Archivierter Artikel vom 05.12.2011, 12:45 Uhr

Der Vielseitige: Ex-VfB-Präsident Erwin Staudt

Stuttgart (dpa). Auf den ersten Blick könnte man meinen: Erwin Staudt wird den vielen Vertretern des Amateur-Fußballs nur schwer zu vermitteln sein, die den neuen Präsidenten des DFB mehrheitlich wählen.

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Kandidat
Auch Erwin Staudt wird als möglicher DFB-Präsident gehandelt.
Foto: Uwe Anspach – DPA

Der Favorit von Theo Zwanziger hat nie eine Funktionärs- Karriere hingelegt, sondern eine in der freien Wirtschaft. Auch den VfB Stuttgart führte er von 2003 bis 2011 eher wie ein Manager als ein Vereinspatron der alten Schule: Staudt setzte den großen Stadionumbau durch, ließ die Mitgliederzahlen geradezu explodieren und verdoppelte im Laufe seiner Amtszeit den Umsatz. «Ich bin keiner fürs Hinterzimmer, sondern einer für das Schaufenster», sagte der 63-Jährige einmal über sich selbst.

Vor allem aber ist der gebürtige Leonberger ein Mann mit vielen Facetten: volksnah, vielseitig, kommunikativ. Noch bevor sich der große Netzwerker beim Computerriesen IBM vom einfachen Mitarbeiter zum Chef des deutschen Ablegers hocharbeitete, saß er für die SPD drei Jahre im Leonberger Kreistag. Und lange bevor er den VfB übernahm, stand Staudt schon an der Spitze seines Heimatvereins TSV Eltingen.

«Mit dem Kapitel Vereinsfußball habe ich abgeschlossen», sagt der dreifache Familienvater. «Doch Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zu sein, das ist eine der schönsten Aufgaben, die es in Deutschland gibt. Ich traue mir das zu.»

Seine Liebe zum Fußball muss Staudt niemandem mehr beweisen, die sah man ihm bei jedem seiner Auftritte als VfB-Präsident an. «Habemus Mister», erklärte er mit dem Stolz eines Fans, als er 2005 Giovanni Trapattoni zum neuen Trainer machte. Und als sein Verein in der vergangenen Saison beinahe abgestiegen wäre, kriegte Staudt während der Spiele kaum eine Stadionwurst hinunter, so aufgeregt war er.

Der größte Erfolg seiner Amtszeit ist der Gewinn der deutschen Meisterschaft 2007. Als Makel wurde stets die Trennung von gleich sieben Trainern wahrgenommen. Was ihm aber besonders wichtig ist, verriet Staudt erst in der vergangenen Woche der «Stuttgarter Zeitung»: «Ich war der IBM-Chef und der VfB-Präsident. Aber für die Leute in Leonberg war ich immer der Erwin.»