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München

«Die Nacht der 10» – Maradona betet

dpa

Die Hände in den Taschen, im Gesicht ein breites Grinsen. Diego Armando Maradona plauderte genüsslich mit seinen Kritikern. «Auch wenn es der argentinischen Presse nicht passt, wir werden eine gute WM spielen», meinte der Trainer der «Albiceleste» nach dem 1:0-Sieg gegen Deutschland.

Heißsporn
Der argentinische Trainer Diego Maradona während des Spiels.

«Das ist die Mannschaft, die nach 24 Jahren wieder Weltmeister werden kann», prophezeite Maradona, der sich bei der üblichen Pressekonferenz höflich, gut gelaunt und unbeirrbar zeigte. «Lassen sie mich erstmal zu Ende sprechen», entgegnete er einem DFB-Sprecher, der Maradonas lange Lob-Rede über seine Künstler um Lionel Messi beenden wollte.

Es war «Die Nacht der 10», wie das Sportblatt «Olé» schrieb. «Ganz Argentinien hat auf dieses Spiel geschaut», meinte Maradona, der im dicken langen Sportmantel immer wieder während der Partie wild gestikulierte. Umso ruhiger und gelassener wirkte der 49-Jährige nach Monaten der Kritik vor und erst recht nach dem Sieg in einem Spiel, das für Maradona «den Charakter eines WM-Viertelfinales» hatte.

«Wir werden uns noch weiter verbessern, das kann in Südafrika Früchte tragen», so Maradona, der in München weitgehend seine stärkste Mannschaft aufbot. Taktisch geschickt, offensiv mit ein paar Glanzpunkten, aber defensiv wie befürchtet anfällig präsentierte sich seine Auswahl. Pech hatte vor allem Bayerns Martin Demichelis: Zuerst leistete sich der vor vier Jahren ausgemusterte Innenverteidiger einige Abspielfehler, dann musste er nach Zusammenprall mit Michael Ballack mit der Trage vom Platz gebracht werden. Die bittere Diagnose: Bruch des Augenhöhlenbogens, des Jochbeins und des Oberkiefers.

Als echter Motor im Mittelfeld erwies sich indes der bald 35- jährige Juan Sebastian Veron. Sehr präsent, so gut wie immer anspielbar – er stellte Deutschlands Kapitän Ballack in den Schatten. Im Angriff ließ Weltfußballer Messi, der wortlos und mit Geleitschutz durch die Mixed-Zone eilte und im Mannschaftsbus verschwand, sein Können ein paar Mal aufblitzen. Trotzdem dankte Maradona bereits «Gott, dass Messi ein Argentinier ist» und lächelte dabei wie ein kleiner Junge, der über sein Lieblingspielzeug spricht. «Alle haben gut gespielt», befand Argentiniens Spielführer Javier Mascherano. «Wir haben gezeigt, dass wir stark sind», betonte Clemente Rodríguez.

Und dafür wurde jeder einzelne beim Gang vom Spielfeld von Maradona kräftig geherzt. Nachdem sich auch einige deutsche Akteure den Handschlag mit der «Hand Gottes» schon nicht hatten nehmen lassen, hätte Maradona aber wohl die ganze Welt umarmen können. Schon vor der Partie wirkte er gelöst, als er sich an den Bildern auf der Stadion-Großleinwand von seinem «Tor des Jahrhunderts» in Mexiko erfreute.

Nach der nur mühsam geschafften Qualifikation für Südafrika, wo der zweimalige Weltmeister Argentinien in der Vorrunde auf Nigeria, Südkorea und Griechenland trifft, seinem Verbal-Ausraster und anschließender Sperre sowie reichlich Kritik wegen bereits 102 eingesetzter Spieler dürfte der Sieg gegen den Erzrivalen Deutschland die Diskussionen um den eigenwilligen Nationalcoach vorerst beenden.

Nach einer Auswahl von 30 Spielern will Maradona die 23 Akteure für das WM-Turnier benennen. «Wir haben große Spieler und wenn Gott es will, werden wir eine gute WM spielen», meinte er. Und am Ende vielleicht sogar den dritten Titel nach 1978 und 1986 holen. «Argentinien hat bisher 43 Weltmeister – ich bete, dass es weitere sein werden», sagte Maradona.

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