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Die DDR-Spionage kennt alle Inhalte vor Beginn der Übung

Unmittelbar vor Übungsbeginn ließ der Verantwortliche des Bundesinnenministeriums, Ministerialrat Löhr, 7000 Übungs- und Besucherausweise für „WINTEX/CIMEX 89“ neu drucken. Der Grund: Sicherheitsbedenken.

Durch die frühe Ausgabe der 1. Auflage seien Kopien und Fälschungen nicht ausgeschlossen, was die Geheimhaltung und ordnungsgemäße Durchführung der Übung in Frage stelle. So lautet der Auftrag an die Bundesdruckerei, Zweigstelle Bonn: eine neue Zweitserie der Zugangsberechtigungen im Wert von 5000 D-Mark wird gedruckt, die erst unmittelbar vor Übungsbeginn ausgegeben wird.

Zu diesem Zeitpunkt ist die DDR-Spionage – und damit der Warschauer Pakt – längst im Besitz der NATO-Drehbücher und kennt alle Inhalte und Einlagen von „WINTEX 89“. Auf das Einsschleusen von DDR-Spionen zur Übung im Bunker – immer auch ein Sicherheitsrisiko – kann verzichtet werden.

Fatal: nach der Übung kommt es seitens der Ost-Spionage zu einer markanten Fahndungspanne. Die durch die Regierung Kohl verfügte vorzeitige Beendigung wird mit keinem Wort in den Ostberliner Unterlagen erwähnt. Stattdessen bestimmen ideologisch geprägte Aussagen die Auswertung, wie „die BRD treibt ihre Aggressionsvorbereitungen unvermindert voran“ und „misst der geistigen Aufrüstung ihrer Bevölkerung und der Unterdrückung einer erwarteten Opposition größere Bedeutung bei“.

Zeitgleich entwickelt sich der Widerstand in der DDR-Bevölkerung gegenüber dem Honecker-Regime und wird der Ruf nach Veränderung lauter. Während das Ministerium für Staatssicherheit im Westen oppositionelle Bewegungen ausmachen möchte, bricht im eigenen Land das politische System zusammen und bedeutet der Fall der Mauer im November 1989 das Ende des Kalten Krieges. In der Folge wird damit auch der Regierungsbunker im Ahrtal in Frage gestellt und im Dezember 1997 aufgegeben.

2008 öffnet dort die „Dokumentationsstätte Regierungsbunker, Bad Neuenahr-Ahrweiler“ und informiert Jahr für Jahr über 75.000 Besucher aus aller Welt zur Bunkeranlage und ihrer Rolle im Kalten Krieg. Ehemalige Mitarbeiter des Bunkers sind unter den Gästeführern – wie auch Wolfgang Müller, Michaela Karle und Jörg Diester.

Karle und Diester veröffentlichen 2013 das Buch „Plan B. – Bonn, Berlin und ihre Regierungsbunker“, in dem sie auf deutsch-deutsche Bunkermentalitäten eingehen. Eine Zusammenstellung, in der erstmals beide Seiten zu Wort kommen und gemeinsam diesen Teil der Nachkriegsgeschichte bearbeiten.

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