwischen Madagaskar und Mosambik. Mehr als dreimal so groß ist seine Lagune: 1200 Quadratkilometer, eine der größten Lagunen der Welt, umschlossen von einem riesigen Korallenriff. Im Meer drängeln sich orangerot leuchtende Clownfische neben Doktorfischen und den grimmig dreinblickenden Seeteufeln. Das Wasser ist so klar, dass man beim Schnorcheln bis zu 30 Meter tief auf den Grund sieht.

    Mayotte
    Das Paradies zum Greifen nah: Mayotte. (Bild: ATOUT FRANCE/Pierre-Yves David/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    Der gebürtige Bretone Olivier arbeitet im Jardin Maoré, einem kleinen Strandhotel, das an der Plage de N'Gouja liegt. Der Sand ist weiß und warm und lockt nicht nur Badehungrige und Sonnenanbeter an. Zwischen Juni und Oktober bevölkert ihn die Grüne Meeresschildkröte.

    Mayotte
    An den Ästen der Tulpenbäume und Baobabs hängen die Seychellen-Flughunde kopfüber. (Bild: Glaubitz/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    Die Panzertiere - sie können so groß werden wie ein Schachtdeckel - kommen zum Brüten hierher. In die tiefen Gruben, die nicht zu verkennen sind, legen die Weibchen bis zu 100 Tennisball-große Eier. Die Brutzeit fällt in die Hochsaison, doch das ist auf Mayotte noch kein Problem. Der Strand ist noch nicht mit Liegestühlen verbaut.

    Mayotte
    Afrikanisches Frankreich: Die Frauen auf Mayotte schminken sich die Gesichter mit ockerfarbener Sandelholzpaste. (Bild: Glaubitz/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    Nur wenige Touristen verirren sich auf den winzigen französischen Außenposten im weiten Ozean. Seit Anfang April 2011 trägt Mayotte stolz den Titel des 101. französischen Départements. Doch der Flughafen ist klein, es gibt nur wenig Straßen und wenig Hotels. Aber Massentourismus soll es auf Mayotte auch nicht geben.

    Mayotte
    Palmen, Sand und türkisfarbenes Meer - mit dem Plage de N'Gouja bietet Mayotte Strände wie aus dem Bilderbuch. (Bild: Glaubitz/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    Dem Tourismusverband schwebt ein sanfter Tourismus für zahlungskräftige Reisende vor. Doch der Weg bis dorthin ist noch weit. Noch ist Mayotte, das aus den beiden größeren Inseln «Grande Terre» und «Petite Terre» sowie einer Vielzahl an Zwergeninseln besteht, ein Fernreise-Ziel für Individualisten.

    Die Parfüminsel: Mayotte
    Mayotte ist nur 376 Quadratkilometer groß. Frankreichs 101. Überseedépartement besteht aus den größeren Inseln «Grande Terre» und «Petite Terre» sowie vielen Zwergeninseln. (Bild: Hauschildt/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    Natur ist hier hautnah zu erleben. Beim Schwimmen kann es passieren, dass hier und da eine scheinbar im Meer treibende Kokosnuss auftaucht, die sich als der kurze und kräftig gewölbte Kopf der Meeresschildkröte entpuppt.

    Eine der schönsten und naturbelassensten Ecken ist die Pointe de Saziley im Süden. Keine Dörfer, keine Straßen, nur Fußwege, die durch Takamakas, wilde Orchideen, Tulpenbäume und Baobabs führen, an deren Äste kopfunter die imposanten Seychellen-Flughunde hängen. Gelegentlich wehen die süßlichen Düfte der Vanille und der Ylang-Ylang Pflanze in die Nase, aus deren Blüte die Essenz für den Parfümklassiker Chanel N° 5 gewonnen wird.

    Parfüminsel wird Mayotte deshalb genannt. Seit 1841 lebt sie unter der Flagge des gallischen Hahns. Damals hatte Sultan Andrian Souli den ehemaligen Piratenstützpunkt an Frankreich verkauft. Als die Komoren sich 1974 für die Unabhängigkeit entschieden, stimmte das Naturparadies für den Verbleib bei Frankreich.

    Tief im Herzen aber ist die Insel afrikanisch - auch wenn an den öffentlichen Gebäuden die Trikolore hängt, die Autos französische Kennzeichen tragen, in den Supermärkten der Hauptstadt Mamoudzou Cantal und Blauschimmelkäse ausliegen und in den Boulangerien Baguette und Croissant zu Preisen wie in Paris verkauft werden. Noch heute bestimmen Frauen im Schiromani, dem inseltypischen Wickelrock, die Gesichter mit ockerfarbener Sandelholzpaste geschminkt, das Straßenbild. Die Männer tragen Burnus, einen weiten Kapuzenmantel, und Kofia, die bestickten Kopfbedeckung der afrikanischen Muslime.

    «Die Insel ist eine Mischung aus La Réunion und Madagaskar», sagt Michel. Der Franzose hat vor 20 Jahren in Dzaoudzi auf «Petite Terre» einen Tauchclub eröffnet. Als Michel Flores von La Réunion nach Mayotte kam, gab es weder fließend Wasser noch Strom. Heute hat sich Mayotte fast dem Lebensstandard seiner Schwesterinsel angepasst.

    «Die Insel hat auch die Schönheit der Natur von La Réunion, doch weder Sprache noch Religion sind dieselben», erklärt der frühere Fallschirmspringer. Französisch ist die Amtssprache der knapp 190 000 Inselbewohner, die Landessprache ist jedoch Mahoisch, ein Swahili-Dialekt, den 95 Prozent der mehrheitlich moslemischen Bevölkerung sprechen.

    Michel fühlt sich längst zu Hause, er will auf Mayotte alt werden: «Ich habe hier mein Tauchparadies gefunden. Die Lagune ist durch das doppelte Riff völlig geschützt. Das Wasser ist warm. Es gibt keine meterhohen Wellen, Flora und Fauna sind reich und faszinierend. Kann man sich mehr wünschen?»

    Mehr über das Inselparadies Mayotte (franz.)

    Inselparadies Mayotte

    Reiseziel: Mayotte liegt in der Straße von Mosambik, zwischen der Küste Ostafrikas und der Insel Madagaskar. Sie ist mit 374 Quadratkilometern die zweitkleinste Insel des Komoren-Archipels und vulkanischen Ursprungs. Das Eiland besteht aus den beiden größeren Inseln «Grande Terre» und «Petite Terre» sowie mehr als einem Dutzend weiterer kleiner Inseln. Mayotte liegt an einer der größten geschlossenen Lagunen der Welt und ist vom Tourismus weitgehend unentdeckt.

    Anreise: Flug nach Paris-Charles-de-Gaulle, von dort Direktflug mit Corsair oder mit Air Austral über La Réunion nach Mayotte. Insgesamt 12 bis 14 Stunden Flugzeit.

    Reisezeit: Tropenklima mit einer trockenen, wohl temperierten Saison von Mai bis Oktober und der heißeren und regenreichen Saison von November bis April. Die Durchschnittstemperatur der Lagune liegt bei 25 Grad.

    Unterkunft: Das Hotelangebot ist beschränkt und reicht von Zwei- bis Drei-Sterne-Hotels. Preise ab 60 Euro. Empfehlenswert sind Gästezimmer mit Selbstversorgung.

    Informationen: Tourismusverband Mayotte, 97600 Mamoudzou, Telefon: +33/26 96 10 909, mayotte-tourisme.com

    Anzeige
    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    8°C - 14°C
    Montag

    10°C - 14°C
    Dienstag

    10°C - 15°C
    Mittwoch

    10°C - 17°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!