Archivierter Artikel vom 19.07.2013, 11:15 Uhr

Der Traum vom großen Musikgeschäft – 10 Jahre Popakademie

Mannheim (dpa). Vor zehn Jahren war es ein Experiment, inzwischen hat sich die Popakademie in Mannheim etabliert. Es gibt achtmal so viele Bewerber wie Plätze. Manche Studenten kommen groß raus.

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Popakademie Baden-Württemberg
Arbeiten am Mischpult: Seit zehn Jahren lernen Studenten an der Popakademie Baden-Württemberg alles übers Musikbusiness.
Foto: Uwe Anspach – DPA

Ein Pflichtpraktikum bei der Naidoo-Herberger Produktion war für Jules Kalmbacher der ganz große Glücksgriff. Der 22-Jährige studiert Musikbusiness an der Popakademie Mannheim – und produzierte Xavier Naidoos aktuelles Album «Bei meiner Seele». Anfang Januar hätten er und Naidoo sich getroffen und Musik gemacht, erzählt der 22-Jährige, der Gitarre, Klavier, Schlagzeug und Bass spielt. «Wir hatten gar nicht vor, ein Album zu machen, aber dann haben wir uns fünf, sechs Tage eingeschlossen und hatten so einen Lauf. Wir haben uns gegenseitig Ideen zugespielt.»

Nach dem Unterricht zur Probe
Nach dem Unterricht ist noch lange nicht Schluss: Die Studenten proben in den Übungsräumen der Popakademie.
Foto: Uwe Anspach – DPA

Nicht jeder Student oder Absolvent der Popakademie Baden-Württemberg kommt so groß raus wie Kalmbacher – aber er ist auch keine Ausnahme. Absolvent Sebastian Andrej Schweizer zum Beispiel ist der Entdecker und Manager von Rapper Cro, dem Mann mit der Panda-Maske. Konstantin Gropper von der Indie-Band Get Well Soon studierte an der Akademie Popmusikdesign. Produzent Michael Herberger von der Musikproduktionsfirma Naidoo-Herberger hätte gern selbst die Mannheimer Talentschmiede besucht, wie er sagt. «Es gibt aber sicherlich auch Leute, für die die Popakademie nichts ist.»

Jules Kalmbacher
Der 22-jährige Jules Kalmbacher studiert an der Popakademie Mannheim – und produzierte Xavier Naidoos aktuelles Album «Bei meiner Seele».
Foto: Uwe Anspach – DPA

Die Hochschuleinrichtung wurde am 1. April 2003 gegründet. Mit-Initiator war damals Xavier Naidoo, der dort auch heute noch regelmäßig Dozent ist. Ihr zehnjähriges Bestehen feiert die Popakademie offiziell am Freitag (19. Juli) mit einem Jubiläumskonzert.

Student Kalmbacher erfuhr als Abiturient bei einer Infoveranstaltung von der Einrichtung. «Ich war völlig hin und weg, ich wusste gar nicht, dass man sowas studieren kann.» Beim ersten Mal wurde er noch abgelehnt, bei der zweiten Bewerbung bekam er eine Zusage. «Es hat sich gelohnt, am Ball zu bleiben.» Er ist nicht der Einzige, der wartet: Für die inzwischen etwa 100 Plätze pro Jahr gibt es rund 800 Interessenten.

In dem modernen Neubau in der Mannheimer Hafenstraße ist nach dem Unterricht nicht sofort Schluss: In den Übungsräumen proben Studenten, einer spielt auf dem Schlagzeug die Musik für einen Zeichentrickfilm ein. Auf dem Flurboden sitzt ein Student und spielt Gitarre. Kalmbacher sagt, er genieße die lockere Stimmung und den intensiven Kontakt mit den Dozenten, die zum Teil zu guten Bekannten geworden seien.

Im Studium knüpfe er wertvolle Kontakte, bekomme Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Ansprechpartnern, an die er sonst vielleicht nie herangekommen wäre. Inhaltlich lernt der 22-Jährige neben der Geschichte der Popmusik auch etwas über das Steuerwesen. «Das sind oft sehr trockene Sachen, im Nachhinein aber sehr sinnvoll.»

Der Leiter des Fachbereichs Musik- und Kreativwirtschaft, Hubert Wandjo, sagt: «Ein Star zu werden, ist zunächst sicherlich der Traum von vielen, die für ein Studium an die Popakademie kommen – aber in der Realität ist die Wahrscheinlichkeit eher gering.» Daher stelle sich für jeden, ob Künstler oder Produzent, irgendwann die Frage «Was mache ich denn damit?». Die meisten Kreativen müssten viele verschiedene Wege finden, um auskömmlich leben zu können.

Jules Kalmbacher hätte seinen Weg wohl auch ohne die Popakademie gemacht. «Sie war aber auf jeden Fall ein Beschleuniger», sagt er. «Das eine ist die Musik, das andere, wie man damit Geld verdient.»

Webseite der Popakademie