Archivierter Artikel vom 19.07.2011, 13:36 Uhr
Sheffield

Deutsche EM-Fechter etabliert – Top mit dem Säbel

Das frühe EM-Aus des Damendegen-Teams machte es deutlich: Deutschlands Fechter haben eine grundsolide Basis, sind auf dem steinigen Weg nach Olympia in Teilbereichen aber zu inkonstant.

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Treffer
Max Hartung (r) landet beim Duell mit dem Italiener Aldo Montano einen Treffer.
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Top-Resultate wie der Titelgewinn des Leipziger Degen-Routiniers Jörg Fiedler oder Überraschungs-Bronze des jungen Dormagener Säbel-Talents Hartung beim Europa-Championat in Sheffield stehen im Widerspruch zu Abstürzen mit den anderen Waffen.

Gesiegt!
Max Hartung jubelt über den Sieg im Duell mit dem Weißrussen Buikevich.
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«Wir gehören mit Italien, Frankreich und Russland weiterhin zu den vier Großen in Europa», sagte Manfred Kaspar, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB). Der 58-Jährige betonte nach den kontinentalen Titelkämpfen die «absolut stabile Situation seit der WM 2007», als es in St. Petersburg sechs Medaillen gab (2 Gold, 1 Silber, 3 Bronze). Kaspar: «Im Prinzip stehen wir nach Sheffield da, wo wir seit Jahren stehen.»

Stark
Max Hartung besiegt den Russen Alexander Buikewitsch im Viertelfinale.
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Kein Zweifel: Deutschlands Fechter sind etabliert. Die Bilanzen von Sheffield (1-2-2), der EM 2010 in Leipzig (1-2-3), der WM 2010 (1-2-0), der EM 2009 (2-1-3), der WM 2009 (1-1-3) und der Olympischen Spiele 2008 (2-0-0) stellen durchweg gute Zeugnisse aus. Den Säbel-Experten gehört nach Hartung-Bronze und Team-Silber die Zukunft. Das Dormagener Modell mit Disziplin-Bundestrainer Vilmos Szabo gilt als vorbildlich.

Verwarnung
Ein Schiedsrichter verwarnt das deutsche Team mit einer gelben Karte.
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Lücken sind indes unverkennbar. So stürzten in Sheffield beispielsweise die WM-Sechste Stefanie Kubissa (Säbel) und der WM-Fünfte Martin Schmitt (Degen) auf die EM-Plätze 28 und 39 ab, die Degendamen wurden von WM-Silber im November in Paris an Position sieben in Europa durchgereicht. Imke Duplitzer kam als Degen-Europameisterin des vergangenen Jahres diesmal nur als 19. durch, Florett-Weltmeister Peter Joppich scheiterte als Neunter knapp am Viertelfinale.

Abkühlung
Björn Hübner fächert sich zur Erfrischung Luft zu.
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Joppich und die jahrelang vom Erfolg verwöhnte Florett-Equipe bereiten Sorgen. «Das ist ein vierter Platz, der nicht zielführend ist», sagte Kaspar nach dem Team-Wettbewerb. Im Bemühen um die Olympia-Teilnahme sei das mit 35:45 Treffern verlorene Bronze-Gefecht gegen Russland «zwar kein Knockout, aber ein Rückschlag».

Degenduell
Die Polin Malgorzata Stroka (l) duelliert sich mit Monika Sozanska.
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Die Hoffnungen für die WM in Catania (Sizilien), wo im Einzel die zweieinhalbfache und in den Team-Wettbewerben die doppelte Punktzahl vergeben wird, ruhen jetzt auf der Rückkehr von Olympiasieger Benjamin Kleibrink. Er konnte in Sheffield wegen der Folgen eines Motorradunfalls nicht starten. «Catania wird extrem wichtig. Danach wissen wir, ob wir für London den Rettungsring brauchen oder auf dem Luxusliner unterwegs sind», blickte Kaspar auf die WM.

Attacke
Britta Heidemann im Duell mit Noam Mills aus Israel.
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Ohne Kritik ging die EM in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire trotz der erfreulichen Bilanz nicht zuende. Nach Rang drei der Damenflorett-Mannschaft gab es harte Worte. Ein Teammitglied prangerte offen die Situation an Emil Becks früherer Fecht-Hochburg Tauberbischofsheim an.

Im Florett-Nachwuchsbereich seien die Trainer «faul», Talente würden vergrault – im DFeB war der Widerspruch auf Nachfrage nicht sehr laut: Man weiß um Probleme an der Tauber. Kaspar: «Dass unser größtes Leistungszentrum im Moment nicht das beisteuert, was wir zusätzlich brauchen könnten, kann uns nicht zufriedenstellen.»