Archivierter Artikel vom 30.07.2011, 22:06 Uhr

DFB-Elf im Losglück – Löw: «Nicht unterschätzen»

Rio de Janeiro (dpa). Wiedersehen mit Österreich und Kasachstan, ein Treffen mit dem alten Bekannten Giovanni Trapattoni und attraktive Duelle mit Schweden und Irland: Das vielzitierte Losglück ist der deutschen Nationalmannschaft auch auf dem Weg nach Brasilien treu geblieben.

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Glücksfee
Ex-Stürmerstar Ronaldo zog das deutsche Los.
Foto: DPA

Löw-Vertreter Oliver Bierhoff konnte erleichtert die Rückreise von seinem Kurz-Trip an die Copacabana antreten. Der Nationalmannschaftsmanager lächelte zufrieden, als der mollige Ronaldo Deutschland als Kopf der Gruppe C gezogen hatte. «Ich bin froh, dass wir nicht in einer Todesgruppe sind wie Frankreich und Spanien. Das ist okay», sagte Bierhoff nach der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM 2014 in Brasilien.

Bei der Zeremonie im malerischen Jachthafen Marina da Gloria von Rio de Janeiro hatte es der füllig gewordene frühere Weltstar und WM-Rekordtorschütze Ronaldo gut gemeint mit der deutschen Nationalmannschaft. Die Gruppengegner Schweden, Österreich, Irland, Färöer und Kasachstan hatten auch Bundestrainer Joachim Löw vor dem heimischen Fernseher nicht sonderlich beunruhigt. Dennoch warnte Löw, der sich den strapaziösen Flug nach Südamerika erspart hatte, um sich auf das Länderspiel gegen Brasilien am 10. August in Stuttgart vorzubereiten, eindringlich vor den Kontrahenten.

«Die Aufgaben sind nicht zu unterschätzen. Sicherlich sind Schweden und Irland die härtesten Gegner in der Gruppe, aber auch Österreich ist gegen uns immer topmotiviert. Kasachstan und die Färöer werden gegen uns ebenfalls mit großem Ehrgeiz antreten», sagte der 51-Jährige. Man habe aber genügend Zeit, die Gegner zu studieren und sich darauf vorzubereiten, ergänzte Löw.

Mehr als ein Mini-Vorgeschmack auf die Fußballfestspiele in drei Jahren war der Ausflug für die kleine Reisegruppe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowieso nicht – die Spiele beginnen erst nach der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine am 7. September 2012. Abgeschlossen wird die Qualifikation am 19. November 2013. «In erster Linie konzentrieren wir uns im Moment auf die EM 2012», machte Löw die Prioritäten beim Verband deutlich.

«Wir haben jetzt natürlich den klaren Fokus auf der EM-Qualifikation», gab auch Bierhoff zu, der in der recht chaotischen Mixed Zone einer der gefragtesten Interviewpartner war, auch auf italienisch und englisch sämtliche Fragen beantwortete und seinen «Chef» prächtig vertrat. Man werde «jetzt schon mal ein bisschen zu den Gegnern rüberschielen und rechtzeitig entsprechend Material sammeln», erläuterte Bierhoff. «So dass wir dann nach der EM direkt mit der WM-Vorbereitung anfangen können.»

Die Ersten der neun europäischen Gruppen qualifizieren sich direkt für die Endrunde in drei Jahren. Die besten acht Gruppenzweiten ermitteln in einer Relegationsrunde vier weitere Starter für das zweite Weltturnier in Brasilien nach 1950. In einer der spannendsten Gruppen bekommt es Welt- und Europameister Spanien mit Frankreich, Weißrussland, Georgien und Finnland zu tun.

Für die Deutschen dagegen gibt es mit Österreich und Kasachstan ein schnelles Wiedersehen. Beide Länder zählen bereits in der laufenden Qualifikation zur EURO 2012 zu den deutschen Gegnern. Gegen die Kasachen gelangen mit 3:0 und 4:0 zwei Siege. Die Österreicher wurden in Wien 2:1 bezwungen, das Rückspiel findet am 2. September in Gelsenkirchen statt. Gegen das Austria-Team hat Deutschland seit fast 25 Jahren nicht verloren. «Da muss alles passen», sagte auch Österreichs Teamchef Dietmar Constantini. «Ein Sieg gegen Deutschland ist den Leuten bei uns fast wichtiger als die Qualifikation.»

«Trotz Deutschland lässt uns dieses Los hoffen», titelte die Wiener «Kronenzeitung» am Sonntag. «Deutschland wird zum Dauergast», schrieb die Zeitung «Kurier». Bundesligaprofi Christian Fuchs freut sich ganz besonders auf den erneuten Vergleich. «Dass wir wieder gegen Deutschland spielen, ist genial. Wieder eine neue Chance, ihnen ein Haxerl zu stellen», sagte der Schalker.

Auch gegen die übrigen Gruppengegner weist die DFB-Auswahl eine positive Bilanz auf. Mit den Färöer Inseln gab es in der Qualifikation zur EM 2004 die beiden einzigen Vergleiche, die Deutschland 2:1 und 2:0 gewann. Schweden war am 17. November letzten Jahres in Göteborg letztmals deutscher Gegner: Bei winterlichen Bedingungen trennte man sich 0:0. Insgesamt ist die DFB-Bilanz gegen den WM-Zweiten von 1958 in 34 Spielen knapp positiv. Gegen das vom Italiener Giovanni Trapattoni trainierte Irland gab es in 16 Vergleichen sieben deutsche Siege bei fünf Niederlagen.

Aber natürlich war es auch Bierhoffs protokollarische Pflicht, vor Übermut zu warnen. «Man kann sich nicht darauf ausruhen, dass man Favorit ist. Die anderen Nationen holen auf, wir müssen alle Spiele hochkonzentriert angehen», sagte er, ehe es schon am Sonntagabend über Sao Paulo wieder zurück nach Frankfurt gehen sollte.

Die europäischen WM-Qualifikationsgruppen im Überblick:

Gruppe A: Kroatien Serbien Belgien Schottland Mazedonien Wales

Gruppe B: Italien Dänemark Tschechien Bulgarien Armenien Malta

Gruppe C: Deutschland Schweden Irland Österreich Färöer Kasachstan

Gruppe D: Niederlande Türkei Ungarn Rumänien Estland Andorra

Gruppe E: Norwegen Slowenien Schweiz Albanien Zypern Island

Gruppe F: Portugal Russland Israel Nordirland Aserbaidschan Luxemburg

Gruppe G: Griechenland Slowakei Bosnien Litauen Lettland Liechtenstein

Gruppe H: England Montenegro Ukraine Polen Moldau San Marino

Gruppe I: Spanien Frankreich Weißrussland Georgien Finnland