Archivierter Artikel vom 03.06.2011, 12:06 Uhr

Die neue Bayern-Abwehr: Einer fehlt noch

München (dpa). Neuer steht im Tor, Rafinha verteidigt rechts und Lahm links. Mit den beiden Millionen-Einkäufen und dem Seitenwechsel des Kapitäns kann der FC Bayern München drei zentrale Punkte in der Defensive abhaken, die Arbeiten auf der «Baustelle» Abwehr sind aber noch nicht abgeschlossen.

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Der FC Bayern würde gerne Nationalspieler Jerome Boateng verpflichten.
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Bei der Suche nach einem Innenverteidiger ist Jerome Boateng von Manchester City der Wunschkandidat des deutschen Fußball-Rekordmeisters, doch der Poker um den früheren Profi des Hamburger SV zieht sich in die Länge.

Mit Nationaltorwart Manuel Neuer, der für eine erfolgsabhängige Transfersumme von 25 Millionen Euro vom FC Schalke 04 nach München kommt, und dem für rund fünf Millionen Euro vom FC Genua geholten Rafinha haben die Bayern mit hoher Qualität zwei wichtige Lücken in der zuletzt instabilen Hintermannschaft geschlossen. 40 Gegentore in der vergangenen Bundesligasaison sprechen eine deutliche Sprache – in den vergangenen elf Jahren haben die Münchner nur einmal (42 Tore in der Saison 2008/09) noch mehr kassiert.

Mit Neuer habe man Weltklasse geholt, frohlockt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. «Mit Rafinha haben wir einen gestandenen und erfahrenen Spieler verpflichtet, der unserer Abwehr zusätzliche Stabilität verleihen wird», sagt Sportdirektor Christian Nerlinger über den brasilianischen «Giftzwerg».

Dass Philipp Lahm nach der Verpflichtung des Ex-Schalkers künftig wieder als Linksverteidiger spielen wird, freut auch Franz Beckenbauer: «Auf der rechten Seite ist Lahm eher Durchschnitt, links aber einer der besten der Welt», meint Bayerns Ehrenpräsident. An Neuers Klasse hat er ohnehin keine Zweifel: «Ich traue ihm zu, dass er eine neue Torwart-Ära beim FC Bayern einleiten wird».

Die bayrische «Mia-san Mia»-Mentalität muss sich Neuer als «lebenslanger» Schalke Fan noch einverleiben. «Was ich definitiv weiß: In die Mannschaft werde ich mich sehr schnell integrieren. Viele Mitspieler kenne ich ja vom Nationalteam», schrieb er im Fachmagazin «kicker». Das Starensemble in der Isar-Metropole darf sich auf mindestens fünf Jahre Stabilität im Bayern-Tor freuen.

Nachdem sich sein Vorgänger Louis van Gaal am Abwehr-Puzzle trotz abenteuerlichster Experimente mit Anatoli Timoschtschuk und Luiz Gustavo im Zentrum die Zähne ausgebissen hatte, war die Verstärkung der Defensive Programm beim FC Bayern. «Wir müssen hinten etwas tun, weil deutlich wurde, dass man Titel nur mit einer stabilen Defensive holt», hatte Sportdirektor Christian Nerlinger spätestens nach dem Champions-League-K.o. gegen Inter Mailand die Schwachstelle erkannt.

Die letzte Lücke im Abwehrverbund soll Jerome Boateng schließen. Sein englischer Arbeitgeber Manchester City fordert angeblich 20 Millionen Euro für den Nationalspieler. Die Bayern wollen angeblich nur 12,5 Millionen Euro zahlen – so viel hatte der HSV vor einem Jahr aus Manchester bekommen.