Archivierter Artikel vom 23.08.2010, 12:58 Uhr
Posen

Deutsche Kanuten: Lehren für Olympia ziehen

Die eigenen hohen Ziele wurden verpasst, aber mit Blick auf Olympia in London fühlen sich die deutschen Kanuten weiter auf einem guten Weg.

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Einsatz
Ronald Rauhe holte in Posen über die 200-Meter-Distanz Silber.

«Man darf jetzt nicht grau malen. Es ist kein Vergehen, wenn man auch mal Zweiter wird», betonte Olympiasieger Ronald Rauhe, der in Posen nur knapp seinen 14. WM-Titel verpasste. «Man muss schauen, wo man dazu lernen kann. Wir haben noch zwei Jahre Zeit und ich bin da guter Dinge.» Die Verantwortlichen wiesen auf die Titelkämpfe 2006 in Ungarn hin, wo der Deutsche Kanu-Verband (DKV) zur Olympia-Halbzeit ebenfalls nicht an der Spitze der Weltmeisterschaftswertung gelegen hatte.

Beeilen musste sich Sportdirektor Jens Kahl am Montag, weil die Abfahrtzeit des Shuttles nach vorne verlegt worden war. Seine Kanuten sieht er aber auch nach fünf statt der angestrebten sieben Medaillen in den olympischen Bootsklassen im Zeitplan. «Es ist nichts passiert», sagte Kahl, «aber jeder muss seine persönlichen Schlussfolgerungen ziehen.»

Einige Schlussfolgerungen liegen auf der Hand. Wenn es in einem Jahr bei den Titelkämpfen in Ungarn um die Olympia-Plätze geht, darf sich der DKV nicht ein solches Abschneiden im Canadier-Zweier über 1000 Meter wie in Posen erlauben. Hier hatte es nicht einmal zum Finale gereicht. «Im Canadier-Bereich müssen wir zulegen», mahnte Reiner Kießler, der in Polen sein 50. Gold bei einer Großveranstaltung als Chef-Bundestrainer erreichte. Fünf Titel und insgesamt elf Medaillen waren die Ausbeute in 28 Disziplinen.

Dagegen war Kießler mit den Damen nicht zufrieden. «Unsere Frauen müssen einen Sieg beisteuern und ihren Beitrag leisten, damit der Gesamtertrag stimmt. Vielleicht war das ein WM-Ergebnis, dass Richtung 2012 bei dem einen oder anderen Sportler im täglichen Handeln Veränderungen hervorruft«, tadelte der Chef-Bundestrainer, der schon in Vorfeld der WM gewarnt hatte. «Die Ungarn haben uns mit ihren Frauen-Disziplinen überrollt.» Deren Leistungsträgerin Katalin Kovacs ist mit nun 29 Titeln alleinige WM-Rekordhalterin vor der achtmaligen Olympiasiegerin Birgit Fischer.

Nachholbedarf gibt es auch über die neuen olympischen 200-Meter-Distanzen, in der Rauhe Weltklasse ist. «Im Canadier-Einer müssen wir zwei, drei Leute auf die Strecke bringen, die sich dafür spezialisieren. Vielleicht noch die eine oder andere Frau», meinte Kießler. Einst war diese Distanz nur ein WM-Beiwerk, jetzt hat sie eine «ganz andere Bedeutung», wie Kahl betonte. «Darauf stellen wir uns ein, aber das geht nicht von heute auf morgen.»

Bis London sind aber ja auch noch zwei Jahre Zeit, wenngleich es im neuen Jahr schon um die Startplätze für den Verband und die Weichenstellung für die Sportler geht. Und Vierer-Dame Tina Dietze sprach nach Silber im Vierer aus, was alle dachten. «Wenn es bei der WM nicht klappt, dann bei Olympia.» Aber erst einmal stehen in dieser Woche die deutschen Meisterschaften in Köln an. In diesem Jahr ohne den deutschen Rekordchampion Rauhe, dem nach seiner Bauchmuskelzerrung und Schonung gut tut.