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Mainz

Die Caponniere: Wenn der Wirt in der Festung Piano spielt

Die alte Caponniere am Rheinufer der Neustadt lädt mit historischer Atmosphäre, alten Kanonenhaken und Schießscharten zum Verweilen ein.

Wirt Roman Steinwender greift auch mal selbst in die Tasten.
Wirt Roman Steinwender greift auch mal selbst in die Tasten.
Foto: Bernd Eßling

Mainz – In der Caponniere am Feldbergplatz lädt eine historische Atmosphäre mit Kanonenhaken und Schießscharten zum Verweilen ein.

Dicke Steinmauern und wenig Tageslicht durch die Schießscharten – ein besonderes Flair.
Dicke Steinmauern und wenig Tageslicht durch die Schießscharten – ein besonderes Flair.
Foto: Bernd Eßling

Das schwere Eisentor zu dieser Kneipe quietscht. Man glaubt, eine Art Kerker zu betreten. Der Innenraum strahlt eine gemütliche, historisch aufgeladene Atmosphäre aus. Dazu trägt auch der Kamin bei, der in den kalten Tagen für Wärme sorgt. Unter den gemauerten Rundbögen stehen sechs dunkle Tische. Ein Gebäude mit Historie.

Kerzen sorgen für stimmungsvolle Beleuchtung.
Kerzen sorgen für stimmungsvolle Beleuchtung.
Foto: Bernd Eßling

Was Stadtbaumeister Kreyßig sich nicht träumen ließ

Festhalten, bitte: Die Wendeltreppe zu den Toiletten ist eng und steil.
Festhalten, bitte: Die Wendeltreppe zu den Toiletten ist eng und steil.
Foto: Bernd Eßling

Die Caponniere – aus dem Lateinischen "caput", Kopf – gehört zum Festungsbau und ist ein fest gedeckter oder gemauerter Raum. Sie wurde 1887 angrenzend an das ehemalige Feldbergtor am Feldbergplatz im Zuge der Rheinbefestigung und des Baus der Mainzer Neustadt durch Stadtbaumeister Eduard Kreyßig errichtet.

Die Caponniere am Rheinufer.
Die Caponniere am Rheinufer.
Foto: Bernd Eßling

Alte Fotos aus dem Stadtarchiv zieren die Wände und verleihen dem historischen Gebäude seinen authentischen Charakter. Neben der Bar ein Piano. Das hat Kneipier Roman Steinwender aus seiner früheren Kneipe mitgebracht. Steinwender führte zehn Jahre "Romans Pianobar" in der Mainzer Altstadt, bevor er sich 2011 beim Spazierengehen am Rhein in die Caponniere verliebte. In der Pianobar gab es gar kein Licht von außen und deshalb ist er jetzt sehr glücklich mit seinem neuen Café, das Kneipencharakter hat.

"Ich wollte endlich ein Lokal mit Fenstern und gerade weil es eher Schießscharten sind, finde ich die Caponniere so interessant", schmunzelt Steinwender. Richtig viel Licht käme nicht von außen. "Umso gemütlicher, finden die Gäste", sagt er.

Wirt Roman Steinwender hatte vorher die Pianobar

Seit Oktober 2011 hat er das Lokal gepachtet. Der gebürtige Österreicher zog als Gastronom halb um die Welt, bevor er durch seine Frau 1982 in Mainz hängen blieb. Durch die Pianobar-Zeit ist er unter Mainzern bekannt. Zu seinen Stammgästen damals gehörte auch Oliver Mager, der Schlager-Fastnachtssänger. Er sei auch schon mit umgezogen in die "Festung", sagt der Wirt stolz. Zu den Toiletten muss der Gast 26 Stufen einer engen Wendeltreppe nach oben laufen und sich dabei an einem Metallgeländer festhalten. Die Hand am Metall sei besonders ratsam beim Hinuntersteigen – gerade weil der Dornfelder hier so gut sei, sagt Steinwender.

Bis jetzt ist ein bunt gemischtes Publikum aus Studenten und älteren Spaziergängern hier anzutreffen, meint der Wirt. Viele Gäste fragten an wegen Geburtstagsfeiern und Familienfesten, weil das Lokal Intimität mit einem speziellen Flair vereint. So gab es schon eine Feier mit fast 90 Gästen. "Die Tische sind ausziehbar", beruhigt Steinwender.

Spontan-Konzert mit Gitarren und Klavier

Mit der Karte sei er noch am Ausprobieren. Im Moment gibt es Kaffee, Cocktails, Bier und Wein zu erschwinglichen Preisen. Das Piano ist nicht nur Dekoration: Zwei Gitarristen gaben ein spontanes Konzert und ein Klavierspieler begleitete sie auf dem Piano. "Die Gäste waren begeistert."

Im Sommer möchte Steinwender kleine Speisen anbieten, denn im Obergeschoss gibt es eine kleine Küche. Ebenfalls in den warmen Monaten wird er einen Biergarten mit 40 Plätzen zum Rhein hin öffnen. Spaziergänger können dann vor historischer Kulisse mit Kaffee oder einem Glas Wein verweilen.

Kaffee und Kuchen bietet er jetzt schon jeden Sonntag an, das Stück für 2 Euro. "Am Wochenende kann es schon einmal bis vier Uhr morgens gehen", lächelt der Wirt.

Öffnungszeiten:

Sonntags ist die Caponniere bereits um 14 Uhr geöffnet, unter der Woche ab 17 Uhr.

Von Verena Schmidt

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