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    Frankfurt/Main

    DFB muss umdenken: Kein Teilausschluss mehr für Fans

    Der DFB muss umdenken: Das Stadionverbot für Fußball-Fans bei Auswärtsspielen ihrer Mannschaft hat sich als untaugliche Strafe erwiesen. Bei Frankfurts 4:0-Sieg bei Union Berlin waren 1000 Eintracht-Anhänger trotzdem live dabei.

    Ankündigung
    DFB-Präsidiumsmitglied Rainer Koch kündigt Konsequenzen an.
    Foto: Lukas Barth - DPA

    Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zog daraus bereits die Konsequenzen. Künftig wird der Kontrollausschuss nach Ausschreitungen keine Teilausschlüsse mehr beim DFB-Sportgericht beantragen. «Bei uns ist wahrgenommen worden, dass die ausgesprochene Sanktion ihren Zweck nicht erfüllt hat», sagte Rainer Koch, Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen beim DFB.

    Mitte der ersten Halbzeit waren mehrere Frankfurter Anhänger, die wegen Vorkommnissen im Spiel bei Fortuna Düsseldorf eigentlich ausgesperrt werden sollten, über den Zaun zum Gästebereich gestiegen. Als immer mehr Fans versuchten, dem Beispiel zu folgen, öffnete Union die Tore und ließ alle passieren. «Das war sicherlich nicht rechtens. Aber es war sehr besonnen. Union hat großartig reagiert», sagte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen der Nachrichtenagentur dpa.

    Koch wollte sich nicht festlegen, ob die beiden Vereine Konsequenzen befürchten müssen. Union dürfte ohne Sanktionen davonkommen. Deeskalation ist bei Sicherheitsfragen immer die erste Devise. Der 53-jährige Jurist geht jedenfalls davon aus, dass das DFB-Sportgericht als unabhängiges Gremium solche Strafen nicht mehr aussprechen wird. Koch, im Hauptberuf Richter am Oberlandesgericht München, will die Verantwortung für künftige Urteile aber nicht nur an die Sportgerichtsbarkeit abschieben. Deshalb forderte er den gesamten Fußball auf, neu darüber nachzudenken: «Wir wollen die Liga und die Clubs mitnehmen und die Zeit bis zum Saisonende nutzen, damit wir uns für die neue Saison aufgestellt haben.» Ziel bleibe, Ausschreitungen in den Stadien für die Zuschauer zu verhindern.

    Keine Thema seien Punktabzüge. Dies betonte auch Robert Weise, DFB-Abteilungsleiter Recht: «Wir haben in 30 Jahren nie über Punktabzug nachgedacht.» Auch bei hohen Geldstrafen, so Koch, sei die Belastbarkeit mancher - vor allem unterklassiger Vereine - begrenzt. Der DFB will die Vereine mit seinen Sanktionen zu maximalen Gegenmaßnahmen motivieren und natürlich die Randalierer abschrecken. Ein Patentrezept haben bis heute weder der Verband noch Polizei und Politik gefunden.

    Bruchhagen hatte bereits nach dem Spiel gefordert: «Wir müssen bei den konventionellen Strafen umdenken. Wir haben es hier mit einer Jugendbewegung zu tun. Wenn einer in der zwölften Klasse ein Stadionverbot bekommt, dann adelt ihn das in der Schule.» Man brauche, so der erfahrene Funktionär, kluge Lösungen. «Ich muss aber auch zugeben: Ich selbst habe sie auch nicht.» Alle im Fußball müssten jetzt «ganz unaufgeregt darüber sprechen und neue Lösungsansätze finden».

    Die DFB-Sanktionen machten die Fans sogar erfinderisch: So kauften Union-Anhänger für die Hessen die Eintrittskarten. Gemeinsam wurden während des Spiels Schmähgesänge gegen den DFB angestimmt - Plakate brachten zudem den Unmut über die Strafe zum Ausdruck.

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