Archivierter Artikel vom 12.05.2011, 15:22 Uhr

DFB leitet Ermittlungsverfahren gegen Amerell ein

Frankfurt/Stuttgart (dpa) – Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat im Zuge des Schiedsrichter-Skandals ein Ermittlungsverfahren gegen Manfred Amerell eingeleitet, gab der Verband am Donnerstag bekannt.

Nach der Auswertung diverser staatsanwaltschaftlicher Ermittlungsakten sieht der DFB «neue und erhebliche Verdachtsmomente» dafür, dass Amerell in seiner Funktion als Schiedsrichter-Funktionär seine Amtspflichten verletzt hat, erklärte der stellvertretende Ausschuss-Vorsitzende Norbert Weise.

Durch eine Selbstanzeige beim DFB hatte Amerell zuvor um dieses Verfahren gebeten. Er war Ende 2009 und Anfang 2010 von Michael Kempter und anderen Schiedsrichtern der sexuellen Belästigung beschuldigt worden. Um sich besser verteidigen zu können, möchte der 64-Jährige, der die Vorwürfe zurückweist, in dieser Sache vom Verband offiziell angehört werden. Der Kontrollausschuss bestätigte, Amerell zu einer persönlichen Vernehmung geladen zu haben.

Das Ermittlungsverfahren ist unabhängig vom Zivilgerichts-Urteil des Landgerichts Hechingen im Fall Amerell/Kempter. Dem DFB geht es um die Frage, ob «Manfred Amerell über seinen Rücktritt hinaus sportjuristisch belangt werden muss». Sollten ihm Verstöße gegen die DFB-Satzung nachgewiesen werden, droht ihm nach der Mitteilung des Verbandes eine Strafe «von einem zeitlich begrenzten bis hin zu einem dauerhaften Verbot, ein Amt im Deutschen Fußball-Bund zu bekleiden». Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Amerell wegen sexueller Nötigung waren bereits im Mai 2010 eingestellt worden.