Archivierter Artikel vom 14.11.2013, 14:05 Uhr

Deutschland-Schreck Balotelli in der Krise

Rom (dpa). Die Ohrringe sind weg, die Irokesen-Frisur abrasiert, der Ferrari verbannt. Auf der Suche nach seiner alten Form ist Deutschland-Schreck Mario Balotelli aber auch durch die radikalen Veränderungen keinen Schritt weitergekommen, er steckt weiter im Leistungstief.

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Abkehr
Mario Balotelli hat sein Erscheinungsbild verändert.
Foto: Maurizio Degl' Innocenti – DPA

Im Duell mit seinem Lieblingsgegner Deutschland steht der extravagante Stürmerstar in seiner Fußballheimat Mailand daher unter ganz besonderer Beobachtung. Doch Sorgen macht das weder Balotelli noch seinen Teamkollegen. «Er hat ein dickes Fell, er weiß, dass viele Lobeshymnen und viel Kritik kommen», versprach sein deutschstämmiger Club- und Nationalteamkamerad Ricardo Montolivo kurz vor Partie.

Unvergessen ist Balotellis Jubelpose nach seinem zweiten Treffer im EM-Halbfinale gegen Deutschland im vergangenen Jahr. Das Freundschaftsspiel gegen die DFB-Elf scheint daher wie geschaffen für ihn, um seine Krise hinter sich zu lassen. Sportlich läuft es für Balotelli in dieser Saison bislang miserabel. Für den AC Mailand hat er erst drei Liga-Treffer erzielt und dümpelt mit dem Club im Mittelfeld der Serie A herum. «Es gibt keinen Fall Balotelli, er muss nur hart arbeiten, um seine Form wiederzufinden», erklärte Milan-Coach Massimiliano Allegri, der Super-Mario jüngst sogar in der Champions League auf die Bank verbannt hatte.

Doch in der Nationalmannschaft war auf den Stürmer mit ghanaischen Wurzeln bislang immer Verlass. Mit seinem Treffer zum 2:1 gegen Tschechien im September schoss er die Squadra Azzurra zur WM in Brasilien. Vor allem nach dem Ausfall des Serie-A-Toptorjägers Giuseppe Rossi ruhen gegen Deutschland die Hoffnungen auf Balotelli. «Er ist in keiner guten Phase, aber hat alle Voraussetzungen, um zurückzukommen», betonte Verbandspräsident Giancarlo Abete.

Statt durch sportliche Glanztaten fiel der 23-Jährige zuletzt eher durch seine Undiszipliniertheiten auf. Schon vier Spiele musste er in der italienischen Liga gesperrt aussetzen, hat bislang mehr Gelbe Karten kassiert als Tore geschossen. In den vergangenen Wochen sorgte das Enfant terrible zudem immer wieder für Negativ-Schlagzeilen, jeder seiner Schritte wurde von den Medien beobachtet. «Hört auf zu reden und reden und reden, leben und leben lassen», klagte er in seinem bislang letzten Eintrag bei Twitter am 17. Oktober.

Trotz aller Eskapaden, Undiszipliniertheiten und Formschwächen hat Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli seinen Stürmer stets in Schutz genommen. «Balotelli macht eine besondere Phase durch, aber wenn man Charakter hat, können einen solche Momente stärker machen», forderte er. «Er muss mit diesem Druck leben, der auch aus seinem Verhalten entsteht.» Gegen Deutschland erwartet der Nationaltrainer daher, dass sein Sorgenkind zu alter Stärke zurückfindet. Der «Corriere della Sera» stellte fest: «Doppelte Prüfung gegen Deutschland: Viel mehr als ein Freundschaftsspiel für Balotelli.»

Aussagen Prandelli

Aussagen Montolivo