Archivierter Artikel vom 14.07.2011, 12:12 Uhr
Sheffield

Deutsche Fechter ohne Medaille – Joppich gelassen

Fecht-Star Peter Joppich akzeptierte sein Achtelfinal-Aus bei der EM mit der ganzen Gelassenheit eines viermaligen Weltmeisters. Nachwuchshoffnung Anja Musch dagegen weinte bittere Tränen der Enttäuschung. Und Sebastian Bachmann verdarb der «Sudden Death» gar die gute Laune.

Lesezeit: 2 Minuten
Ausgeschieden
Peter Joppich (r) im Duell mit Daniel Diaconu in Sheffield.
Foto: DPA

Der Bonner verpasste zum Auftakt der Fecht-Europameisterschaften im englischen Sheffield beim 9:10 nach Verlängerung gegen den Italiener Giorgio Avola Florett-Bronze und das erste Einzel-Edelmetall seiner Karriere hauchdünn.

«Bei Bachi geht die Kurve stetig nach oben. Mit dem Viertelfinale muss man sehr zufrieden sein, da muss man den Hut ziehen», urteilte Disziplin-Bundestrainer Ulrich Schreck. «Ärgerlich, wenn man so kurz vor Schluss verliert», trauerte Bachmann der Medaille hinterher. Avola rehabilitierte den 24-Jährigen mit seinem 15:14-Finalsieg gegen Andrea Cassara, der zuvor 2010-Titelträger Andrea Baldini in einem italienischen Vorschlussrundenduell mit 15:11 das Nachsehen gegeben hatte.

Deutschlands Säbelfechterinnen gingen am Donnerstag beim 15:10-Finalsieg der neuen ukrainischen Titelträgerin Olga Charlan gegen Aleksandra Socha (Polen) ebenfalls leer aus.

Bei Joppichs verlorenem Kampf gegen Baldini war Schreck teilweise erbost. «Bis zum 8:9 war es ein offenes Gefecht. Dann gab es zwei zweifelhafte Entscheidungen. Die Kampfrichter haben ihre Fehler später sogar eingeräumt.» Doch da war es längst zu spät. «Blöd, dass ich so früh auf Baldini getroffen bin. Und wenn ich bei 8:10 einem Rückstand hinterherlaufe, lässt sich das so ein Klassemann natürlich nicht mehr nehmen», meinte Joppich ohne jeglichen Anflug von wütender Enttäuschung.

Joppich, der weiter auf seine erste EM-Einzelmedaille wartet, fühlte sich «eigentlich ganz gut drauf». In den Poolkämpfen blieb der Weltmeister ungeschlagen: «Das ist ja sonst nicht so mein Ding.» Doch dann ging es ganz schnell: Dem Freilos in der Runde der besten 64 folgte das 15:12 gegen den Rumänen Alexandru Diaconu, dann das 10:15 gegen Baldini. Schreck beruhigte sich nach anfänglicher Erregung rasch wieder: «Baldini ist die Nummer eins der Weltrangliste und in einer Riesenform. Da ist Peters Niederlage keine Überraschung.»

Bachmann drang mit 15:14 gegen den Tschechen Alexander Choupenitch und 15:12 gegen Roland Schlosser (Österreich) in das Viertelfinale vor, in dem er gegen Avola nach einer 9:7-Führung zwölf Sekunden vor Zeitablauf das 9:9 einstecken musste und in der Verlängerung den entscheidenden Treffer kassierte. André Weßels und EM-Neuling Marius Braun (beide Bonn) scheiterten unter den besten 32.

Die Säbelfechterinnen erlebten nach Bronze durch die Tauberbischofsheimerin Sibylle Klemm 2010 einen Rückschlag. «Bis auf den positiven Ausreißer von Sibylle vor einem Jahr war es diesmal im Grunde gleich», sagte die WM-Sechste Stefanie Kubissa zum Schlussklassement, in dem die erst 17 Jahre alte Künzelsauerin Anja Musch als 20. vor Kubissa (28.), Anna Limbach (Dormagen/33.) und Alexandra Bujdoso (Koblenz/40.) am besten platziert war.